Ja­ni­na Hart­wig:

Für TV-Star Ja­ni­na Hart­wig, 55, ist Schwes­ter Han­na auch pri­vat ein Vor­bild. Sie weiß, dass Zu­ver­sicht das Le­ben än­dern kann

Meins - - Inhalt - VON KATHI BEHR & BEN­JA­MIN CIBACH

„Für mich ist das Glas im­mer halb voll!“

Ei­ne Ber­li­ne­rin in München. Ja­ni­na Hart­wig, Deutsch­lands be­lieb­tes­te Fern­seh-Non­ne, ist vor 25 Jah­ren an die Isar ge­zo­gen. Dass sie in­wi­schen so­gar als „Münch­ner Madl“wahr­ge­nom­men wird, liegt an ih­rer aus­ge­präg­ten Lie­be zu Dirndl und Wiesn-Freu­den. Die le­bens­fro­he Schau­spie­le­rin lässt nie ein Ok­to­ber­fest aus, wo sie vie­le Freun­de, Kol­le­gen und auch im­mer wie­der Fritz Wep­per trifft. Der UrMünch­ner spielt an ih­rer Sei­te den knor­ri­gen Bür­ger­meis­ter in „Um Him­mels Wil­len“– ein Se­ri­en­Dau­er­bren­ner, des­sen po­pu­lä­res Ge­sicht die 55-Jäh­ri­ge ge­wor­den ist.

Ja­ni­na Hart­wig rich­tet ihr Le­ben neu aus.

Bei der Wiesn 2016 wird sie oh­ne ih­ren lang­jäh­ri­gen Freund, Star­koch Rei­ner Fi­scher, 57, er­schei­nen. Das Paar trenn­te sich An­fang des Jah­res oh­ne bö­se Wor­te, der be­ruf­li­che Stress hat­te zum Aus­ein­an­der­le­ben ge­führt. Ja­ni­na

Ich bin heu­te ge­las­se­ner – und hö­re mehr auf mei­nen Bauch

Hart­wig, Mut­ter ei­nes Soh­nes, 12 (aus der Ehe mit dem Cel­lis­ten Micha­el Hell), und ei­ner 25-jäh­ri­gen Toch­ter (Va­ter: „Tat­ort“-Star Mi­ros­lav Ne­mec), blickt vol­ler Zu­ver­sicht in die Zu­kunft. MEINS: Sie sind schon lan­ge im Sü­den zu Hau­se. Ha­ben Sie hier auch schon Hei­mat­ge­füh­le ent­wi­ckelt?

Ja­ni­na Hart­wig: Ich ha­be in mei­nem Le­ben nie län­ger an ei­nem an­de­ren Ort als in München ver­bracht, bin di­rekt nach der Wen­de hier­her­ge­zo­gen. Ich le­be wahn­sin­nig gern hier. In drei St­un­den bin ich am Gar­da­see, in vier so­gar in Ve­ne­dig. Ein Traum. Ja, ich wür­de sa­gen: München ist mei­ne Hei­mat ge­wor­den. MEINS: Als Schwes­ter Han­na wir­ken sie stets so wil­lens­stark und hand­fest. Sind Sie das auch pri­vat?

Ja­ni­na Hart­wig: Das wä­re schön, klappt aber nicht im­mer. Ge­ne­rell den­ke ich aber schon, dass viel von die­ser Fi­gur in mir steckt. Wie Han­na tan­ze ich zum Bei­spiel seit mei­nem fünf­ten Le­bens­jahr. Ich den­ke ähn­lich po­si­tiv, und ich hät­te gern ih­ren Stur­kopf (lacht)! Han­na hat zu­dem die­ses un­glaub­li­che Gott­ver­trau­en. Sie weiß, die Din­ge wer­den sich schon fü­gen. MEINS: Ist sie ein Vor­bild für Sie?

Ja­ni­na Hart­wig: Ja. Wenn ich in schwie­ri­gen Si­tua­tio­nen ste­cke, dann den­ke ich an Schwes­ter Han­na und fra­ge mich: Wie wür­de sie die­se schein­bar aus­weg­lo­se Si­tua­ti­on jetzt re­geln? Und das hat mir schon oft ge­hol­fen, das Glas halb voll und nicht halb leer zu se­hen. Ich bin da­durch viel ge­las­se­ner ge­wor­den. MEINS: Sind Sie bi­bel­fest? Ja­ni­na Hart­wig: In­zwi­schen ja! Das ge­hört schließ­lich zu un­se­rer Kul­tur. Als Kind der DDR muss­te ich mir das al­ler­dings müh­sam an­eig­nen. MEINS: Wie ha­ben Sie Ih­re Kind­heit emp­fun­den? Ja­ni­na Hart­wig: Sie war toll! Wir leb­ten in Berlin in ei­ner sehr gro­ßen Ge­mein­schaft. In un­se­rem Haus wa­ren 15 Kin­der, wir wa­ren im­mer drau­ßen, und wenn wir Hun­ger hat­ten, ließ mei­ne Mut­ter ei­nen Korb vom Bal­kon run­ter. Mit 19 bin ich dann weg aus Berlin, um in Dres­den ans Thea­ter zu ge­hen. Heu­te bin ich wie­der öf­ters da, aber der Ost­teil hat sich so stark ver­än­dert, dass ich ihn manch­mal kaum wie­der­er­ken­ne. MEINS: Wie wür­den Sie Ihr jet­zi­ges Le­bens­ge­fühl be­schrei­ben?

Ja­ni­na Hart­wig: Ich ver­su­che, mich wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Und man muss be­reit sein, aus Er­fah­run­gen zu ler­nen. Das klappt auch im­mer bes­ser, je äl­ter ich wer­de. MEINS: Und wie ge­hen Sie mit Kri­sen um, et­wa mit ei­ner Tren­nung? Ja­ni­na Hart­wig: Kri­sen sind da­zu da, um be­wäl­tigt zu wer­den. Ich sa­ge zu mei­nen Kin­dern im­mer: ,Hin­fal­len ist kei­ne Schan­de, aber lie­gen blei­ben schon.‘ Sich wie­der auf­zu­rap­peln und aus dem Sturz zu ler­nen, das ist ent­schei­dend. MEINS: Gibt es Din­ge, die Sie be­reu­en? Ja­ni­na Hart­wig: Mit die­sem Schuld­und-Süh­ne-Prin­zip der ka­tho­li­schen Kir­che ha­be ich ein Pro­blem. Na­tür­lich gibt es im­mer Din­ge, die hät­te ich an­ders ma­chen sol­len. Aber die Si­tua­ti­on war so, und des­we­gen ha­be ich so ge­han­delt, auch wenn ich es heu­te an­ders an­ge­hen wür­de. Wich­tig ist doch die gu­te Ab­sicht. Das gilt auch für die Er­zie­hung mei­ner Kin­der. Na­tür­lich ma­che ich Feh­ler. Und vi­el­leicht ste­hen die ir­gend­wann mal vor mir und sa­gen: Da hast du aber et­was

falsch ge­macht. Auch da­mit muss man le­ben kön­nen. MEINS: Hö­ren Sie eher auf Ih­ren Bauch oder den Kopf?

Ja­ni­na Hart­wig: Der Kopf kann manch­mal sehr hin­der­lich sein, wenn man zu viel ab­wägt. Und aus Angst wagt man Din­ge dann ein­fach nicht, die vi­el­leicht rich­tig und gut ge­we­sen wä­ren. Ich ha­be mit dem Al­ter ge­lernt, ein­fach mehr auf mei­nen Bauch zu hö­ren. Und man muss den Mut ha­ben, sich selbst zu ver­trau­en. MEINS: Sie spie­len seit zwölf Jah­ren im TV-Hit „Um Him­mels Wil­len“. Das er­for­dert viel Dis­zi­plin, oder?

Ja­ni­na Hart­wig: Das ge­hört zum Be­ruf, aber ich schaf­fe es nicht so oft, wie ich soll­te. Vie­le Kol­le­gin­nen sind viel dis­zi­pli­nier­ter als ich. Aber da­für ge­nie­ße ich mein Le­ben sehr. Und dre­he seit nun­mehr zwölf Jah­ren „Um

Hin­fal­len ist kei­ne Schan­de. Lie­gen blei­ben schon Man muss den Mut ha­ben, sich selbst zu ver­trau­en

Him­mels Wil­len“. Es kommt mir vor, als hät­te ich vor­ges­tern erst an­ge­fan­gen. Das ist ein gu­tes Zei­chen! Meins: was ist das für ein ge­fühl, un­ter die­ser hau­be zu ste­cken? wird es dar­un­ter nicht sehr warm?

ja­ni­na hart­wig: Viel schlim­mer ist, dass sich die Wahr­neh­mung ver­än­dert. Bei mei­nem ers­ten Dreh­tag hat­te ich mich ge­wun­dert, war­um al­le so flüs­ter­ten. Von we­gen! Ich hör­te ein­fach schlech­ter. Aber auch dar­an kann man sich ge­wöh­nen. Meins: ei­ne aus­zeit im Klos­ter – wä­re das et­was für sie? ja­ni­na hart­wig: Ich bin ab­so­lut reif fürs Klos­ter! Ich neh­me mir das auch je­des Jahr vor. Zwei Freun­de wa­ren nach so ei­nem Schwei­ge-Se­mi­nar ganz be­geis­tert. Die Sin­ne wer­den ge­schärft, und du er­fährst viel über dich.

Meins: gön­nen sie sich län­ge­re­re ru­he­pau­sen? ja­ni­na hart­wig: Es geht im­mer bes­ser, auch wenn ich mich manch­mal re­gel­recht da­zu zwin­gen muss. Denn ich brau­che die­se Pau­sen, da­mit die See­le sich wie­der ent­fal­ten kann. Ich kann in­zwi­schen auch das Al­lein­sein viel bes­ser als frü­her ge­nie­ßen. Meins: Füh­len sie sich an­ge­kom­men?

ja­ni­na hart­wig: „Im Le­ben an­kom­men“hat so et­was Star­res. Still­stand ist et­was Furcht­ba­res. Es gibt Men­schen, die bau­en ihr gan­zes Le­ben ein Haus. Und ist es fer­tig, dann ster­ben sie oder tren­nen sich vom Part­ner. Ich ha­be Ve­rän­de­run­gen im be­ruf­li­chen wie pri­va­ten Be­reich stets als gro­ße Be­rei­che­rung wahr­ge­nom­men. Ich mag die Be­we­gung. Man kann auch Glück nicht fest­hal­ten. Ver­sucht man es trotz­dem, ist es auch schon ent­fleucht. Meins: gibt es für sie ei­ne art Le­bens­mot­to? ja­ni­na hart­wig: Wenn nicht jetzt, wann dann? •

Ich kann das Al­lein­sein heu­te viel bes­ser ge­nie­ßen als frü­her

ES GEHT LoS! Die Wahl-. Münch­ne­rin Ja­ni­na Hart­wig freut sich aufs Ok­to­ber­fest

WIESN-DUO Mit ih­rem Ex-Freund und Koch Rei­ner Fi­scher (Tren­nung An­fang des Jah­res)

HIM­MEL weiß-blau! In Fei­er­lau­ne mit Fern­sehKol­le­gin Jut­ta Spei­del

ge­niesst das

jetzt Ja­ni­na Hart­wig fin­det: „Still­stand ist furcht­bar. Ich mag die Be­we­gung.“

sChö­ne ta­ge Aus ih­rer Ehe mit dem Cel­lis­ten Micha­el Hell (2000–2011) stammt Sohn Da­vid, heu­te 12. Fo­to von 2004 – links: Hells Toch­ter Ele­na, 24. Rechts: Hart­wigs Toch­ter Ame­lie, 25.

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