Thek­la Ca­ro­la Wied: Da tanzt ei­ne durchs Le­ben

Wir sind mit ih­rem La­chen groß ge­wor­den: Thek­la ca­ro­la Wied, 72, wärmt mit ih­rem Strah­len un­se­re See­le. Und wirkt so dy­na­misch wie vor 30 Jah­ren. Wor­an liegt das? An ih­rer Kraft, wür­den wir sa­gen …

Meins - - Inhalt - VON ANGI BRINK­MANN

Wenn man Thek­la Ca­ro­la Wied, die­ser Fernseh-Iko­ne der 80er- und 90er-Jah­re, be­geg­net, ganz ehr­lich, denkt man un­will­kür­lich: Die­se Frau wohnt un­term Sau­er­stoff­zelt! Da saß man eben noch in Kin­der­ta­gen vorm Fern­se­her und guck­te ihr zu, wie sie Pe­ter Weck im Se­ri­en-Knal­ler „Ich hei­ra­te ei­ne Fa­mi­lie“tüch­tig den Kopf ver­dreh­te, und jetzt sit­zen wir ihr zum MEINS-Ge­spräch ge­gen­über. Gro­ße, strah­len­de Au­gen bli­cken uns an, ein we­nig Was­ser­stand macht ih­ren Blick un­end­lich lie­be­voll, und da­zu ein La­chen, das si­cher Ge­birgs­bä­che zum Ko­chen bringt, wenn Thek­la zum Wan­dern fährt. Was ist das, die­ser wun­der­ba­re Thek­la-Zau­ber vol­ler Wär­me und coo­ler Sexi­ness zu­gleich? Wir bli­cken hin­ter das Ge­heim­nis ei­ner sehr schö­nen, selbst­be­wuss­ten Frau voll span­nen­der Rei­fe …

Al­le lie­ben Thek­la! Ei­ner der trif­tigs­ten Grün­de hier­für ist – das wird sie jetzt gar nicht gern le­sen – ih­re all­zeit „pa­ten­te“Art. So ver­traut ist sie uns in ih­ren gro­ßen Se­ri­en­rol­len der 80er- und 90er-Jah­re ge­wor­den. Im­mer re­gelt sie Miss­stän­de, klärt auf, ru­ckelt das Le­ben wie­der zu­recht. Wir lie­ben es, ihr da­bei zu­zu­se­hen – und uns, das wä­re fein, ein Scheib­chen da­bei ab­zu­schnei­den. Ih­re war­me, tie­fe Stim­me zu hö­ren, eben­so wie ihr schal­len­des La­chen aus die­sem schö­nen Mund. Thek­la zu be­ob­ach­ten ist ein biss­chen wie heim­kom­men. Und so ist die­se Frau auch pri­vat: Hän­de in die Hüf­ten, for­scher Blick und zum Ein­satz be­reit. „Ich se­he mich als kämp­fe­ri­schen Men­schen! Ich fin­de, es lohnt sich, Wi­der­stand zu er­zeu­gen ge­gen die Rück­sichts­lo­sig­keit der El­len­bo­gen­ge­sell­schaft“, sagt sie und fügt et­was lei­ser an: „Was mich aus­macht, ist es, kei­ne Scheu zu ha­ben. Ich ge­he auf Din­ge zu, auch auf Kon­flik­te, ich wei­che nie aus!“

Ih­re Tu­gen­den sind herr­lich old­fa­shio­ned: Tüch­tig­keit, Be­schei­den­heit, Mit­ge­fühl, Ver­ant­wor­tungs­ge­fühl, Em­pa­thie … Zum MEINS-Ge­spräch er­scheint sie in ei­ner schlich­ten dunk­len Ho­se mit pas­sen­dem Rol­li. Dar­über ei­ne ro­te Le­der­ja­cke. „Ein Schnäpp­chen!“, quit­tiert sie das Kom­pli­ment zur Ja­cke. Was sonst? Frau Wied ist kei­ne Di­va, weiß Gott nicht, die­se Frau ko­ket­tiert kei­ne Se­kun­de. „Ei­ne der wich­tigs­ten Er­kennt­nis­se in mei­nem Le­ben ist, dass Geld nicht ent­schei­dend ist.“Na, die hat ja si­cher auch ge­nug, mag man jetzt den­ken. Das stimmt ein biss­chen, aber nicht so ganz, denn reich wer­den kann man beim Fern­se­hen nicht. Aber Thek­la hät­te es wer­den kön­nen – wä­re sie ver­führ­bar. „Ich kann gut ver­zich­ten!“, sagt sie lä­chelnd und schüt­telt ih­ren Kopf, „Es gab so­gar gro­ße Wer­be­ver­trä­ge, die ich ab­ge­lehnt ha­be, weil ich nicht die Kaf­fee­tan­te aus dem Fern­se­hen sein woll­te.“Shop­pen ist oh­ne­hin nicht ihr Ding, lie­ber kauft sie nach ei­nem Film­dreh die Ko­s­tü­me kos­ten­güns­tig ab oder sucht im Schluss­ver­kauf nach Schnäpp­chen. Die­se zar­te Frau, wie sie da sitzt auf der Couch: nicht sehr groß, aber stets

Übers Al­ter grü­beln lohnt nicht. Ich se­he mich als Gast in die­ser schö­nen Welt!

auf­recht und mit ei­nem ge­win­nen­den La­chen. Selbst mah­nen­de Wor­te ver­packt sie da­rin. Ver­ant­wor­tung zu tra­gen, sich der Ge­schich­te zu stel­len, ge­sell­schaft­lich ein­zu­wir­ken, das sind die Din­ge, die ihr sehr am Her­zen lie­gen. „Wir soll­ten uns in der Er­zie­hung der Ju­gend gro­ße Mü­he ge­ben, ihr die Wer­te un­se­rer rechts­staat­li­chen so­zia­len De­mo­kra­tie ver­mit­teln.“

Thek­la for pre­si­dent, möch­te man ru­fen. So ei­ne bräuch­ten wir in der Re­gie­rung. Aber das wä­re nichts für sie: Wäh­rend al­le an­de­ren re­den wür­den, hät­te Frau Wied schon die Är­mel hoch­ge­krem­pelt und müss­te doch wie­der al­les al­lein ma­chen. Wie in ih­ren Rol­len eben. Ih­re Kraft re­sul­tiert aus ih­rer Kind­heit, ihr El­tern­haus war bit­ter­arm und freud­los: die Mut­ter chro­nisch krank, der Va­ter un­nach­gie­big streng. An ei­ne per­sön­li­che Ent­fal­tung der jun­gen Thek­la war nicht zu den­ken. „Heu­te ha­be ich ver­stan­den, dass Hilf­lo­sig­keit und Ver­zweif­lung ver­ant­wort­lich für das Ver­hal­ten wa­ren“, sagt sie mil­de. Schon mit sechs Jah­ren wuss­te sie: Ich möch­te Schau­spie­le­rin wer­den! Sie wur­de bis zur Voll­jäh­rig­keit mit 21 da­für ver­lacht und streb­te –

Ei­ne mei­neR wich­tigs­ten kennt­nis­se? ER Dass Geld nicht glück­lich macht!

DeR Wi­deR­stand, den ich in mei­ne Ju­gend R eR leb­te, hat mich staRk ge­macht Ich bin ei­ne glück­li­che Frau, es hat kei­nen Sinn, sich mit Ängs­ten zu be­schwe­ren

end­lich selbst für sich ver­ant­wort­lich – mit we­hen­den Fah­nen an die Schau­spiel­schu­le. „Der Wi­der­stand hat mich stark ge­macht!“Mit so­no­rer Stim­me re­sü­miert sie: „Ich bin ei­ne glück­li­che Frau und weiß das sehr zu schät­zen. Es hat kei­nen Sinn, sich mit Ängs­ten zu be­schwe­ren …“

Sie wirkt wie die „Mut­ter der Na­ti­on“, ob­gleich sie selbst kei­ne

Kin­der hat … Schon früh stand sie auf gro­ßen Thea­ter­büh­nen, seit über 50 Jah­ren ist sie ein Fern­seh­star! Ih­re Art, im Le­ben zu ste­hen, ist lei­den­schaft­lich und hin­ge­bungs­voll – ei­ne Fa­mi­li­en­pla­nung hat sich den­noch nicht er­ge­ben. Lan­ge war die jun­ge Mi­min mit ei­nem drei Jahr­zehn­te äl­te­ren Mann zu­sam­men, Kin­der wa­ren ir­gend­wie nie ein The­ma. Mit 46 erst lernt sie ih­ren Ehe­mann ken­nen. Er ist der Ober­bür­ger­meis­ter von Backnang, sie tritt in sei­nem Schwarz­wald­städt­chen auf. Sechs Wo­chen schrei­ben sie sich nach die­sem Abend Brie­fe, dann fährt er sie mit po­chen­dem Her­zen be­su­chen. Ty­pisch Thek­la: Of­fen und ab­war­tend zu­gleich, sie hat viel zu ge­ben – und lässt sich gern lang­sam er­obern … „Sein klu­ger Kopf und sein Hu­mor ha­ben mich ein­ge­fan­gen. Ich fin­de noch im­mer je­den Tag span­nend mit ihm!

Die­se Frau hat wirk­lich Hu­mor – so frech, wie sie sich be­schreibt: „Ich has­se es, wenn ich pa­tent ge­nannt

wer­de. Das nervt, ich kann näm­lich sehr schus­se­lig sein. Stän­dig su­che ich et­was und ver­le­ge Din­ge“, lacht sie. Und faul ist sie, das gibt sie of­fen zu – mit herr­lich selbst­iro­ni­schem Strah­len. „Mei­ne Kü­che schmückt über ein Me­ter Koch­bü­cher, in de­nen ich gern blät­te­re. Mein Mann lacht sich im­mer ka­putt, denn am En­de gibt’s doch wie­der Tief­kühl­piz­za!“Es­sen geht sie da­für um­so lie­ber. Und sport­lich ist sie, klar. Thek­la-Al­les­kön­ne­rin geht tat­säch­lich je­den Tag min­des­tens ein­ein­halb St­un­den stramm spa­zie­ren. „So rich­tig schnell. Da muss es schon sehr schüt­ten, dass ich das aus­las­se.“

Selbst bei der Schön­heits­pfle­ge ist sie kon­se­quent be­schei­den. „Nor­ma­ler­wei­se ge­he ich ziem­lich

un­ge­schminkt aus dem Haus. Ge­tön­te Ta­ges­pfle­ge, biss­chen Wim­pern­tu­sche, auch mal Lip­pen­stift.“Das Ab­schmin­ken ver­gisst sie nie. Die in der Bran­che fast schon üb­li­chen Schön­heits­Kor­rek­tu­ren lehnt sie laut­stark ab: „Die­ses Ge­sicht wur­de mir ge­schenkt, da­mit ge­he ich ins Gr­ab!“, lacht sie, „Lif­ten las­sen oder Bo­tox sprit­zen, nein, das will ich nicht. Ich bin stolz dar­auf, ein Ge­sicht zu ha­ben, das lebt. Durch die Haut, die Au­gen, im La­chen.“

Grü­beln ist so gar nicht ihr Ding! Schon gar nicht übers Al­ter … „Nun, das Al­ter ist ei­ne un­aus­weich­li­che Ge­ge­ben­heit. Wir al­le sind nur zu Be­such auf die­ser schö­nen Welt“, sagt sie und weiß es zu schät­zen, dass ihr nichts fehlt. „Ich le­be sehr im Heu­te und mit dem Blick nach vorn! Ich möch­te im­mer of­fen blei­ben für Über­ra­schun­gen!“Um­so mehr nervt sie es, dass ei­nen der Job – ein Jahr­markt der Ei­tel­kei­ten – stän­dig aufs Al­ter stupst. „Von Rei­fe“, be­män­gelt sie, „wird im Film­busi­ness nicht ge­spro­chen. Es gel­ten nur noch jun­ge The­men und Ju­gend­lich­keit …“Ein erns­tes Pro­blem hat sie – ganz kes­se Ber­li­ne­rin – nicht wirk­lich mit ih­ren Be­set­zun­gen. Wird ei­ne rei­fe Frau ge­sucht, die so sinn­lich wie se­xy sein darf, ist sie ers­te Wahl der Pro­du­zen­ten. Ge­ra­de erst dreh­te sie mit ih­rem Kol­le­gen Au­gust Zir­ner ein Lie­bes­dra­ma. Auch die nächs­ten Mo­na­te ist sie voll aus­ge­bucht. Wird die­se Frau denn nie mü­de? „Ich ren­ne nicht mehr von Film zu Film“, lacht sie, „Aber be­en­den möch­te ich mei­ne Kar­rie­re noch nicht. Ich ha­be noch ganz gro­ße Lust am Spie­len!“Ach Thek­la, wir lie­ben dich, du pa­ten­te (Ent­schul­di­gung!) und tol­le Frau! •

rhYth­mus Im

blut! War­um her­um­ste­hen, wenn man auch tan­zen kann? ThEK­LA CA­RO­LA Wied ist mit sich IM EIN­KLANG!

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