Mar­got Käß­mann: „Mein Platz ist in der Kir­che, nicht in der Po­li­tik“

Die frü­he­re Lan­des­bi­schö­fin Mar­got Käß­mann, 58, wur­de ge­ra­de als Kan­di­da­tin für die Bun­des­prä­si­dent­schaft vor­ge­schla­gen. Doch das ist nicht „ih­re Welt“

Meins - - Inhalt - VON CHRIS­TI­NE STA­AB

„Ich ste­he für die­ses Amt nicht zur Ver­fü­gung“ Mar­got KäSSMann (hier mit Joa­chim Gauck)

Al­les leuch­tet bei Mar­got Käß­mann, 58 – die son­ni­ge Far­be Gelb, die sie zum In­ter­view mit MEINS trägt. Aber vor al­lem ih­re wun­der­ba­ren dunk­len Au­gen. Sie strahlt Wär­me aus. Und noch im­mer ist die frü­he­re evan­ge­li­sche Lan­des­bi­schö­fin be­liebt, be­son­ders bei Frau­en. Ge­ra­de wur­de sie von Sig­mar Ga­b­ri­el als Nach­fol­ge­rin von Bun­des­prä­si­dent Joa­chim Gauck vor­ge­schla­gen. Doch Mar­got Käß­mann lehn­te ab. MEINS sprach mit ihr über das The­ma Po­li­tik, das Äl­ter­wer­den und Le­bens­kri­sen.

MEInS: War­um sind Sie ei­gent­lich nie in die Po­li­tik ge­gan­gen? Mar­got Käß­mann:

Die Po­li­tik wä­re nicht mein Feld. Ich ha­be nie den Gang durch die In­stan­zen ge­macht. Ich könn­te mich auch nur sehr schwer ei­ner Par­tei-Rä­son un­ter­ord­nen. Ich könn­te bei­spiels­wei­se nie­mals ge­gen mein Ge­wis­sen ab­stim­men. Die Kir­che ist mein Platz – war­um al­so soll­te ich die­sen Ort ver­las­sen?

MEInS: Liegt es Ih­nen in den ge­nen, im­mer po­si­tiv zu den­ken? Mar­got Käß­mann:

Ich den­ke schon. Das Glas se­he ich im­mer eher halb voll als halb leer. Kri­sen kön­nen ei­ne Chan­ce sein, das Le­ben von ei­ner an­de­ren Sei­te aus noch ein­mal neu an­zu­ge­hen. Wenn je­mand in ei­ner Sack­gas­se lan­det, ist er ge­zwun­gen, ei­nen neu­en Weg zu wäh­len. Ei­ne Kri­se ist nicht au­to­ma­tisch ein En­de.

MEInS: Wie be­schrei­ben Sie Ihr ak­tu­el­les Le­bens­ge­fühl? Mar­got Käß­mann:

Es geht mir so gut, wie es mir noch nie zu­vor im Le­ben ging. Ich ha­be nie­man­den mehr zu ver­sor­gen. Im Le­ben gibt es Pha­sen, in de­nen du ent­we­der dei­ne Kin­der oder dei­ne El­tern ver­sorgst – mei­ne El­tern sind bei­de ver­stor­ben, mei­ne Kin­der sind er­wach­sen. Ich bin ge­sund und fi­nan­zi­ell gut ab­ge­si­chert. Was mehr könn­te ich mir wün­schen? Viel mehr geht nicht!

MEInS: Viel­leicht ei­ne neue Lie­be?

Mir geht es sehr gut so, wie es ist. Vie­le Frau­en in mei­nem Al­ter ent­wi­ckeln Ängs­te, dass sie kei­nen Mann mehr fin­den und im Al­ter al­lein blei­ben. Die­se Angst ist un­be­grün­det. Ich könn­te mir bei­spiels­wei­se sehr gut vor­stel­len, im Al­ter in ei­ner Ge­mein­schaft mit meh­re­ren Frau­en und Män­nern mei­nes Al­ters zu le­ben, in der wir uns ge­gen­sei­tig un­ter­stüt­zen und hel­fen. Ich spre­che von ei­nem Haus, in dem es meh­re­re Woh­nun­gen gibt – ich wür­de gern wei­ter­hin in mei­ner ei­ge­nen Woh­nung le­ben. Ich stel­le es mir sehr an­stren­gend vor, mich im Al­ter mit an­de­ren Men­schen über den Ab­wasch und den Putz­plan zu strei­ten.

MEInS: In zwei Jah­ren wer­den Sie 60. Freu­en Sie sich dar­auf? Mar­got Käß­mann:

Auf je­den Fall. Ich möch­te ein gro­ßes Gar­ten­fest fei­ern. Wir Frau­en in mei­nem Al­ter soll­ten fei­ern, dass wir uns mit 60 noch nicht stein­alt füh­len! Ich kann im­mer noch jog­gen, Rad fah­ren, die Welt be­rei­sen, vie­le Din­ge un­ter­neh­men, für die ich frü­her kei­ne Zeit hat­te. Frü­her war ei­ne Frau mit 60 wirk­lich alt. Wer heu­te 60 ist und ge­sund, dem ste­hen al­le Mög­lich­kei­ten of­fen. •

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bEI SIch Mar­got Käß­mann im MEINSGe­spräch im Ca­fé „Wie­ner“in Pots­dam

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