Hu­mor war oft mein Ret­tungs­an­ker

Viel Licht und viel Schat­ten – Li­se­lot­te Pul­ver, 86, hat ge­ra­de ih­re Biografie her­aus­ge­bracht. Dar­in ver­rät sie, was ihr in schlim­men Zei­ten im­mer Kraft gab

Meins - - Mein Star - VON KATH­RIN BEHR

Es gibt Er­in­ne­run­gen, die kann man so­fort ab­ru­fen, ganz egal, wie lan­ge sie her sind. Ei­nen Duft zum Bei­spiel. Oder ein Lied. Oder eben ein La­chen. So wie das von Li­se­lot­te Pul­ver, 86. Wenn ihr Na­me fällt, se­hen wir im Geis­te, wie sie ih­ren Kopf in den Na­cken legt, und hö­ren die­ses herz­lich lau­te und mit­rei­ßen­de La­chen. Das hat sie be­rühmt ge­macht, es ist ihr Mar­ken­zei­chen und hat vie­le Ge­ne­ra­tio­nen be­glei­tet.

Kurz vor ih­rem 87. Ge­burts­tag hat die Schau­spie­le­rin jetzt ei­ne be­rüh­ren­de Biografie vor­ge­legt – „Dem Le­ben ins Ge­sicht ge­lacht“heißt sie. Ei­ne Rei­se in die Ver­gan­gen­heit, die von ih­rem be­weg­ten Le­ben als Star der 50er- und 60er-Jah­re er­zählt.

Doch Lilo Pul­ver ist an­ders als an­de­re Film-Iko­nen.

Kei­ne Sex­bom­be wie Bri­git­te Bar­dot oder Ma­ri­lyn Mon­roe, auch nicht so sinn­lich wie So­phia Lo­ren. Die Lilo ist die Sü­ße, Nied­li­che, mit mäd­chen­haf­tem Charme, ein we­nig schel­misch viel­leicht. We­gen ih­rer zar­ten Fi­gur spielt sie oft Kn­a­ben­rol­len. „Bei mir war Sex im­mer ei­ne Par­odie, weil ich ei­ne ver­füh­re­ri­sche Frau nicht ernst­haft spie­len konn­te, ich konn­te Ero­tik gut

par­odie­ren.“Das macht sie per­fekt in der Bil­ly-Wil­der-Ko­mö­die „Eins, zwei, drei“, ihr se­xy Sä­bel­tanz à la Ma­ri­lyn Mon­roe ist bis heu­te le­gen­där. Lilo Pul­ver ist eben nicht die klas­si­sche Lieb­ha­be­rin, da­für ist sie hin­rei­ßend ko­misch „bur­schi­kos“, wie sie selbst sagt. Als sü­ße 17-jäh­ri­ge, un­ga­ri­sche Gän­se­lie­sel in „Ich den­ke oft an Pi­rosch­ka“ent­zückt sie nicht nur ei­nen deut­schen Stu­den­ten, son­dern ein Mil­lio­nen­pu­bli­kum. Der Film ist bis heu­te Kult! Wie aus der Pis­to­le ge­schos­sen pfef­fert sie noch heu­te ih­ren ein­zi­gen un­ga­ri­schen Satz aus dem Film raus: „Aki más­nak ver­met ás ma­ga esik be­le!“– was so viel heißt wie: „Du sollst nicht nach den Gän­sen schla­gen.“Und da­bei hört man sie im Geis­te wie­der la­chen. Sie dreht mit Film­grö­ßen wie Curd Jür­gens, Heinz Rüh­mann und O. W. Fi­scher, in alle ist sie ein biss­chen ver­liebt. Schau­spie­len ist ihr Le­bens­eli­xier, ohne ih­ren Be­ruf hät­te sie es „gar nicht aus­ge­hal­ten“. Offen gibt sie zu, dass sie ein Wor­kaho­lic war: „Wenn ich frü­her 14 Ta­ge nichts zu tun hat­te, wur­de ich un­ru­hig. Am liebs­ten hät­te ich non­stop ge­ar­bei­tet.“

Bei Dreh­ar­bei­ten lernt sie auch die Lie­be ih­res Le­bens ken­nen: ih­ren Mann Hel­mut Schmid. Zwei Kin­der hat das Paar, Marc-Tell und Me­li­san­de. Die Toch­ter stürzt sich 1989 mit 21 Jah­ren vom Ber­ner Münster: „Ihr Tod hat uns als Fa­mi­lie zu­sam­men­ge­schweißt. Wir muss­ten uns stüt­zen“, sagt Lilo Pul­ver. Als drei Jah­re spä­ter ihr ge­lieb­ter Mann stirbt, scheint sie dar­an zu zer­bre­chen. „Es war der Ab­sturz für mich. Die Zeit schwächt den Schmerz ab, er ist aber nie ganz weg“, sagt sie. Ihr Heil­mit­tel in dunk­len St­un­den? „Hu­mor, er ist mein Ret­tungs­an­ker für al­les. Mit Hu­mor kann man tra­gi­sche Mo­men­te und Kri­sen über­win­den. Ich ha­be im­mer gern ge­lacht, das muss wohl an­ge­bo­ren sein.“

Heu­te lebt sie in ei­ner Al­ters­re­si­denz in Bern, im­mer noch leb­haft und vol­ler Op­ti­mis­mus. „Äl­ter­wer­den hat auch sei­ne schö­nen Sei­ten. Ich kann heu­te zum Bei­spiel das Nichts­tun bes­ser ge­nie­ßen als in jun­gen Jah­ren. Frü­her wä­re das un­denk­bar ge­we­sen.“

Dem Schick­sal ein Schnipp­chen schla­gen kann man nicht. Aber Lilo Pul­ver zeigt uns: Mit Hu­mor hal­ten wir uns über Was­ser, auch wenn die Wel­len hoch­schla­gen. Wär’ doch ge­lacht! •

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