Auf dem Land hab’ ich mein Glück gefunden

Ih­re Kin­der sind groß und ge­hen ei­ge­ne We­ge. Da be­schloss uta Jan­beck, 54, ei­nen Traum zu le­ben

Meins - - Mein Leben - VON VE­RE­NA SCHITNIG

Als wir in Gel­ting an­kom­men, emp­fängt uns Uta freu­de­strah­lend auf ih­rem Hof an der Ost­see. Vor uns steht ein ro­tes Back­stein­haus mit ku­sche­li­gem Reet­dach und grün-wei­ßen Fens­tern. Ei­ne Mö­we kreischt über un­se­ren Köp­fen, die Blät­ter der Lin­de we­hen im Wind, Kaf­fee­duft liegt in der Luft. Uta Jan­beck hat ge­ra­de die Bet­ten der Gäs­te­zim­mer frisch auf­ge­schüt­telt, ei­nen klei­nen Gang mit ih­rer Hün­din Frit­zi ge­macht – und setzt sich jetzt mit uns in ih­ren herr­li­chen Gar­ten.

Uta Jan­beck lebt hier an der Ost­seeKüs­te ih­ren Traum. Sie er­fand „Jan­beck’s FAIRhaus“, ei­nen um­welt­be­wuss­ten Be­trieb mit sie­ben Fe­ri­en­woh­nun­gen und ei­nem Hof­ca­fé, in dem sie Selbst­ge­ba­cke­nes an­bie­tet.

Rückblick: Bis 2002 leb­te Uta mit ih­rer Fa­mi­lie in Ah­rens­burg, ei­ner Kle­in­stadt na­he Ham­burg. Weil sie schon mit 18 ih­re Toch­ter be­kam, mach­te sie nie ei­ne Aus­bil­dung, wid­me­te sich den Kin­dern und ih­rem Mann Ste­phan, der als IT-Pro­fi Karriere macht. Als drei ih­rer vier Kin­der 2001 aus­ge­zo­gen wa­ren, be­schloss Uta: Es muss sich was än­dern in mei­nem Le­ben. „Ich woll­te weg, den en­gen Wohn­ver­hält­nis­sen der Stadt ent­flie­hen und ir­gend­wo neu an­fan­gen, wo ich auch be­ruf­lich durch­star­ten konn­te.“

Die Idee kommt zu­fäl­lig, als sie durch das be­schau­li­che Städt­chen Bå­stad in Schwe­den bum­melt und das Ca­fé Ut­sik­ten ent­deckt. Die aus­la­den­de Ter­ras­se und der Blick auf das Meer ge­fal­len ihr so gut, dass sie sagt: „So et­was will ich auch ma­chen. Viel­leicht ein Bed and Bre­ak­fast.“Wie­der zu­rück, ma­chen sich Uta und ihr Mann auf die Su­che nach dem neu­en Le­bens­mit­tel­punkt. Auf je­den Fall soll er im Nor­den lie­gen. Es dau­ert kein Jahr, dann hat sie ih­ren Sehn­suchts­ort gefunden: ei­nen 1789 er­bau­ten re­no­vie­rungs­be­dürf­ti­gen An­gel­ner Drei­seit­hof mit vier Hekt­ar Grund­stück an der Ost­see. „Schon bei der Be­sich­ti­gung hab’ ich mich in den Hof ver­liebt“, er­zählt Uta. Aus den al­ten Ge­mäu­ern sol­len Fe­ri­en­woh­nun­gen und ein Hof­ca­fé ent­ste­hen, in dem sie für ih­re Gäs­te Früh­stück an­bie­ten will.

Ihr Mann un­ter­stützt ih­re Plä­ne. „Frü­her ha­be ich ihm den Rü­cken frei­ge­hal­ten, und jetzt war ich dran, meine Träu­me zu ver­wirk­li­chen.“Von ih­rem Stadt­haus, in dem sie 17 Jah­re ge­lebt hat, trennt sie sich ohne je­de Weh­mut: „Ich ha­be mich viel zu sehr auf das Neue ge­freut.“Und das heißt erst mal: an­pa­cken. In Latz­ho­se und Gum­mi­stie­feln be­ginnt sie, ma­ro­de Wän­de ab­zu­tra­gen. Die ers­ten Näch­te im neu­en Zu­hau­se sind kalt, ge­schla­fen wird auf Ma­trat­zen. Vier Jah­re wer­den die Um­bau­ar­bei­ten dau­ern, in de­nen der Hof auch ei­ne Bio­klär­an­la­ge, zwei Block­heiz­kraft­wer­ke zur Strom­er­zeu­gung für den Ei­gen­be­darf und So­lar­an­la­gen am Dach er­hält. „Ich woll­te den Be­trieb so ent­wi­ckeln, dass wir gut le­ben und ihn ei­nes Tages ur­en­kel­freund­lich hin­ter­las­sen.“

Aber uta will noch mehr und macht ei­ne Aus­bil­dung

zur Haus­wirt­schaf­te­rin an der Land­wirt­schafts­kam­mer Schles­wig-Holstein. „Das war mein Weg, den ich ge­hen woll­te. Und ich wuss­te, dass mir das liegt“, sagt sie. Schließ­lich hat­te sie Jahr­zehn­te den gro­ßen Haus­halt ge­schau­kelt und schon als Kind ih-

Ich wuss­te, das ist mein Weg. Den muss ich ge­hen

rer Oma Lis­beth über die Schul­ter ge­schaut. Was Uta in ih­rem Hof­ca­fé ser­viert, wird aus­schließ­lich re­gio­nal pro­du­ziert. 2016 macht sie den zwei­ten Platz beim „Fair­wert“– ei­nem Preis für nach­hal­ti­gen Tou­ris­mus! „Un­se­re Gäs­te möch­ten wissen, was sie es­sen. Da­her ba­cke ich auch al­les selbst.“Dass sie lan­ge Ta­ge hat und vom Bet­ten­ma­chen bis zum Mar­ke­ting al­les selbst macht, stört sie kaum. Sie liebt, was sie tut. Das sieht man – an den Blu­men in den hel­len Gäs­te­zim­mern, den sü­ßen Köst­lich­kei­ten in der Vi­tri­ne im Ca­fé und dem Strah­len in ih­rem Ge­sicht. •

idyl­lisch der hof liegt in­mit­ten von Wie­sen und Wäl­dern. hier ha­ben uta und Meins-Re­dak­teu­rin Ve­re­na Mu­ße zum Plau­dern. das ge­fällt auch hün­din Frit­zi

heu­te FRisch! Lie­be­voll schreibt Uta täg­lich ih­rAn­ge­bot an die Ta­fel

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.