Ich weiß jetzt, was mein Herz braucht

Mü­dig­keit und Bauch­weh – die­se Si­gna­le zeig­ten el­len Id­ler, 56, dass ihr Herz in Not war

Meins - - Meine Gesundheit -

Der Tag ih­res Herz­in­farkts hat sich El­len Id­ler ins Ge­dächt­nis ge­brannt. „Es war ein Sonn­abend im De­zem­ber 2010. Ich war sehr mü­de und hat­te star­ke Bauch­schmer­zen“, er­in­nert sie sich. Vor­mit­tags hat­te die Stan­des­be­am­tin noch Trau­un­gen vor­ge­nom­men, da­nach Stüh­le für ein Abend­kon­zert ge­schleppt. „Nach­mit­tags bin ich noch mal nach Hau­se ge­fah­ren, um mich hin­zu­le­gen.“Doch ein ste­chen­der Schmerz im Un­ter­kie­fer reißt El­len aus dem Däm­mer­schlaf. „Mein Ohr, mein Hals, al­les tat weh. Et­was schnür­te mir die Keh­le zu.“Der Ge­dan­ke, dass ihr Herz in Not sein könn­te, kam der da­mals 51-Jäh­ri­gen nicht. Schließ­lich ist den meis­ten nicht be­kannt, dass sich ein Herz­in­farkt bei Frau­en an­ders zeigt als bei Män­nern.

Die Vor­bo­ten ei­nes In­farkts sind harm­los – und tü­ckisch

„Bis zum Som­mer 2010 ist mir nichts zu viel ge­we­sen“, er­in­nert sich El­len. Aber plötz­lich lei­det sie un­ter Ma­gen­pro­ble­men, fühlt sich dünn­häu­tig und er­schöpft, klagt über Ge­nick­schmer­zen – schein­bar oh­ne Grund. „Mei­ne Schwä­che woll­te ich nicht ak­zep­tie­ren. Ich war erst An­fang 50!“Dass sie erb­lich vor­be­las­tet ist, ver­steht El­len erst spä­ter: „Mei­ne Groß­mut­ter und Mut­ter er­lit­ten Herz­in­fark­te. Ich dach­te, es wür­de nur al­te Men­schen tref­fen.“Doch es sind ge­ra­de die schein­bar harm­lo­sen An­zei­chen, die den weib­li­chen In­farkt so ge­fähr­lich ma­chen.

Oh­ne ih­ren Mann wä­re el­len nicht mehr am le­ben

An je­nem Tag kurz vor Hei­lig­abend ist es El­lens Mann Uwe, der Alarm schlägt. Er fin­det, das Ge­sicht sei­ner Frau wir­ke selt­sam, wie aus Wachs – und drängt sie, zum Haus­arzt zu ge­hen. Die­ser hat so­fort das Herz im Ver­dacht und ruft trotz ei­nes un­auf­fäl­li­gen EKGs den Not­arzt. In der Kli­nik wird fest­ge­stellt: El­lens En­zym­wer­te stim­men nicht. Ei­ne Herz­ka­the­ter-Un­ter­su­chung zeigt: Sie hat­te ei­nen In­farkt! Zwei Ge­fäß­stüt­zen, so­ge­nann­te Stents, wer­den ein­ge­setzt. „Ich hat­te gro­ßes Glück, muss aber ein Le­ben lang Me­di­ka­men­te neh­men: Be­ta­blo­cker, Ent­wäs­se­rungs­ta­blet­ten und Cho­le­ste­rin­sen­ker.“

le­bens­freu­de und Krea­ti­vi­tät sind end­lich wie­der da

Drei Ta­ge nach dem Ein­griff darf El­len die Kli­nik ver­las­sen. Zwei Wo­chen spä­ter folgt ihr Re­ha-Auf­ent­halt am

Bo­den­see. Was ihr al­ler­dings auf­fällt: Es sind viel we­ni­ger Frau­en dort als Män­ner. Das liegt dar­an, dass vie­le Frau­en den Herz­in­farkt nicht über­le­ben, weil we­der sie noch ih­re Ärz­te die Zei­chen rich­tig deu­ten, er­klä­ren die Me­di­zi­ner. „Des­halb müs­sen wir un­be­dingt ler­nen, die Spra­che un­se­res Her­zens zu ver­ste­hen“, ap­pel­liert El­len.

Nach der Re­ha kehrt sie zu­rück an ih­ren Schreib­tisch im Stan­des­amt, merkt je­doch schnell, dass die Me­di­ka­men­te sie oft mü­de und schlapp ma­chen: „Ich muss­te mir ein­ge­ste­hen, dass ich nicht mehr die Leis­tung brin­gen konn­te wie frü­her.“Heu­te ge­nießt sie ihr Le­ben als Früh­pen­sio­nä­rin mit Kla­vier­spiel, Nä­hen und Gar­ten­ar­beit. Sie hat ih­re An­sprü­che an sich selbst her­un­ter­ge­schraubt: „Wenn ich mü­de bin, ru­he ich mich aus.“All­zu sport­lich sei sie nicht ge­wor­den, da­für aber mu­ti­ger: Die Schwä­bin hat ih­re ei­ge­ne Kis­sen-Ma­nu­fak­tur ge­grün­det – und lebt so ihr hand­werk­li­ches Ta­lent aus. „Ich füh­le mich frei­er, mei­ne Krea­ti­vi­tät ist zu­rück“, sagt El­len. „Da­für dan­ke ich mei­nem Her­zen.“•

Her­zens­an­ge­le­genHeIt Je­des von El­len ge­näh­te Kis­sen er­hält das ro­te Herz als Mar­ken­zei­chen

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