DeR FRied­hof be­deu­tet füR mich ein Stück Hei­mat

Meins - - Mein Leben -

Das hört sich wahr­schein­lich je­tzt merk­wür­dig an, aber für mich ist un­ser Fried­hof ein Stück Hei­mat ge­wor­den. Das liegt viel­leicht auch dar­an, dass in un­se­rem Al­ter schon so vie­le Ver­wand­te und Freun­de von uns ge­gan­gen sind. Für mich ha­ben Fried­hö­fe kei­nen Schre­cken. Ich ver­ab­re­de mich oft mit mei­nen bei­den

Freun­din­nen dort, dann be­su­chen wir die Grä­ber von Men­schen, die uns lieb wa­ren, und er­in­nern uns an ge­mein­sa­me Er­leb­nis­se. Man kann gar nicht sa­gen, das ist un­se­re Art zu trau­ern, denn Trau­er, fin­de ich, die ver­liert sich mit der Zeit. Und um je­man­den trau­ern kann man auch über­all sonst – da­zu muss man sich nicht an ei­nen be­stimm­ten Ort be­ge­ben. Je­den­falls geht es mir so. Für man­che ist das Ster­ben ja auch ei­ne Er­lö­sung. Ich per­sön­lich bin froh, dass man heu­te fest­le­gen kann, was mit ei­nem pas­sie­ren soll, wenn man an Schläu­chen hängt und nur noch ei­ne wil­len­lo­se Hül­le ist. Es kommt ja nicht dar­auf an, wie man stirbt, son­dern wie man ge­lebt hat.

Nein, das Schö­ne ist, dass wir uns an ge­mein­sa­me Zei­ten er­in­nern. Und manch­mal müs­sen wir auch la­chen – selbst am Gr­ab von mei­nem Mann, der erst vor zwei Jah­ren starb und den ich sehr ver­mis­se. Zu­erst ha­be ich noch ge­dacht, was wer­den die an­de­ren Be­su­cher den­ken? Darf man auf ei­nem Fried­hof über­haupt la­chen? Wir sind da ja – sa­gen wir mal – et­was prü­de, bei uns ist Tod im­mer mit Trau­er, Me­lan­cho­lie ver­bun­den. In an­de­ren Kul­tu­ren ist das an­ders. Die Me­xi­ka­ner zum Bei­spiel fei­ern wie wir Al­ler­hei­li­gen – bei ih­nen heißt der Tag nur Día de los Mu­er­tos und wird mit Mu­sik, Tanz, gu­tem Es­sen und Trin­ken ge­fei­ert. Ein fröh­li­ches Volks­fest, wo die Le­ben­den mit den To­ten das Le­ben fei­ern. Mir fal­len – dem Him­mel sei Dank – im­mer die schö­nen Mo­men­te oder lus­ti­ge Er­eig­nis­se ein, wenn ich an ei­nem Gr­ab ste­he. Und wenn wir den Fried­hof wie­der ver­las­sen, ha­ben wir ein­mal mehr un­se­ren Frie­den da­mit ge­macht, dass es die ge­lieb­ten Per­so­nen nicht mehr gibt. Der Tod ge­hört nun mal zum Le­ben. Al­ler­dings ge­he ich un­gern zu Be­er­di­gun­gen. Die­se kol­lek­ti­ve Trau­er be­hagt mir nicht. Und manch­mal fra­ge ich mich auch, von wem der Trau­er­red­ner ei­gent­lich sei­ne In­for­ma­tio­nen hat, weil das, was da er­zählt wird, so gar nicht mit dem Bild über­ein­stimmt, das ich und an­de­re von der Per­son hat­ten.

Ich möch­te auch ein­mal auf un­se­rem Fried­hof be­gra­ben sein. Es ist ein gu­tes Ge­fühl, zu wis­sen, wo man ei­nes Ta­ges die letz­te Ru­he fin­det. Auch wenn ich na­tür­lich hof­fe, dass ich noch viel Zeit ha­be. Chris­ta, 72

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