Frau­en wie wir Ca­ro­la, 71, und Toch­ter Ste­pha­nie, 48, ha­ben be­stri­cken­de Ge­schäfts­ide­en

Ca­ro­la, 71, und Ste­pha­nie, 45, sind ein fa­bel­haf­tes Mut­ter-Toch­ter-Team. Sie woh­nen – und ar­bei­ten zu­sam­men. Ein Haus­be­such …

Meins - - Inhalt - VON JARA TIEDEMANN

Als ich das gro­ße al­te Haus im Ber­li­ner Sü­den be­tre­te, mer­ke ich so­fort: Hier liegt viel Le­ben in der Luft – und vor al­lem viel Lie­be! Kein Wun­der, denn die Vil­la ist ein mo­der­nes Mehr­ge­ne­ra­tio­nen­haus. Ste­pha­nie Raatz lebt mit ih­rem Mann und ih­ren zwei Kin­dern, sechs und zehn, im Un­ter­ge­schoss. Im Ober­ge­schoss le­ben ih­re El­tern. Mit ei­ner Aus­nah­me: Das Ar­beits­zim­mer di­rekt un­term Dach – das ge­hört Ste­pha­nie und Ca­ro­la zu­sam­men. „Hier oben kön­nen wir in Ru­he an un­se­ren Kol­lek­tio­nen tüf­teln, oh­ne dass die Män­ner uns stö­ren“, sagt Ca­ro­la Ko­er­ner.

Denn die bei­den Frau­en ver­bin­det mehr als das Mut­ter-To­cher-Band: 2014 grün­de­ten sie ge­mein­sam ih­re klei­ne Fir­ma Wool Can­dy, ein Mo­de­la­bel mit ei­ge­nem On­li­ne-Shop (www.wool­can­dy.ber­lin) für hoch­wer­ti­ge Kin­der­mo­de aus Bio-Wol­le.

Vor al­lem für Ma­ma Ca­ro­la ist da­mit ein lang ge­heg­ter Traum wahr ge­wor­den. „Ich woll­te die Hand­ar­beit schon im­mer zu mei­nem Be­ruf ma­chen“, er­zählt sie. Ih­re El­tern hat­ten da­für aber nie Ver­ständ­nis. „Mein Va­ter fand im­mer, Mo­de sei ei­ne brot­lo­se Kunst.“Statt­des­sen lern­te sie Me­tal­lo­gra­fin und stieg spä­ter in die Haus­ver­wal­tung ih­res Man­nes ein. „Da kam viel Buch­hal­tung auf mich zu.“Krea­ti­vi­tät? Fehl­an­zei­ge! Doch bis zur Ren­te blieb sie da­bei.

Auch Ste­pha­nie such­te nach ei­ner Ve­rän­de­rung im Le­ben.

In ih­rem Job als Steu­er­be­ra­te­rin ist sie zwar er­folg­reich, doch je hö­her ih­re Po­si­ti­on rückt, des­to hö­her wird auch der Druck. „Ich war nicht mehr glück­lich und ha­be ge­merkt, dass ich we­der mir noch mei­ner Fa­mi­lie ge­recht wer­de.“Zeit­gleich wird sie im­mer öf­ter von Freun­den und an­de­ren El­tern auf die hüb­schen Pull­over und Strick­ja­cken ih­rer Kin­der an­ge­spro­chen. Kla­mot­ten, die Mut­ter Ca­ro­la mit viel Lie­be für ih­re En­kel ge­strickt hat. „Die Idee, dar­aus et­was zu ma­chen, hat­ten wir schon 2011, aber da­mals ha­be ich mich ein­fach noch nicht ge­traut. Ich bin ein Si­cher­heits­mensch“, er­zählt Ste­pha­nie – und

ih­re blau­en Strah­le­au­gen blit­zen da­bei vor Un­ter­neh­mungs­lust.

Zwei Jah­re spä­ter wird ihr der Job dann end­gül­tig zu viel – sie kün­digt. „Ste­pha­nie stand vor mir und sag­te, komm, Ma­ma, lass uns das jetzt ma­chen. Zu­sam­men!“Ca­ro­la ist so­fort da­bei, das Kon­zept klar. „Kin­der­klei­dung aus Bi­oWol­le, die nicht kratzt und gut zur Haut ist.“Auch aus per­sön­li­chen Grün­den. „Mein Sohn hat Neu­ro­der­mi­tis, und ich woll­te et­was ma­chen, das auch er tra­gen kann“, sagt Ste­pha­nie. Doch wer soll­te die Pull­over, Strick­ja­cken, Klei­der und Schals, die Ca­ro­la all die Jah­re per Hand und Ma­schi­ne ge­näht hat, in gro­ßen Men­gen pro­du­zie­ren? „Das Ers­te, was ich ge­macht ha­be, war, ,Strick­fa­brik‘ zu goo­g­len“, er­zählt Ste­pha­nie. Mit Er­folg, sie fin­den ei­ne Fa­b­rik in Zwi­ckau. „Es war hun­de­kalt da“, er­in­nert sich Ca­ro­la. Doch dort ent­ste­hen die ers­ten Tei­le für Wool Can­dy. Von da an geht al­les ganz schnell, denn: Mut­ter und Toch­ter er­wei­sen sich als per­fek­tes Team. Ste­pha­nie kann durch ih­ren frü­he­ren Job auf ihr Know-how in Sa­chen Fi­nan­zie­rung zu­rück­grei­fen, Ca­ro­la küm­mert sich um Mus­ter und Schnit­te. Ein Leich­tes für die 71-Jäh­ri­ge, die sich al­les selbst bei­ge­bracht hat. Als dann noch der On­li­ne-Shop fer­tig ist, kann es los­ge­hen!

Hat­ten sie kei­ne Angst, das al­les könn­te nicht klap­pen? „Nein, ob­wohl wir al­les aus ei­ge­ner Ta­sche fi­nan­ziert ha­ben. Wir wa­ren über­zeugt von un­se­rem Kon­zept, und ich wuss­te, wir müs­sen das jetzt aus­pro­bie­ren. Und wenn’s nicht funk­tio­niert, ha­ben wir’s we­nigs­tens ver­sucht“, sagt Ste­pha­nie. Doch es hat ge­klappt – mit viel Herz­blut und Ziel­stre­big­keit. „Oft ha­be ich die Näch­te durch­ge­ar­bei­tet. Ich woll­te so sehr, dass es funk­tio­niert“, sagt sie. Mitt­ler­wei­le lie­fern sie bis nach Ame­ri­ka!

Un­ter­stüt­zung be­kom­men sie von Fa­mi­lie und Freun­den. Vor al­lem mo­del­tech­nisch. Denn: Es sind die Kin­der von Ver­wand­ten und Freun­din­nen, die die Kol­lek­tio­nen im On­li­ne-Shop prä­sen­tie­ren. Ein ech­tes Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men eben.

Aber bei so viel Frau­en­power gibt’s doch si­cher auch mal Zoff, oder? „Na­tür­lich! Es knallt meis­tens, wenn wir un­ter­schied­li­che Vor­stel­lun­gen von ei­ner Kol­lek­ti­on oder von Far­ben ha­ben.“Dann heißt es: Tür zu und run­ter­kom­men. „Au­ßer­dem ist Blut di­cker als Was­ser. Uns kann so schnell nichts aus­ein­an­der­brin­gen“, sagt Ste­pha­nie und zwin­kert ih­rer Mut­ter zu. „Da­für ha­ben wir uns viel zu lieb. Das ist ein gro­ßes Glück.“Und zu­min­dest da­rin sind sich die ­bei­den­zu­100­Pro­zent­ei­nig!­•

Mit Wool Can­dy pro­du­zie­ren Ca­ro­la (l.) und Ste­pha­nie Kin­der­mo­de. Aber sie tra­gen auch selbst ih­re far­ben­fro­hen StrickOut­fits! WiR ma­chen jetzt, was uns Spaß macht. Das ist das Wich­tigs­te! StrAhLeFrAu­en

Zu Zweit Pa­cken Wir DAS Ma­ma Ca­ro­la und Toch­ter Ste­pha­nie mit ih­rer ak­tu­el­len selbst ent­wor­fe­nen Kol­lek­ti­on

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