Mehr Geld, mehr Frei­zeit?

Jetzt ist’s amt­lich: 2017 soll die Fle­xiRen­te kom­men. Und was bringt uns die Re­form? Das Wich­tigs­te im Über­blick

Meins - - Fragen Sie Einfach Meins - VON ALEX EMUNDS

Ar­bei­ten und gleich­zei­tig Ren­te be­zie­hen? Laut dem neu­en Ge­set­zes­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung soll das nächs­tes Jahr ein­fa­cher wer­den. Was wir be­ach­ten müs­sen, sagt uns

An­ke Voss, Ren­ten­be­ra­te­rin beim Bundesverband der Ren­ten­be­ra­ter e.V. Was bringt uns die Fle­xiRen­te?

Ziel des neu­en Ge­set­zes­ent­wurfs soll sein, den Über­gang vom Er­werbs­le­ben in den Ru­he­stand fle­xi­bler zu gestal­ten. Wol­len wir noch über die re­gu­lä­re Al­ters­gren­ze hin­aus ar­bei­ten, soll auch das für uns at­trak­ti­ver wer­den.

Wer kann die Fle­xi-Ren­te in An­spruch neh­men?

Je­der, der vor­zei­tig in die Al­ters­ren­te ge­hen will, soll Teil­zeit­ar­beit und Teil­ren­te bes­ser mit­ein­an­der kom­bi­nie­ren kön­nen und dank neu­er Be­rech­nungs­grund­la­ge we­ni­ger Ab­zü­ge in Kauf neh­men müs­sen.

Was än­dert sich bei der Hin­zu­ver­dienst­gren­ze?

Aktuell ist es so, dass wir erst ab Er­rei­chen der Re­gel­al­ters­gren­ze un­be­grenzt hin­zu­ver­die­nen dür­fen. Da­vor

liegt die Gren­ze bei 450 Eu­ro pro Mo­nat. Zwei­mal pro Ka­len­der­jahr dür­fen wir 900 Eu­ro ver­die­nen. Bei ei­nem hö­he­ren Ver­dienst re­du­ziert sich die Ren­te in Stu­fen auf zwei Drit­tel, die Hälf­te oder ein Drit­tel der vol­len Ren­te. Da­bei gel­ten für die ein­zel­nen Teil­ren­ten­stu­fen in­di­vi­du­el­le

Hin­zu­ver­dienst­gren­zen. Die­se be­rech­nen sich nach unserem per­sön­li­chen Ver­dienst in den letz­ten drei Ka­len­der­jah­ren vor Ren­ten­be­ginn.

Nach­teil: Über­steigt der Hin­zu­ver­dienst ei­ne Gren­ze um ei­nen Cent, wird die Ren­te auf die nächs­te Stu­fe bzw. bis auf null ge­kürzt. Mit der neu­en Fle­xiRen­te sol­len zum 1. Ju­li 2017 die Mög­lich­kei­ten ei­nes Hin­zu­ver­diens­tes

fle­xi­bler wer­den. Das be­deu­tet, dass wir künf­tig auch vor Er­rei­chen der Re­gel­al­ters­gren­ze bis zu 6300 Eu­ro pro Jahr an­rech­nungs­frei hin­zu­ver­die­nen dür­fen. Und die An­rech­nung des Ver­diens­tes auf die Ren­te än­dert sich (sie­he Kas­ten).

Was pas­siert, wenn wir dar­über hin­aus ver­die­nen?

Ein Ver­dienst, der über die Gren­ze von 6300 Eu­ro pro Jahr hin­aus geht, wird zu 40 Pro­zent auf die Voll­ren­te an­ge­rech­net. Wenn die Sum­me aus ge­kürz­ter Ren­te und Hin­zu­ver­dienst über dem

Hin­zu­ver­dienst­de­ckel (wird in­di­vi­du­ell be­rech­net und ori­en­tiert sich am höchs­ten Ein­kom­men der letz­ten 15 Ka­len­der­jah­re) liegt, wird die­ser zu 100 Pro­zent auf die Teil­ren­te an­ge­rech­net.

Er­wer­ben wir mehr Ren­ten­an­sprü­che, wenn wir in Teil­zeit wei­ter­ar­bei­ten?

Ja, weil wir bis zur Re­gel­al­ters­gren­ze

ver­si­che­rungs­pflich­tig sind. Be­zie­hen wir ei­ne vor­ge­zo­ge­ne Al­ters­ren­te und ar­bei­ten wei­ter, er­hö­hen wir au­to­ma-

tisch un­se­re Ren­te. Erst wenn wir das Re­gel­al­ter er­reicht ha­ben, kön­nen wir uns ent­schei­den, ob wir trotz Ver­si­che­rungs­frei­heit wei­ter in die Ren­ten­kas­se ein­zah­len und so un­se­ren Ren­ten­an­spruch er­hö­hen. Zu­satz­in­fo: Der Ar­beit­ge­ber­bei­trag zur Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung soll für Re­gel­al­ters­ren­ten­be­zie­her weg­fal­len.

Las­sen sich Ab­schlä­ge jetzt bes­ser aus­glei­chen?

Wer be­reits vor der Re­gel­al­ters­gren­ze ei­ne Ren­te in An­spruch neh­men möch­te, kann Ab­schlä­ge durch frei­wil­li­ge Bei­trä­ge (teil­wei­se) aus­glei­chen. Der­zeit kön­nen wir da­mit ab 55 Jah­ren be­gin­nen. Im Zu­ge der Fle­xi-Ren­te soll uns die­se Mög­lich­keit schon ab 50 Jah­ren offen ste­hen. In Kraft tre­ten wird die­se Re­ge­lung zum 1. Ja­nu­ar 2017. In­fo: Wie hoch die­ser Aus­gleichs­be­trag in unserem Fall aus­fällt und ob wir in Ra­ten oder lie­ber al­les auf ein­mal zah­len, er­fah­ren wir durch ei­ne be­son­de­re Aus­kunft bei der Ren­ten­ver­si­che­rung.

Hat es Nach­tei­le, wenn wir frü­her in Ren­te ge­hen?

Wol­len wir frü­her in Ren­te ge­hen, müs­sen wir even­tu­ell ho­he Ab­schlä­ge in Kauf neh­men. Be­zie­hen wir ei­ne Teil­ren­te, be­kom­men wir u. U. we­ni­ger Geld – weil Ge­halt plus Teil­ren­te nicht ans vor­he­ri­ge Ge­halt ran­kom­men. Au­ßer­dem zah­len wir we­ni­ger in die Ren­ten­kas­se, wo­durch sich die spä­te­re Voll­ren­te auch we­ni­ger er­höht. Al­ler­dings ha­ben wir mehr Zeit für uns!

Muss der Ar­beit­ge­ber in die Fle­xi-Ren­te ein­wil­li­gen?

Grund­sätz­lich hat er kei­nen Ein­fluss dar­auf, ob wir frü­her in Ren­te ge­hen. Aber er muss da­mit ein­ver­stan­den sein, dass wir z. B. Teil­zeit wei­ter­ar­bei­ten.

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