Wir brau­chen Aus­zeit von der Pfle­ge! Wie wir un­se­re Lie­ben gut un­ter­brin­gen

Sei­en wir mal ehr­lich: Ir­gend­wann wird uns der Pfle­gestress ein­fach zu viel. Zeit für ei­ne Er­ho­lungs­pau­se! Aber wie brin­gen wir un­se­re Lie­ben gut un­ter?

Meins - - Inhalt - VON ALEX EMUNDS

So gern wir uns küm­mern, Pfle­gen ist an­stren­gend. Des­halb brau­chen auch wir Po­wer­frau­en ab und an mal ei­ne Er­ho­lungs­pau­se. Da­mit es un­se­ren An­ge­hö­ri­gen dann wei­ter­hin gut geht und wir uns sor­gen­frei er­ho­len, muss ein an­ge­mes­se­ner Pfle­ge­er­satz her. Wel­che Mög­lich­kei­ten wir ha­ben, da­mit es für al­le Be­tei­lig­ten ent­spannt bleibt, sagt uns Cat­ha­ri­na Han­sen, Pfle­ge­re­fe­ren­tin bei der Ver­brau­cher­zen­tra­le NRW.

❯ Wor­auf soll­ten wir bei der Or­ga­ni­sa­ti­on der pfle­ge grund­sätz­lich ach­ten?

Auf un­se­re Aus­zei­ten be­ste­hen. Da­für soll­ten un­se­re Lie­ben Ver­ständ­nis ha­ben, schließ­lich ist es un­ser Le­ben, das wir teil­wei­se für die Pfle­ge op­fern. Wir soll­ten uns auch wäh­rend der Pfle­ge im­mer hel­fen las­sen und nicht ver­su­chen, al­les al­lein zu stem­men. Am­bu­lan­te Pfle­ge­diens­te, Eh­ren­amt­li­che, Lie­fer­diens­te (für Le­bens­mit­tel und Es­sen auf Rä­dern) sind ide­al, um uns zu ent­las­ten. Tipp: Auf www.pfle­ge-durch-an­ge­hoeri­ge.de/ check­lis­ten gibt es vie­le Check­lis­ten, die uns die Or­ga­ni­sa­ti­on der Pfle­ge enorm er­leich­tern.

❯ Wel­che mög­lich­kei­ten ha­ben wir, ei­nen ge­eig­ne­ten pfle­ge­er­satz zu fin­den?

Auch wenn un­se­re Lie­ben noch al­lein woh­nen, aber auf täg­li­che Be­treu­ung an­ge­wie­sen sind, kom­men sie meist um ei­nen kurz­zeit­gen, voll­sta­tio­nä­ren Auf­ent­halt nicht her­um. Ide­al: die Kurz­zeit­pfle­ge. Die kön­nen al­le in An­spruch neh­men, die ei­ne Pfle­ge­stu­fe ha­ben. Seit An­fang des Jah­res 2016 ist es je­doch mög­lich, ei­ne Über­gangs­pfle­ge auch oh­ne Pfle­ge­stu­fe zu ge­nie­ßen. An­spruch ha­ben nun auch die­je­ni­gen, die nach ei­nem Kran­ken­haus­auf­ent­halt plötz­lich für kur­ze Zeit Pfle­ge be­nö­ti­gen. Es gibt je­doch ei­nen prä­gnan­ten Un­ter­schied: Die Kurz­zeit­pfle­ge oh­ne Pfle­ge­stu­fe wird nur zur Über­brü­ckung von Eng­päs­sen ge­währt. Sie kann al­so nicht in An­spruch ge­nom­men wer­den, um uns als pfle­gen­de An­ge­hö­ri­ge zu ent­las­ten, wenn wir in Ur­laub fah­ren wol-

len. In­fo: Die Kurz­zeit­pfle­ge ist auf 56 Ta­ge pro Ka­len­der­jahr be­schränkt.

❯ Wir möch­ten zwei Wo­chen ver­rei­sen. Wie kön­nen wir das or­ga­ni­sie­ren?

Wir kön­nen die Ver­hin­de­rungs­pfle­ge bei der Pfle­ge­kas­se be­an­tra­gen. Sie wird bis zu sechs Wo­chen pro Ka­len­der­jahr ge­währt. Vor­aus­set­zung: Un­se­re Lie­ben müs­sen ei­ne Pfle­ge­stu­fe ha­ben, und wir müs­sen sie min­des­tens sechs Mo­na­te zu­vor ge­pflegt ha­ben. Der Un­ter­schied zur Kurz­zeit­pfle­ge ist, dass die Ver­hin­de­rungs­pfle­ge in den ei­ge­nen vier Wän­den ge­leis­tet wer­den kann. Das heißt, sie kann von ei­ner an­de­ren Per­son über­nom­men wer­den, die dann da­für be­zahlt wird.

Aus­nah­me: Wird der zu Pfle­gen­de bis­her aus­schließ­lich von ei­nem Pfle­ge­dienst be­treut, kön­nen wir kei­ne Ver­hin­de­rungs­pfle­ge zu un­se­rer Ent­las­tung be­an­tra­gen.

❯ Wie läuft der An­trag auf Er­satz­pfle­ge ab?

Ei­nen An­trag auf Kurz­zeit­pfle­ge kön­nen ent­we­der un­se­re Lie­ben selbst oder wir als pfle­gen­de An­ge­hö­ri­ge stel­len. In letz­te­rem Fall müs­sen wir aber den Sta­tus ei­ner ge­setz­li­chen Be­treue­rin be­zie­hungs­wei­se ei­ner Ve­tre­tungs­be­rech­tig­ten in­ne­ha­ben. Die An­trags­for­mu­la­re für Kurz­zeit­pfle­ge und Ver­hin­de­rungs­pfle­ge er­hal­ten wir di­rekt bei der Pfle­ge- oder Kran­ken­kas­se. Ha­ben un­se­re Lie­ben kei­ne Pfle­ge­stu­fe, wol­len aber trotz­dem ei­ne Kurz­zeit­pfle­ge in An­spruch neh­men, kön­nen sie sich di­rekt an die Kran­ken­kas­se wen­den. Tipp: Ein­rich­tun­gen, die Kurz­zeit­pfle­ge an­bie­ten, sind in den Ur­laubs­zei­ten be­son­ders ge­fragt. Es emp­fiehlt sich, mög­lichst früh ei­nen An­trag zu stel­len und ei­ne Ein­rich­tung zu su­chen.

❯ 2017 soll die pfle­ge­ver­si­che­rung re­for­miert wer­den. Än­dert sich et­was in be­zug auf die Er­satz­pfle­ge?

Ja. Der­zeit gibt es für al­le Pfle­ge­be­dürf­ti­gen zu­sätz­li­che Be­treu­ungs- und Ent­las­tungs­zah­lun­gen in Hö­he von 104 Eu­ro so­wie 208 Eu­ro für De­menz­kran­ke. Im Zu­ge des Pfle­ge­stär­kungs­ge­set­zes II (PSG II) wer­den die­se Leis­tun­gen durch ei­nen ein­heit­li­chen Ent­las­tungs­be­trag von 125 Eu­ro er­setzt. Den er­hal­ten dann al­le Pfle­ge­be­dürf­ti­gen mit den neu­en Pfle­ge­gra­den eins bis fünf. Die Leis­tung kön­nen un­se­re Lie­ben z. B. in An­spruch neh­men, wenn ein am­bu­lan­ter Pfle­ge­dienst ne­ben sei­ner nor­ma­len Ar­beit vor­liest oder mit ih­nen spa­zie­ren geht. Das Geld kann au­ßer­dem für die Ta­ge­so­der die Kurz­zeit­pfle­ge ge­nutzt wer­den, wenn dort z. B. Ex­tra-Leis­tun­gen wie Gym­nas­tik an­ge­bo­ten wer­den. •

chiLL mAL WiE­DEr! Sind wir pfle­gen­de An­ge­hö­ri­ge, brau­chen wir Ti­me-outs

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