An­ke En­gel­ke: Sie ist die be­lieb­tes­te TV-Frau. Was genau ist ihr Zau­ber?

An­ke En­gel­ke, 50, ist laut un­se­rer MEINS-Um­fra­ge die be­lieb­tes­te TV-Frau. Viel­leicht auch, weil sie fast Leh­re­rin ge­wor­den wä­re?

Meins - - Inhalt - VON ANGI BRINK­MANN

Bei un­se­rer gro­ßen MEINS-Um­fra­ge „Wer ist die be­lieb­tes­te Frau 50+?“lan­de­te An­ke En­gel­ke bei den Be­frag­ten ab 14 Jah­ren (Män­ner und Frau­en) auf Platz eins! Ge­ra­de wie­der be­zau­bert sie ganz Deutsch­land mit ih­rem Cha­ris­ma und ih­rem Sprach­ge­nie. Sie ver­leiht dem klei­nen Fisch Do­rie in der Fort­set­zung von „Fin­det Ne­mo“ih­re prä­gnan­te Stim­me.

Doch her­aus­zu­fin­den, wer wirk­lich hin­ter die­ser Stim­mungs­gra­na­te mit Köpf­chen steckt, ist gar nicht so ein­fach. Wir ken­nen sie als Ul­k­nu­del in „Sams­tag Nacht“, als „La­dy­kra­cher“, als die per­fek­te, zum Brül­len ko­mi­sche Ver­kör­pe­rung al­ler Ar­ten von Frau­en mit ei­nem ge­sun­den Hau. Wir wissen, un­ter all die­sen Ver­klei­dun­gen steckt die­se zier­li­che Frau, ge­ra­de mal knapp über 1,60 Me­ter groß, kei­ne 50 Ki­lo schwer – und mit die­ser un­bän­di­gen Le­bens­en­er­gie ge­füllt. Doch was macht sie so be­son­ders? Was ist die­ser be­son­de­re En­gel­ke-Zau­ber?

Sie liebt ih­Ren Job!

Weil sie auch ohne ihn könn­te. „Ich le­be nicht für mei­nen Be­ruf. Wenn ich das von heu­te auf mor­gen nicht mehr ma­chen könn­te, wä­re das nicht schlimm!“Dass das so ist, hat sie be­wie­sen! Als Nach­fol­ge­rin von Ha­rald Schmidt fiel sie mit ih­rem Nacht-Talk ge­hö­rig auf die Na­se. Ge­scha­det hat ihr das Quo­ten­di­lem­ma nicht. Klug nutz­te sie die Chan­ce, ihr Schei­tern zu be­leuch­ten: „Ich bin kei­ne Al­lein­un­ter­hal­te­rin. Ich spie­le, und die Leute sol­len wissen, dass ich da spie­le …“Die ei­ge­nen Feh­ler zu er­ken­nen und selbst­kri­tisch zu be­nen­nen be­weist ih­re Bo­den­stän­dig­keit. „Ich bin kom­plett un­hys­te­risch. Das ist nur Fern­se­hen – nicht das Wich­tigs­te im Le­ben!“

LÖ­WEN­MUT­TER Wer jetzt glaubt, im hau­se En­gel­ke reißt die Mut­ter den gan­zen Tag gags, und die kin­der tanzen auf dem Tisch, liegt völ­lig falsch …

„Wer Kin­der hat, soll­te sich sei­ner Ver­ant­wor­tung be­wusst sein!“, sagt sie gern laut. Und ih­re Le­bens­auf­ga­be de­fi­niert sie klar: „Ich bin Mut­ter! Al­les an­de­re ist mir erst ein­mal egal. Ich bin ein to­ta­ler Fa­mi­li­en­mensch …“Das We­sent­li­che in der Bin­dung zu ih­ren Kin­dern ist, so sagt sie, das Ver­trau­en. Sie möch­te vor ih­ren Kin­dern nichts ver­heim­li­chen. „Das wä­re ex­trem falsch. Dann hat man ja auch nicht das Recht, zu er­fah­ren, was sei­ne Kin­der um­treibt …“Genau die­se Au­then­ti­zi­tät, die­se Di­rekt­heit ist es viel­leicht, die uns Zu­schau­er so fas­zi­niert. Bei An­ke hat man im­mer das Ge­fühl, da weiß man, woran man ist. Die haut auch raus, wenn ihr was quer­sitzt. Das macht sie so un­ge­heu­er sym­pa­thisch.

IHR PRI­VAT­LE­BEN IST IHR HEI­LIG! „Ich kann nur sa­gen, lie­be An­fän­ger, geht nicht über den ro­ten Tep­pich!“

Es klingt gro­tesk, ist aber wahr: An­ke En­gel­ke mei­det die Öf­fent­lich­keit. Die­se Zur­schau­stel­lung, das Prä­sen­tie­ren, sich all­abend­lich zu dre­hen im Blitz­licht­ge­wit­ter der Fo­to­gra­fen – das ist nichts für ei­ne En­gel­ke. Nicht ein­mal ei­ne Fan­sei­te hat sie: „Face­book, Face­book? Da klin­gelt so gar nichts bei mir …“, wehrt sie ab.

Bei An­ke En­gel­ke hat man im­mer das Ge­fühl, da weiß man, woran man ist

Über die pri­va­te An­ke sind nur ein paar we­ni­ge Fakten be­kannt. Es gab zwei Ehe­män­ner, bei­de hat­ten sie vor der Ehe schon lan­ge Jah­re als gu­ter Freund oder als Part­ner in der ge­mein­sa­men Fred-Kell­ner-Band be­glei­tet. Andre­as Grimm, 53, der ers­te – Va­ter ih­rer Toch­ter Em­ma, 20. Claus Fi­scher, 51, der zwei­te, Va­ter ih­rer Söh­ne Las­se, 11, und Aa­ron, 7. Ein of­fi­zi­el­les Wort zu ih­ren Le­bens­um­stän­den gab es nie. War­um? „Weil ich nicht möch­te, dass meine Kin­der mit mei­ner Be­rühmt­heit um­ge­hen müs­sen. Die ha­ben sich mei­nen Be­ruf ja nicht aus­ge­sucht“, er­klärt sie und setzt noch ei­nen drauf: „Die Pro­mi-Welt ist ei­ne Kloa­ke!“

Ganz schön har­ter To­bak – und genau für die­se Un­an­ge­passt­heit lie­ben wir die­se Frau! Frech und un­be­irr­bar. Die ver­stellt sich nicht, grinst, wenn sie mag, nicht, weil es er­war­tet wird, pos­tet kei­ne Sel­fies, um ge­fragt zu sein. An­ke En­gel­ke hat kei­ne Ban­ge, an­zu­ecken, sie lebt, was sie pre­digt. Le­gen­där mu­tig ihr Satz, den Bam­bi an­ge­nom­men zu ha­ben sei „ein Feh­ler“ge­we­sen. Je­der an­de­re hät­te Angst, in den Hoch­glanz­ma­ga­zi­nen nicht mehr statt­zu­fin­den. Frau En­gel­ke ist’s egal – In­ter­views gibt sie oh­ne­hin aus­schließ­lich zu Film­pro­jek­ten, die ihr am Her­zen lie­gen. Nicht ein­mal auf Par­tys von Freun­den geht sie – das wür­de de­nen nicht ge­recht, meint sie, „dann heißt es hin­ter­her nur ,Die En­gel­ke war auch da …‘“.

KEI­NE ANGST VOR GRO­ßEN TIE­REN … „ich bin ei­ne Schau­spie­le­rin, die ei­ne Mo­de­ra­to­rin spielt“, sagt sie,

da­bei um­fasst ih­re Kunst so viel mehr. In Ka­na­da ge­bo­ren als Toch­ter ei­nes Luft­han­sa-Ma­na­gers und ei­ner Fremd­spra­chen­kor­re­spon­den­tin. Deutsch-, eng­lisch- und fran­zö­sisch­spra­chig auf­ge­wach­sen, stand sie mit 10 Jah­ren vor der Ka­me­ra. Ihr Kin­der­chor war im Fern­se­hen, sie stell­te ganz schlag­fer­tig Hei­no zur Rede – die gro­ße Büh­ne ver­lang­te nach ihr. So spon­tan, so frech, so un­ver­fälscht und da­bei so klug und gut er­zo­gen. Bis heu­te. Wenn An­ke En­gel­ke mo­de­riert, tanzen ih­re In­tel­li­genz, ih­re Klug­heit und ih­re Schlag­fer­tig­keit Rock ’n’ Roll! Das Tol­le da­bei ist: Wer vor ih­rem Mi­kro­fon steht, ist ihr schnup­pe. Welt­star Ja­mes Fran­co zum Bei­spiel: Von Mil­lio­nen Frau­en an­ge­be­tet, führ­te ihn An­ke En­gel­ke bei der Ber­li­na­le-Er­öff­nung 2015 der­art char­mant vor, dass der Hol­ly­wood-Star ro­te Wan­gen be­kam. Er hat­te die Mo­de­ra­to­rin im In­ter­view an­ge­flir­tet, sie wies ihn mit kes­sem Grin­sen ab und sag­te: „Ich weiß nicht, was Sie hier ma­chen, ich muss ar­bei­ten, Herr Fran­co …“Ein Brül­ler, ge­folgt von Me­ga-Ap­plaus! Da­bei meint sie das bit­ter­ernst: Im Mul­ti­ta­lent En­gel­ke steckt ei­ne top­dis­zi­pli­nier­te, zu­ver­läs­si­ge Ar­beits­bie­ne. Ei­ne star­ke Wurzel ih­res Er­folgs, zwei­fel­los. Weg­be­rei­ter schwär­men von ih­rer Be­schei­den­heit. Sie nei­ge da­zu, ihr Kön­nen klein­zu­re­den und mit Lob nicht um­ge­hen zu kön­nen. Ver­tei­len hin­ge­gen tut sie Lob gern.

IHR TRAUM­BE­RUF? LEH­RE­RIN! Mu­se­ums­päd­ago­gin woll­te sie wer­den, kin­dern et­was ver­mit­teln.

Bis zur Zwi­schen­prü­fung hat sie stu­diert, bis das Ra­dio lock­te. In ih­rer Brust schlägt noch im­mer das Herz ei­ner Päd­ago­gin. Es pocht, wenn sie mal wie­der Ju­gend­li­che durch die Kunst­hal­le Bonn führt. „Ich neh­me gern auch Schwer­erzieh­ba­re und tes­te aus, wer kann Kon­tra ge­ben? Ich neh­me die total ernst.“Was für ei­ne Leh­re­rin wä­re sie ge­wor­den? „Ex­trem streng. Es geht im­mer um Dis­zi­plin bei mir!“Kein Zwei­fel. Nicht von un­ge­fähr spielt sie in ih­ren un­fass­bar ko­mi­schen Sket­chen häu­fig ei­ne Leh­re­rin, Ste­war­dess, Talk­show-Mo­de­ra­to­rin – das Zu­recht­wei­sen ist ihr Ding und ein

Bei ihr tanzen Klug­heit und Schlag­fer­tig­keit mit­ein­an­der Rock ’n’ Roll

enor­mer Teil ih­rer Prä­senz. So ge­nüss­lich wie po­li­tisch un­kor­rekt legt An­ke En­gel­ke den Fin­ger in die klaf­fen­den Wun­den un­se­rer Ge­sell­schaft: In­te­gra­ti­ons­po­li­tik, Ver­nach­läs­si­gung von Kin­dern, schlech­tes Bil­dungs­sys­tem – ih­re Ver­klei­dun­gen und Tex­te sol­len uns auf­zei­gen, wie ego­is­tisch wir uns ver­hal­ten. Privat weist Frau En­gel­ke in der Köl­ner U-Bahn auch mal Ju­gend­li­che zu­recht, wenn die­se sich un­höf­lich be­neh­men. In ih­rem Sen­de­be­wusst­sein sieht sie ei­nen Le­bens­sinn. „Viel­leicht bleibt ja bei de­nen was hän­gen, weil ich die Frau aus dem Fern­se­hen bin, die ih­nen was sagt. Ich glau­be, ich ha­be da ei­nen Auf­trag!“Nicht nur ei­nen. DAN­KE, AN­KE! •

BlAu­Er TEp­pich zur Pre­mie­re des Ki­no­films „Fin­det Do­rie“. 13 Jah­re nach „Fin­det Ne­mo“ist An­ke En­gel­ke wie­der die deut­sche Stim­me des klei­nen Fischs

klug und BE­schEi­dEn zu sein wur­de ihr in ih­rem in­tel­lek­tu­el­len El­tern­haus in die Wie­ge ge­legt: „Ich bin per se nicht wirk­lich lus­tig.“

liEB­lings­look Das Haar un­do­ne offen, schlich­te Je­ans, ein wei­ßes T-Shirt ohne La­bel – so mag sich Frau En­gel­ke lei­den

Strahl­kraft Ihr La­chen ist ihr Mar­ken­zei­chen. „Ich bin fest über­zeugt: Ich muss leuch­ten. Nur so kann ich auch meine Gäs­te zum Leuch­ten brin­gen.“

Mäd­chen­haft 50 Jah­re jung – und noch im­mer die Aus­strah­lung ei­nes Mäd­chens

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