neu­an­fang Hel­ga, 47, folg­te ih­rem Her­zen, zog zu­rück in die Ber­ge

Die Woh­nung ver­kauft, den Job ge­kün­digt. hel­ga graef, 47, ist ih­rem Her­zen ge­folgt und star­tet in den Ber­gen neu durch

Meins - - Inhalt - VON NA­DI­NE LIESE

Wenn Hel­ga Graef heu­te auf dem Bal­kon ih­res Hau­ses steht, ge­nießt sie die Ru­he und den herr­li­chen Blick auf den strah­lend blau­en At­ter­see. Manch­mal wan­dert sie auf den na­he ge­le­ge­nen Schaf­berg, sam­melt dort Kräu­ter und über­nach­tet nur mit ei­nem Schlaf­sack mit­ten in der Na­tur. Hier, weit weg vom Stadt­le­ben, hat sie ei­ne ganz neue Le­bens­qua­li­tät ge­fun­den. Und ein Glück, wie sie es nie zu­vor emp­fun­den hat­te.

Vor sechs Jah­ren sieht hel­gas Le­ben noch ganz an­ders aus:

Sie ar­bei­tet als an­ge­se­he­ne Pro­jekt­ma­na­ge­rin bei ei­nem Le­bens­mit­tel­kon­zern, hat 70 Leu­te un­ter sich und ei­ne schi­cke Woh­nung in Salz­burg. „Ich war im­mer sehr ehr­gei­zig und ha­be es schnell ge­schafft, auf­zu­stei­gen. Doch da­durch ha­be ich auch sehr männ­lich agiert. Denn der Druck, mit­zu­hal­ten, war groß.“15 Jah­re lebt sie so, ihr Be­ruf ver­langt ihr al­les ab. „Ich stand kurz vorm Burn-out, war völ­lig er­schöpft und stän­dig krank. Zu lan­ge ha­be ich im­mer nur dar­auf ge­ach­tet, was an­de­re von mir wol­len, nicht, was mir gut­tut. Das ha­be ich dann nicht mehr aus­ge­hal­ten“, er­zählt sie. Hel­ga muss han­deln. Sie kün­digt ih­ren Job, ver­kauft ih­re Woh­nung und kehrt zu ih­ren Wur­zeln zu­rück – in das klei­ne Dorf Un­terach am At­ter­see, in dem sie bei Fa­mi­lie und Freun­den gut auf­ge­ho­ben ist. Sie macht sich als Le­bens­be­ra­te­rin selbst­stän­dig und merkt schnell, dass ihr die ge­won­ne­ne Zeit un­ge­ahn­ten Frei­raum für Krea­ti­vi­tät gibt. Da­bei ent­deckt sie ih­re weib­li­che Sei­te wie­der, be­ginnt zu gärt­nern, Obst ein­zu­ko­chen und lan­det schließ­lich beim Brot­ba­cken. Ei­ne Lei­den­schaft, die ihr Le­ben noch mal ent­schei­dend ver­än­dern soll. „Die­ses Ge­fühl, et­was zu schaf­fen, macht un­glaub­lich glück­lich!“, sagt sie.

An­fangs pro­biert sie viel her­um, schnell wird sie im­mer si­che­rer. So­gar Sau­er­teig­bro­te aus rei­nem Din­kel, das kei­ne He­fe be­nö­tigt, ge­lin­gen. Sie be­schließt, ihr Wis­sen an an­de­re Hob­by-Bä­cker wei­ter­zu­ge­ben, und baut sich da­für ei­nen Holz­back­ofen in

den Gar­ten. Heu­te gibt sie zwei­mal im Mo­nat Back­kur­se für zehn Brot­fans, die lie­bend gern zu ihr auf die Hö­he kom­men. Wer mag, bucht auch Kräu­ter­wan­de­run­gen und Bild­hau­er­work­shops bei Hel­ga. Zwei Hob­bys, die sie eben­falls in den Ber­gen ent­deckt hat und jetzt in Kur­sen für an­de­re auf­be­rei­tet. Sie hat es ge­schafft, sich ein (Ar­beits-)Le­ben vol­ler Glück und Krea­ti­vi­tät auf­ge­baut.

ih­re Frei­heit will sie nicht mehr her­ge­ben.

Hel­ga ge­nießt es, ih­re Zeit selbst ein­tei­len und dar­auf ach­ten zu kön­nen, was sie wirk­lich braucht. Wäh­rend sie frü­her nichts an­de­res ge­wohnt war, als Leis­tung und Zeit in Geld zu be­mes­sen, ge­nießt sie heu­te das Ge­gen­teil. Was sie jetzt durchs Brot­ba­cken be­kommt, ist so viel mehr wert. „Es ist sinn­er­fül­lend und viel le­bens­nä­her.“Ein De­al mit der See­le so­zu­sa­gen. Und der funk­tio­niert auch fi­nan­zi­ell. „Die ers­ten drei Jah­re der Selbst­stän­dig­keit wa­ren zwar hart, und auch jetzt kann ich mir nicht mehr so viel leis­ten wie frü­her, aber das brau­che ich auch gar nicht mehr. Das, was ich da­mals mehr ver­dient hat­te, ha­be ich für Phy­sio­the­ra­pie, Mas­sa­gen und Frust­käu­fe aus­ge­ge­ben. Doch hier in den Ber­gen ha­be ich ge­merkt, mit wie we­nig man glück­lich sein kann.“

Für Hel­ga steht fest: Zum gu­ten Le­ben ge­hö­ren we­ni­ger das Geld oder ein so­zia­ler Sta­tus. Ein gu­tes Le­ben be­deu­tet, auf sich zu hö­ren, sei­ne Lei­den­schaf­ten zu fin­den und aus­zu­le­ben. „Ve­rän­de­rung ist im­mer mög­lich – auch in klei­nen Schrit­ten. Man muss nur die An­fangs­angst über­win­den und sei­nem Her­zen fol­gen. Mein Neu­an­fang war für mich wie ein Sech­ser im Lot­to!“•

Was ich hier ma­che, ist so er­fül­lend, viel le­bens­nä­her

mit Sich im rei­nen

„Man braucht nicht viel, um zu le­ben“, sagt Hel­ga Graef heu­te

SeLbSt­Ver­Such

MEINS-Re­dak­teu­rin Na­di­ne Liese war von Hel­gas Brot­back­kurs be­geis­tert

ge­ba­cken Wird drauS­Sen: Hel­gas Holz­ofen steht in ih­rem gro­ßen Gar­ten mit Blick auf den See

Wie kne­tet man denn rich­tig? Das ler­nen die Hob­by­Bä­cker hier schnell

FriSch auS dem

gar­ten Rin­gel­blu­men­blü­ten und die Blät­ter von Brenn­nes­seln kom­men als De­ko auf die Sau­er­teig­bro­te

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