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High-Heel-Trai­ne­rin In­grid, 45, will uns zei­gen, wie wir un­se­re Weib­lich­keit fei­ern

Meins - - Inhalt - VON LISA MARIE SOWA

Schwar­ze High Heels, en­ge Je­ans – und ei­ne Wahn­sinns-Aus­strah­lung! In­grid Mar­tin steht auf der Trep­pe des Mo­de­ge­schäfts, in dem sie heu­te ei­nen Kurs gibt. Ein Bein an­ge­win­kelt, den Arm auf dem Ge­län­der, Blick und Hal­tung auf­recht, of­fen und stolz. Wie sie sich be­wegt und mit der Ka­me­ra spielt – man kann kaum glau­ben, dass die­se sinn­li­che Frau über Jah­re mit ih­rem Kör­per ha­der­te. Aber ge­nau des­halb ar­bei­tet die 45-Jäh­ri­ge heu­te un­ter an­de­rem als High-Heel-Trai­ne­rin.

Ums Lau­fen auf ho­hen Ha­cken geht es al­ler­dings nur vor­der­grün­dig. In­grids Wunsch und Mis­si­on ist, dass ih­re „Schü­le­rin­nen“die ei­ge­ne Weib­lich­keit ent­de­cken und ler­nen, sich in ih­rem Kör­per wohl­zu­füh­len. Und das funk­tio­niert im­mer wie­der: Nach ein paar Trai­nings­stun­den hat sich der Gang der Da­men sicht­lich ver­än­dert. Sie stre­cken die Schul­tern nach hin­ten, schwin­gen die Hüf­ten, set­zen ih­ren Po­po ein.

„Vie­le Frau­en ha­ben zu­erst Hem­mun­gen, ih­re Weib­lich­keit zu zei­gen“, sagt In­grid. Zu sehr wür­de der Druck auf ih­nen las­ten, so schlank und trai­niert zu sein wie all die Mo­dels, Mo­de­ra­to­rin­nen und Schau­spie­le­rin­nen. Das kennt die Trai­ne­rin nur zu gut aus ei­ge­ner Er­fah­rung. „Als Te­e­nie in den 80ern mach­te man sich noch nicht so vie­le Ge­dan­ken über die rich­ti­gen Ma­ße. Das kam

Tan­zen hilft, den ei­ge­nen Kör­per schät­zen zu ler­nen Zum Glück wächst mit dem Al­ter auch die Weis­heit, nicht nur der Bauch

erst mit Clau­dia Schif­fer, ge­gen En­de der 80er-Jah­re. Da­mals war ich um die 20, trug Grö­ße 40, viel­leicht 42 – und fing an, Diä­ten zu ma­chen. Ei­ne nach der an­de­ren. Trenn­kost, dann nur hart ge­koch­te Eier oder je­den Tag Ana­nas. Das Er­geb­nis? Grö­ße 46 und ganz viel Frust!“Und das, ob­wohl es so­gar Pha­sen gab, in de­nen sie sich mehr­mals täg­lich auf die Waa­ge stell­te. „Selbst­be­wusst war ich aber ei­gent­lich im­mer“, sagt sie. „Man hat mir oft ge­sagt, dass ich ei­ne tol­le Aus­strah­lung hät­te. Au­ßer­dem ha­be ich frü­her ge­tanzt – und hat­te da­durch ein gu­tes Ge­fühl für mei­nen Kör­per.“ Des­we­gen macht sie auch mit, als ein Ver­sand­haus für gro­ße Grö­ßen ei­ne Miss­wahl ver­an­stal­tet. Und sie ge­winnt. Macht ein Fo­to­shoo­ting, dann bald die ers­ten Lauf­steg­jobs.

in­grid lernt ih­ren kör­per ken­nen – und lie­ben. und

krem­pelt ihr le­ben um. Sie stellt ih­re Er­näh­rung um – und die Waa­ge in die Ecke. „Ich ha­be dann an­ge­fan­gen, zwi­schen den Mahl­zei­ten et­wa fünf St­un­den Ess-Pau­sen zu ma­chen. Da­mit ha­be ich tat­säch­lich das ers­te Mal rich­tig ab­ge­nom­men. Und bei Grö­ße 42 mein Wohl­fühl­ge­wicht ge­fun­den. Heu­te mer­ke ich am Ho­sen­bund, wenn ich zu­neh­me. Wie­gen muss ich mich nicht.“

Ih­ren Job als Bank­kauf­frau gibt sie auf und stürzt sich mit viel Elan in die Selbst­stän­dig­keit. Sie läuft und mo­de­riert Mo­den­schau­en und be­treibt ei­ne Plus-Si­ze-Mo­del-Agen­tur. „Weil ich es toll fin­de, wenn Mo­de nicht nur in Grö­ße XS prä­sen­tiert wird. Auch, da­mit es jün­ge­ren Frau­en leich­ter fällt, zu ih­rem Kör­per zu ste­hen und selbst­be­wusst zu sein.“Was sie über sich, ih­ren Kör­per und weib­li­ches Selbst­be­wusst­sein ge­lernt hat, gibt sie als High-Heel-Trai­ne­rin an an­de­re Frau­en wei­ter. „Es ist doch viel wich­ti­ger, was

in ei­nem Kör­per steckt, als wie er aus­sieht. Sich stän­dig zu ver­glei­chen, macht un­glück­lich. Bes­ser ist es, her­aus­zu­fin­den, was an ei­nem selbst schön ist.“

Die ho­hen Schu­he hel­fen den Frau­en, Ge­fal­len an ih­rer ei­ge­nen Weib­lich­keit zu fin­den. „Wer sich selbst an­nimmt und auf­hört, an sich her­um­zu­mä­keln, wer Mut hat, zu sich zu ste­hen, dem sieht man das auch an“, sagt die Trai­ne­rin. „Die in­ne­re Hal­tung wird zur äu­ße­ren Hal­tung, die Aus­strah­lung po­si­ti­ver und selbst­be­wuss­ter. Dar­an ar­bei­ten wir.“Sie blickt stolz auf die Kurs­teil­neh­me­rin­nen, die ge­ra­de die Trep­pe her­ab­schrei­ten. „Seht doch selbst. Das sind al­les ganz nor­ma­le Frau­en – und je­de sieht wun­der­schön weib­lich aus!“

Ma­ße sa­gen eben nichts über den Men­schen aus. „Ich ha­be mit Mit­te 40 mehr Bauch als frü­her. Vie­len mei­ner Freun­din­nen geht es ge­nau­so. Der Kör­per ver­än­dert sich eben. Das Gu­te dar­an: Nicht nur der Bauch wächst, auch die Weis­heit, die in­ne­re Ge­las­sen­heit und das Selbst­be­wusst­sein.“•

MIt Ge­FüHL Schon nach ein paar St­un­den Trai­ning schwin­gen die Da­men ih­re Hüf­ten

hoch hin­aus Solch ei­nen Ab­satz tra­gen wir im All­tag sel­ten – aber gut, für den Ernst­fall trai­niert zu sein!

Ge­lernt ist Ge­lernt! Ho­he Schu­he för­dern ei­nen fe­mi­ni­nen Gang – und wer den ein­mal raus­hat, schrei­tet auch in Bal­le­ri­nas

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