self-Coa­ching 50+

Auf zu neu­en Ufern!

Meins - - Inhalt - VON SA­BI­NE KÄMPER

Bar­ba­ra, 52, ist Ge­schäfts­frau und führt ei­nen Mu­sik­ver­lag mit meh­re­ren Mit­ar­bei­tern. Und gro­ßem Er­folg. Doch im­mer öf­ter fragt sie sich: War das jetzt schon al­les? Ir­gend­wie nagt an ihr ei­ne la­ten­te Un­zu­frie­den­heit, die sie sich nicht er­klä­ren kann. So wie ihr geht es vie­len Frau­en um die 50, weiß Coach Sa­bi­ne Po­e­tsch. Sie ist Mit­in­itia­to­rin der Ko­ope­ra­ti­ve Wer­den (sie­he Kas­ten). „Die Frau­en, die zu uns kom­men, sind im Schnitt 52,7 Jah­re alt und ha­ben ein dif­fu­ses Ge­fühl von Un­er­füllt­sein“, sagt sie. Die Mid­life-Cri­sis ist al­so Fakt? „Zu­min­dest ist jetzt der Mo­ment, wo wir de­fi­ni­tiv spü­ren, dass das Le­ben end­lich ist. Jetzt ha­ben wir aber auch noch die Kraft, et­was zu be­we­gen. Hin­zu kommt, dass nun meist die Kin­der aus dem Haus sind, im Vor­der­grund ste­hen nicht mehr die Pflich­ten, son­dern die Freu­de.“Auch klei­ne Ve­rän­de­run­gen be­wir­ken schon viel Neu­er Job, neu­er Part­ner, neue Stadt? „Nein, es müs­sen nicht zwangs­läu­fig die ganz gro­ßen Ve­rän­de­run­gen sein“, sagt Sa­bi­ne Po­e­tsch. Wich­tig sei nur, ge­nau hin­zu­schau­en und nach den

Ur­sa­chen zu for­schen. Denn schnell se­hen wir Pro­ble­me an der fal­schen Stel­le, glau­ben bei­spiels­wei­se, dass der Job nervt, da­bei müss­ten wir im Pri­vat­le­ben et­was än­dern. Oder wir möch­ten uns be­ruf­lich kom­plett neu er­fin­den, da­bei wür­den ein an­de­rer Auf­ga­ben­be­reich oder an­de­re Ar­beits­zei­ten schon rei­chen. In sol­chen Si­tua­tio­nen kann Coa­ching sinn­voll sein. Coa­ching ist im­mer lö­sungs­ori­en­tiert Im Ge­gen­satz zur Psy­cho­the­ra­pie, die sich mit der Ver­gan­gen­heit be­schäf­tigt, bli­cken wir beim Coa­ching in die Zu­kunft: „Was kann ich ganz kon­kret tun, um ein zu­frie­de­ne­res Le­ben zu füh­ren?“, so die Ex­per­tin. Coa­ching ist lö­sungs­ori­en­tiert. Da­zu brau­chen wir nicht zwangs­läu­fig ei­nen Pro­fi. Grund­sätz­lich geht es dar­um, sich ein Ziel zu set­zen und ei­ne Stra­te­gie zu er­ar­bei­ten, wie wir es er­rei­chen. Na­tür­lich kann ein un­vor­ein­ge­nom­me­ner Blick von au­ßen da­bei hilf­reich sein. Oft ge­nü­gen schon zwei St­un­den, um ei­ne pas­sen­de Stra­te­gie zu ent­wi­ckeln. Ist un­ser Ziel noch eher schwam­mig, soll­ten wir nach fünf Sit­zun­gen kla­rer se­hen. „Ein gu­ter Aus­gangs­punkt ist im­mer die Fra­ge, was hat mir frü­her Freu­de be­rei­tet oder was nervt mich jetzt ge­ra­de?“, weiß Sa­bi­ne Po­e­tsch.

Ha­ben wir das rich­ti­ge Ziel für uns ge­fun­den, brau­chen wir uns um die Mo­ti­va­ti­on ei­gent­lich nicht mehr zu sor­gen. „Lässt die al­ler­dings zu wün­schen üb­rig, müs­sen wir uns fra­gen: Will ich das wirk­lich oder sagt mir vi­el­leicht mein Um­feld, ich soll­te?“, er­klärt die Fach­frau.

Das Ziel fest im Blick und dann nichts wie los Wol­len wir bei­spiels­wei­se an un­se­rer Per­sön­lich­keit ar­bei­ten, hat es sich be­währt, so­ge­nann­te Re­fe­renz­si­tua­tio­nen zu su­chen. Bei­spiel Schüch­tern­heit: Es gab si­cher mal ei­ne Si­tua­ti­on, in der wir sie über­win­den konn­ten –

wie ha­ben wir uns da ge­fühlt? Auch hilf­reich: durch­spie­len, was uns schlimms­ten­falls pas­sie­ren könn­te.

Für Bar­ba­ra G. war nach ei­ni­gen Coa­ching-Sit­zun­gen klar: Sie möch­te ih­re al­te Lie­be zu Na­tur und Heil­kräu­ter­wis­sen neu be­le­ben. Ein In­ter­es­se, das sie nicht ver­folg­te, weil es in ih­rer Fa­mi­lie frü­her nur be­lä­chelt wur­de. Heu­te führt sie ei­nen Kräu­ter­gar­ten, der an al­tes Heil­wis­sen an­knüpft. •

IM EIn­KlAng Un­ser Ziel in der Le­bens­mit­te: end­lich bei uns an­kom­men

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