Was be­deu­tet uns un­se­re Ju­gend­lie­be? … mit 50, 60, 70

Die ers­ten Schmet­ter­lin­ge im Bauch ver­ges­sen wir nie. Oft flat­tern sie ewig durch un­se­re Träu­me, manch­mal hält die ers­te Lie­be auch ein Le­ben lang

Meins - - Inhalt -

Bis heu­te su­che ich miR Män­neR aus, die so sind wie eR

Tom war schon mein zwei­ter Freund. Aber mei­ne gro­ße Ju­gend­lie­be. Ich ha­be mich in der Ober­stu­fe in ihn ver­liebt – wie min­des­tens die Hälf­te der Mäd­chen. Er war ein su­per Sport­ler, ja, auch wir ha­ben bei den Jungs auf den Bo­dy ge­guckt. Ver­liebt ha­be ich mich vor al­lem in sei­ne blon­den Lo­cken, die tol­len grü­nen Au­gen – ach, noch heu­te krie­ge ich Herz­klop­fen, wenn ich an ihn den­ke. Wir hat­ten

zu­sam­men nur zwei Kur­se, Bio und Phi­lo­so­phie. Ich ha­be ihn für sein Wis­sen und sei­ne un­ge­wöhn­li­chen Ide­en be­wun­dert, er war auch Schul­spre­cher. Heu­te wür­de ich sa­gen, er war ein be­gab­ter Re­bell, hat sich was ge­traut, aber das konn­te er sich auf­grund sei­ner Leis­tun­gen auch er­lau­ben! Bis heu­te hat er mein Män­ner­mus­ter ge­prägt. Das ist mir erst sehr spät auf­ge­fal­len, als ich so mei­ne Be­zie­hun­gen Re­vue pas­sie­ren ließ. Ich ha­be mich so­gar ge­fragt, ob ich in al­len im­mer ihn ge­sucht ha­be – was ja fast

Be­trug wä­re. Aber ich glau­be, so kom­pli­ziert muss man es gar nicht ma­chen: Es gibt eben nur ei­nen Typ Mann, der mir

ge­fällt. Vor zehn Jah­ren ha­be ich ihn ge­goo­gelt. Er ist im­mer noch at­trak­tiv und ei­ne internationale Ko­ry­phäe – war nicht an­ders zu er­war­ten! Ich ha­be ihn dann über Jah­re aus der Fer­ne be­glei­tet. Bis er ei­nen Vor­trag in un­se­rer Stadt hielt. Da bin ich hin. Mit klop­fen­dem Her­zen und to­tal auf­ge­rüscht. Und dann hat ein Blick von ihm auf ei­nen kri­ti­schen Dis­kus­si­ons­teil­neh­mer ge­nügt, und mir fiel wie­der die St­un­de un­se­rer Tren­nung ein. Wir wa­ren bei­de im Stu­di­um, er woll­te in die USA. Das teil­te er mir oh­ne Um­schwei­fe mit und auch, dass ei­ne Fern­be­zie­hung nicht sein Ding sei. Von heu­te auf mor­gen – vor­bei. Ich bin ge­gan­gen, be­vor er mich im Pu­bli­kum ent­de­cken konn­te. Ich will die­se Ju­gend­lie­be nicht ent­zau­bern. Wenn er an mich denkt – ich bin mir si­cher, er denkt an mich –, soll er mich se­hen wie da­mals. Aber ab und an goog­le ich ihn. Und le­ge ei­nen von un­se­ren al­ten Lieb­lings­songs auf. Nad­ja, 51

WiR ha­ben uns – wei­teR­ent­wi­ckelt zu­sam­men

An mei­ne Ju­gend­lie­be muss ich mich nicht er­in­nern, die lebt näm­lich seit bald 50 Jah­ren mit mir. Ja, es ist nicht zu fas­sen, aber bis heu­te bin ich mit dem Mann zu­sam­men, in den ich mich als Te­enager ver­liebt ha­be. Ich war 14 und er 15. Er war schon ei­ne gan­ze Wei­le in mich ver­liebt, be­vor es bei mir ge­funkt hat. Wir wa­ren im Fe­ri­en­la­ger am Plat­ten­see und sa­ßen am La­ger­feu­er. Er hat­te sei­ne Gi­tar­re mit und hat für mich ein Lie­bes­lied ge­spielt! Ja, so hat es an­ge­fan­gen! Wir ha­ben al­les zu­sam­men er­lebt: die ers­te Lie­be, das En­de der Schul­zeit, die Aus­bil­dung. Ha­ben zu­sam­men die Kin­der groß­ge­zo­gen, ein klei­nes Häu­schen ge­baut, die Wen­de er­lebt, sind in den Wes­ten ge­zo­gen, ha­ben noch mal ganz neu an­ge­fan­gen. Es ist ein wun­der­ba­res Ge­fühl von Ver­traut­heit und

Ge­bor­gen­heit zwi­schen uns. Wir wer­den oft ge­fragt, wie wir das ge­schafft ha­ben. Ganz ge­nau weiß ich das nicht, viel­leicht hat­ten wir das gro­ße Glück, ein­fach den Rich­ti­gen zu tref­fen. Aber: Wir ha­ben uns im­mer wei­ter­ent­wi­ckelt – zu­sam­men, wenn auch nicht im­mer gleich­zei­tig. Wir wa­ren zwar im­mer ei­ne Ein­heit, ha­ben uns aber auch Frei­hei­ten ge­las­sen. So bleibt man neu­gie­rig auf­ein­an­der. Ich glau­be, in ei­ner Be­zie­hung fällt das Glück nicht vom Him­mel, man muss dar­an

ar­bei­ten. So­lan­ge man das Le­ben mit dem an­de­ren will. Mei­ne Freun­din­nen ha­ben mich ge­fragt, ob ich nicht glau­be, was ver­passt zu ha­ben. Ein Mann – reicht das für ein Le­ben? Es wa­ren zwei, muss ich ehr­li­cher­wei­se sa­gen. Wir hat­ten auch kri­ti­sche Pha­sen und ha­ben uns ein­mal auf Pro­be ge­trennt. Ge­nau 5 Mo­na­te und 16 Tage. Da hat­te ich ei­ne Af­fä­re. Die Tren­nung hat uns gut­ge­tan, denn seit­dem ist ein­fach klar: Wir ge­hen den Weg ge­mein­sam zu En­de. Und ja: Ein Mann reicht für ein gan­zes Le­ben, wenn er so toll wie mei­ner ist! San­dra, 64

Un­se­Re Lie­be waR voR al­lem ein „WiR ge­gen den Rest deR Welt“-Ge­fühl

Mit 17 hat man noch Träu­me“, sang Udo Jür­gens doch so schön. Mein Traum da­mals hieß Horst. Mein Gott, war ich ver­liebt! War das ro­man­tisch und gleich­zei­tig dra­ma­tisch, weil wir uns nur heim­lich tref­fen konn­ten, denn mei­ne El­tern wa­ren ent­schie­den ge­gen ei­ne Ver­bin­dung zwi­schen ihm und mir. Er war nicht gut ge­nug für die Toch­ter aus gu­tem Hau­se, fand mein Va­ter. Mei­ne Mut­ter hat­te im Stil­len viel Mit­ge­fühl mit mir, hat sie mir spä­ter mal ge­sagt. Nur zu gut konn­te sie sich vor­stel­len, wie ich mich fühl­te. Aber un­se­re heim­li­chen Tref­fen hat­ten

ih­ren Zau­ber: Zwi­schen dem Glück, zu­sam­men zu sein, und der Angst, er­wischt zu wer­den, schwang ei­ne

un­glaub­li­che Span­nung mit, wenn wir uns im Schre­ber­gar­ten oder am See im klei­nen Wäld­chen tra­fen! Je­der Kuss dem Schick­sal ab­ge­run­gen, um es mal pa­the­tisch aus­zu­drü­cken. Und wir wa­ren sehr pa­the­tisch! Wir wur­den dann er­wischt, und die Kon­se­quenz war, dass mein Va­ter mich zu mei­nem On­kel ins Aus­land schick­te. Horst und ich über­leg­ten, aus­zu­rei­ßen, hat­ten schon un­se­re Ruck­sä­cke ge­packt, dann aber doch nicht den Mumm – und schwo­ren uns ewi­ge Lie­be. Die währ­te ge­ra­de zehn Mo­na­te, dann hat er sich in ei­ne an­de­re ver­liebt, ich ha­be Kro­ko­dils­trä­nen ge­weint, und mein Va­ter hat tri­um­phiert. Die­se ge­fühl­lo­se Selbst­ge­rech­tig­keit – mei­nen Va­ter

mei­ne ich jetzt – ha­be ich ihm lan­ge nicht ver­zie­hen. Als ich wie­der zu Hau­se war, ha­be ich al­les dar­an­ge­setzt, um Horst zu­rück­zu­ge­win­nen. Und als ich voll­jäh­rig war, ha­ben wir ge­hei­ra­tet. Da war er mei­nem Va­ter al­ler­dings auch schon ge­neh­mer, denn er war auf dem bes­ten Weg, Ju­rist zu wer­den. Aber es wur­de kei­ne glück­li­che Ehe. Heu­te den­ke ich, wenn mei­ne El­tern un­se­re Be­zie­hung nicht im­mer tor­pe­diert hät­ten, wä­re es gar nicht so weit ge­kom­men, dass wir hei­ra­ten und ei­ne Fa­mi­lie grün­den. Viel­leicht hät­te ich dann schon vor­her ge­se­hen,dass wir nicht zu­sam­men­pas­sen. Es war die­ses „Wir ge­gen den Rest der Welt“-Ge­fühl, das uns lan­ge zu­sam­men­ge­schweißt hat. Und da­nach – fiel die Lie­be plötz­lich in sich zu­sam­men. Bei uns bei­den. Wir ha­ben uns schei­den las­sen – das war in den 70er-Jah­ren ja auch fast wie­der ein Skan­dal. Ich ha­be viel, viel spä­ter und nach ei­ni­gen Irr­tü­mern noch ein zwei­tes Mal ge­hei­ra­tet – ei­nen sehr groß­zü­gi­gen und lie­be­vol­len Mann, mit dem ich seit vie­len Jah­ren wirk­lich glück­lich bin. Auch wenn es nicht die glei­che be­rau­schen­de Art von Lie­be ist, die ich bei Horst emp­fun­den ha­be – manch­mal über­wäl­tigt mich die­ses Ge­fühl auch heu­te noch, wenn ich mir al­te Fo­tos an­se­he oder wir uns zu­fäl­lig be­geg­nen –, ist es auch ei­ne gro­ße Lie­be. Und wel­che am En­de die größ­te war, wer­den wir auch am En­de erst wis­sen! Ag­nes, 73

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