Lie­bes­glück

Ma­ri­ta und Claus, bei­de 63, lern­ten sich on­line ken­nen

Meins - - Inhalt - VON JA­RA TIE­DE­MANN

Bei nord­deut­schem Schiet­wet­ter kom­me ich in Cux­ha­ven an. Es nie­selt, stürmt – ty­pisch Küs­te eben. Aber des­we­gen schlech­te Lau­ne ha­ben? Kommt für Ma­ri­ta und Claus schon mal gar nicht in­fra­ge. Sie strah­len mich an, als sie mir die Tür zu ih­rer Woh­nung öff­nen – und auf wun­der­sa­me Wei­se spü­re ich: Bei den bei­den stimmt die Che­mie. Ob­wohl sie sich vir­tu­ell ken­nen­lern­ten … Vor dem Bild­schirm.

Aber von vorn. Ma­ri­ta war 38 Jah­re ver­hei­ra­tet. Als ihr Herz ihr sag­te: Das kann es noch nicht ge­we­sen sein. Die Lie­be hat­te sich ver­ab­schie­det. Lei­se, schlei­chend, aber nicht zu­rück­hol­bar. Mit 56 Jah­ren fasst sie ei­nen Ent­schluss, der heißt: Ich möch­te so nicht wei­ter­le­ben. Und traut sich – sie lässt sich schei­den. „Ich ha­be mir ge­sagt, ich will noch 20 Jah­re le­ben, aber nicht so! Und viel­leicht wuss­te ich auch, dass Claus ir­gend­wo auf mich war­tet“, scherzt sie und wirft ih­rem Mann ei­nen ver­schmitz­ten Blick zu. Auch er hat ei­ne ge­schei­ter­te Ehe hin­ter sich.

Nach ih­rer Schei­dung setzt

ma­ri­ta al­les auf An­fang – und sucht sich ei­ne Woh­nung. Die ers­te ei­ge­ne in ih­rem Le­ben, die sie ganz für sich al­lein hat! Di­rekt hin­term Deich an der Os­te. „Dort ha­be ich die Ru­he ge­fun­den, die ich nach dem gan­zen Ge­fühls­cha­os brauch­te“, er­zählt sie.

Man fin­det nur, wenn man oh­ne Er­war­tun­gen sucht MA­RI­TA

Wer glück­lich wer­den will, muss auch et­was da­für tun CLAUS

Weil sie all die Jah­re zu Hau­se war und sich um den Haus­halt und ih­re drei Kin­der ge­küm­mert hat, ent­schließt sich Ma­ri­ta zu einer ein­jäh­ri­gen Wei­ter­bil­dung im Be­reich Kun­den­be­ra­tung und Ser­vice. „Ich muss­te und woll­te mir et­was Ei­ge­nes auf­bau­en. Auch, um mir zu be­wei­sen, dass ich es kann.“Nach der Fort­bil­dung be­wirbt sie sich in ei­nem Schuh­ge­schäft – und wird ein­ge­stellt. „Das hat mir sehr viel Selbst­be­wusst­sein ge­ge­ben“, sagt sie.

Das Jahr, be­vor sie Claus ken­nen­lern­te, nennt Ma­ri­ta lie­be­voll ihr „Single­jahr“. Ei­ne Zeit, in der sie ih­re Zu­kunft plant und auch viel Spaß hat. Ob im Nor­der­ney-Ur­laub mit ih­ren Freun­din­nen, auf Grill­par­tys, in Pi­la­tesKur­sen oder beim Ma­len in der Na­tur. Kei­ne St­un­de möch­te sie mis­sen: „Ich ha­be ein­fach ge­lebt und end­lich das ge­macht, was all die Jah­re nicht mög­lich war.“ So ganz oh­ne Lie­be will sie dann aber doch nicht sein. Ma­ri­tas Toch­ter war es, die sie 2009 da­zu trieb, sich beim Da­ting-Por­tal „Fisch­kopf“an­zu­mel­den. „Ir­gend­wann kam ich von der Ar­beit und dach­te, ich pro­bier’s ein­fach mal.“Oh­ne gro­ße Er­war­tun­gen. Da ploppt Claus auf ih­rem Bild­schirm auf. In sei­nem Pro­fil steht, er wür­de nicht auf Nach­rich­ten von Nicht­rau­che­rin­nen und Frau­en oh­ne Pro­fil­bild ant­wor­ten. Ma­ri­ta, Nicht­rau­che­rin oh­ne Pro­fil­bild, schreckt das nicht ab. „Ich dach­te zwar, ‚Was ist das denn für einer‘, aber sein Fo­to ge­fiel mir.“Sie schreibt ihm. Und Claus? – Ant­wor­tet. Er sei schon öf­ter über Obern­dorf, Ma­ri­tas Hei­mat, ge­flo­gen, schreibt der pas­sio­nier­te Hob­by­pi­lot. Und ver­spricht: „Nächs­tes Mal neh­me ich dich mit.“

Ihr ers­tes Da­te soll­te aber doch lie­ber auf si­che­rem Bo­den in ei­nem Ca­fé statt­fin­den. „Claus war­te­te klas­sisch mit ro­ter Ro­se auf mich. Wie im Film“, schwärmt Ma­ri­ta. Die bei­den ver­ste­hen sich auf An­hieb. „Es war al­les sehr ver­traut. Wir konn­ten über al­les re­den. Und ha­ben uns gleich klar ge­sagt, was wir in einer Be­zie­hung wol­len und was nicht“, er­gänzt Claus.

Kei­ne 14 Ta­ge spä­ter geht es dann tat­säch­lich hoch hin­aus. „Ich hat­te schweiß­nas­se Hän­de“, ge­steht Ma­ri­ta. Doch über den Wol­ken ist die Angst ver­flo­gen. „Ich ha­be mich da oben ein­fach si­cher mit Claus ge­fühlt.“Und der hört nur noch das Kli­cken ih­rer Ka­me­ra, mit der sie atem­los vor Be­geis­te­rung Luft­auf­nah­men macht – und auf Wol­ke sie­ben schwebt. Seit­dem flie­gen sie nur noch zu zweit. Nach Bor­kum, auf die Ost­frie­si­schen In­seln oder nach TØn­der in Dä­ne­mark. Im­mer die Ka­me­ra im Ge­päck! Fo­to­gra­fie ist ih­re ge­mein­sa­me Lei­den­schaft. Wie das Ko­chen. Und weil der Ab­wasch zu zweit mehr Spaß macht, be­schlie­ßen Claus und Ma­ri­ta 2010, zu­sam­men­zu­zie­hen. Ein Jahr spä­ter läu­ten die Hoch­zeits­glo­cken! Ein wun­der­schö­ner Tag, noch heu­te schwel­gen bei­de se­lig in Er­in­ne­run­gen.

Fünf Jah­re spä­ter sind sie ver­lieb­ter denn je. Viel­leicht, weil sie sich auf fas­zi­nie­ren­de Wei­se ähn­lich sind: of­fen, ehr­lich, zu­ver­läs­sig. Sich mit lie­be­vol­len Ges­ten und Auf­merk­sam­keit be­geg­nen. Das schät­zen sie an­ein­an­der. Viel­leicht auch, weil sie schon durch här­te­re Zei­ten ge­gan­gen sind. „So was schweißt zu­sam­men“, sagt Ma­ri­ta.

Ob die bei­den die Part­ner­su­che im In­ter­net emp­feh­len? „Manch­mal den­ke ich, ich war ganz schön leicht­sin­nig, so schnell, wie das mit uns ging. Aber ich ha­be ein­fach ge­spürt, dass es passt“, sagt Ma­ri­ta. „Man soll­te sein Glück ver­su­chen. Mein Mut ­je­den­falls­wur­de­reich­be­lohnt.“­•

je­tzt Steht kei­ner mehr im re­gen Ma­ri­ta und Claus, bei­de 63, ha­ben sich (im In­ter­net) ge­sucht und ge­fun­den! „Wir sind uns so ähn­lich – kön­nen über al­les re­den“

Für­diegro­ßeLie­beis­tes­nie­zu­spät!

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