Ko­lum­ne Ich bin wie mei­ne Kol­le­gin!

Dass sich Ehe­part­ner im Lau­fe der Jah­re im­mer ähn­li­cher wer­den, ist be­kannt. Was Car­la Be­cker nicht wuss­te: Das­sel­be Phä­no­men gibt es auch un­ter Kol­le­gin­nen

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Wie­so nur geht mir die­ser al­te Song von Ma­ri­an­ne Ro­sen­berg nicht aus dem Kopf: „Ich bin wie du­huuu. Wir sind wie Sand und Meer …“? Lief der heu­te Mor­gen im Ra­dio? Un­wahr­schein­lich. Hab’ ich an un­se­ren nächs­ten Ur­laub ge­dacht? Nicht, dass ich wüss­te. Mein Blick wan­dert zu mei­ner Kol­le­gin Sil­via, die mir am Schreib­tisch ge­gen­über­sitzt. Blon­de Haa­re, blaue Blu­se, Je­ans. Sie merkt, dass sie be­ob­ach­tet wird, hebt mit ei­nem fra­gen­den Lä­cheln den Kopf, und plötz­lich weiß ich, wie­so ich so in Schla­ger­lau­ne bin. Mein heu­ti­ges Out­fit be­steht eben­falls aus ei­ner blau­en Blu­se und Je­ans, und blond bin ich so­wie­so. Da­zu muss man wis­sen, dass es bei uns kei­ne of­fi­zi­el­le Klei­der­ord­nung gibt. Von Schlaf­an­zü­gen, Bie­ne-Ma­jaKo­s­tü­men und Ähn­li­chem mal ab­ge­se­hen, dür­fen wir an­zie­hen, was wir wol­len – und Sil­via und ich wol­len of­fen­bar das Glei­che.

Seit wir vor drei Jah­ren in ein Bü­ro ge­zo­gen sind, er­lie­gen wir dem Zwil­lings­syn­drom: Wir ki­chern über die­sel­ben Sa­chen, ha­ben bei­de um Punkt zwölf Uhr Hun­ger und ver­dre­hen syn­chron die Au­gen, wenn Kol­le­ge Jungspund mal wie­der von ei­ner „sub­op­ti­ma­len Per­for­mance“spricht, statt zu­zu­ge­ben, dass er Mist ge­baut hat. Es ist so­gar schon mal vor­ge­kom­men, dass wir bei­de mit iden­ti­schen neu­en San­da­len aus der Mit­tags­pau­se zu­rück­ge­kom­men sind.

Kurz dar­auf las ich in der Zei­tung von ei­ner Stu­die der Mi­chi­gan Sta­te Uni­ver­si­ty, aus der her­vor­ging, dass sich Ehe­part­ner im Lau­fe der Jah­re im­mer ähn­li­cher wer­den. Glei­che Ess-, Schlaf- und Fern­seh­ge­wohn­hei­ten, ähn­li­che Frei­zeit­be­schäf­ti­gung, der­sel­be Freun­des­kreis – all das führt da­zu, dass Stu­den­ten, de­nen man Fo­tos von Män­nern und Frau­en vor­leg­te, mit 80-pro­zen­ti­ger Ge­wiss­heit sa­gen konn­ten, wer mit wem ver­hei­ra­tet ist.

Ko­misch, dass noch kei­ner auf die Idee ge­kom­men ist, so ei­ne Stu­die un­ter Kol­le­gen durch­zu­füh­ren. Die ver­brin­gen viel mehr Zeit mit­ein­an­der als Ehe­part­ner. Sie sit­zen tag­ein, tag­aus un­ter der­sel­ben Leucht­stoff­röh­re, krie­gen an der Tür­klin­ke ei­nen elek­tri­schen Schlag, weil sie durch den Tep­pich sta­tisch auf­ge­la­den wer­den, und sie müs­sen ihr Ver­dau­ungs­sys­tem so um­stel­len, dass es die ku­li­na­ri­schen Ex­pe­ri­men­te des Kan­ti­nen­kochs ver­stoff­wech­seln kann. Wo­für die Evo­lu­ti­on ein paar Tau­send Jah­re brauch­te, schafft ein deut­sches Groß­raum­bü­ro in we­ni­ger als fünf.

Die Fra­ge ist, wo das al­les hin­füh­ren wird. Soll­te ich mich am Te­le­fon ir­gend­wann mit Sil­via Schmidt mel­den, oh­ne es zu mer­ken, wird es de­fi­ni­tiv Zeit für ei­nen neu­en Job. Fin­det mei­ne Zwil­lings­kol­le­gin üb­ri­gens auch. •

Wo­füR die Evo­lu­ti­on Tau­sen­de Jah­Re bR auch­te, schafft ein G RoßR aum­büRo in fünf!

Un­se­re Ko­lUm­nis­tin

Car­la Be­cker, 54, liebt schnel­le Au­tos, Kat­zen und ih­ren Mann. Und fühlt sich kei­nen Tag äl­ter als 39

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