Mein Freund wünscht sich öf­ter Sex als ich

Meins - - Intime Kolumne - Al­les Lie­be wünscht Ih­nen Ih­re Dr. Ve­re­na Brei­ten­bach

Mein Freund ist zehn Jah­re jün­ger als ich, und ich bin sehr ver­liebt. Der Sex mit ihm macht mir auch Spaß. Er möch­te aber viel öf­ter mit mir schla­fen, als ich es möch­te. Was kann ich tun? Ros­wi­tha, 64

Lie­be Ros­wi­tha,

ich fin­de es su­per, dass Sie sich in ei­nen jün­ge­ren Mann ver­liebt ha­ben. Zum Glück ist das in un­se­rer Zeit mög­lich und viel häu­fi­ger als frü­her. Im­mer mehr Frau­en ha­ben we­sent­lich jün­ge­re Män­ner und ste­hen auch da­zu. Und sehr vie­le Paa­re sind sehr glück­lich. Auch hier gibt es nun end­lich Gleich­be­rech­ti­gung. Und von der Ge­sell­schaft wird es ab­so­lut ak­zep­tiert. Es le­be das 21. Jahr­hun­dert! Frau­en und Män­ner eman­zi­pie­ren sich bei­de von ge­sell­schaft­li­chen Er­war­tun­gen. Und das ist der bes­te Weg zum ei­ge­nen Glück.

Die Lust auf Sex ist bei al­len Men­schen un­ter­schied­lich. Wie neue­re Stu­di­en zei­gen, hängt sie we­ni­ger vom Al­ter als von der Län­ge der Be­zie­hung ab. Auch mit den Wech­sel­jah­ren und da­nach nimmt die Li­bi­do nicht zwangs­läu­fig ab. Aber ge­ne­rell ha­ben Män­ner meist mehr Lust und wol­len häu­fi­ger Sex. Meist kön­nen sie Se­xua­li­tät von der Be­zie­hung oder Pro­ble­men eher tren­nen. Wir Frau­en brau­chen oft das Rundum­pa­ket aus Lie­be, Nä­he und Ge­bor­gen­heit. Dann ent­steht auch Lust auf Sex. So un­ter­schied­lich sind die Ge­schlech­ter nun mal.

Wich­tig ist es, dass Sie, lie­be Ros­wi­tha, mit Ih­rem Part­ner dar­über re­den. Sie kön­nen ihm sa­gen, dass Sie ihn lie­ben und at­trak­tiv fin­den, aber mo­men­tan nicht so häu­fig Sex wol­len. Dann fühlt er sich als Mann gut und zwei­felt nicht an sich. Denn das kann bei vie­len Män­nern der Fall sein, wenn die Frau nicht mit ih­nen schla­fen möch­te. Das kratzt ge­wal­tig an ih­rem Ego. Ich wür­de auch „mo­men­tan“be­to­nen, denn das kann sich bei Ih­nen ja auch wie­der än­dern.

Se­xua­li­tät ist ja auch nicht nur das Ein­drin­gen, son­dern auch das Strei­cheln, Lieb­ko­sen und Ent­de­cken des Kör­pers. Auch Mas­sa­gen, ero­ti­sche Lek­tü­re oder Fil­me kön­nen an­re­gend sein. Ge­ra­de bei Tan­tra- oder Slow Sex geht es viel mehr um die so­ge­nann­te Acht­sam­keit, Ent­schleu­ni­gung, Ent­span­nung und pu­ren Ge­nuss. Der Weg ist dort das Ziel. Es wer­den so Bo­ten­stof­fe wie Se­ro­to­nin und Do­pa­min frei­ge­setzt, die auch die Lust stei­gern. So ganz en pas­sant, ohne dass wir uns dar­auf fo­kus­sie­ren.

Man­chen Frau­en hel­fen auch Sex­spiel­zeu­ge, Rol­len­spie­le oder spe­zi­el­le Des­sous, um wie­der in Stim­mung zu kom­men. Vie­le ha­ben mehr Li­bi­do, wenn sie re­gel­mä­ßig Sport ma­chen, da so die männ­li­chen Hor­mo­ne im Kör­per an­stei­gen.

Füh­len Sie ein­fach mal in sich hin­ein, wann, wo und wie oft Sie Lust auf Sex ha­ben und wann nicht. Viel­leicht kön­nen Sie auch ein Tagebuch dar­über füh­ren, was Ih­nen ge­fällt und was nicht und in wel­cher Stim­mung Sie ge­ra­de sind. Un­ab­hän­gig da­von wür­de ich ei­nen Arzt auf­su­chen, um kör­per­li­che Er­kran­kun­gen wie Hor­mons­tö­run­gen der Schild­drü­se, Dia­be­tes oder an­de­re aus­zu­schlie­ßen. Und auch zu ei­nem Frau­en­arzt ge­hen. Ich weiß nicht, ob Sie Hor­mo­ne neh­men oder nicht. Aber das kön­nen Sie al­les mit ihm be­spre­chen.

Auch Stress, Über­ar­bei­tung und Pro­ble­me kön­nen Lust­kil­ler sein. Se­xua­li­tät braucht Zeit, Mu­ße und auch Krea­ti­vi­tät, um sich schön ent­wi­ckeln zu kön­nen. Su­chen Sie sich Auszeiten, al­lein oder zu zweit. Sie kön­nen auch bei Ih­rem ei­ge­nen Kör­per auf Ent­de­ckungs­rei­se ge­hen und dann Ih­rem Part­ner sa­gen, was Ih­nen ge­fällt.

Ich weiß nicht, wie oft Ihr Part­ner mit Ih­nen schla­fen möch­te. Und ich weiß auch nicht, ob Sie in an­de­ren Be­zie­hun­gen mehr Lust auf Sex hat­ten. Es kann auch mit Ih­rer Ver­gan­gen­heit zu tun ha­ben. Zum Bei­spiel mit Er­leb­nis­sen, die noch nicht ver­daut sind.

Mit zu­neh­men­der Le­bens­er­fah­rung geht es vie­len Paa­ren eher um Qua­li­tät als um Quan­ti­tät. Aber ich wür­de auch hier mit ih­rem Freund offen re­den. Am bes­ten au­ßer­halb des Bet­tes in ei­ner ent­spann­ten At­mo­sphä­re.

Ich bin si­cher, Sie fin­den den für Sie rich­ti­gen Weg. •

Lust auf Sex hängt we­ni­geR Län­ge vom Al­teR ab als von deR deR Be­zie­hung Se­xua­li­tät braucht Zeit, Mu­ße und Krea­ti­vi­tät

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