Mo­ni­ca Bel­luc­ci:

„Mit dem Al­ter wer­den wir fas­zi­nie­ren­der“

Meins - - Inhalt - VON RÜDIGER STURM

Dass die­se Frau nicht an der Uni­ver­si­tät blei­ben konn­te, war klar, als sie be­gann, sich das Ju­ra­stu­di­um mit Mo­deln zu ver­die­nen – un­ter an­de­rem für Dol­ce & Gab­ba­na. Ei­ne Welt­kar­rie­re folg­te – und im­mer gab Mo­ni­ca Bel­luc­ci die pu­re Ver­füh­rung vor der Ka­me­ra. Mit 50 spiel­te sie das äl­tes­te Bond­girl ever und ließ die jun­gen Ma­ger-Mi­min­nen höchst alt aus­se­hen. Wie macht sie das? MEINS: Si­gno­ra Bel­luc­ci, Sie gel­ten mit 52 als Schön­heits­sym­bol. Den­ken Sie dar­an, dass sich das ir­gend­wann än­dern wird? Mo­ni­ca Bel­luc­ci: Nein, denn Schön­heit ist vom Al­ter völ­lig un­ab­hän­gig. Sie ist ei­ne Fra­ge dei­ner per­sön­li­chen Aus­strah­lung. Ich weiß, dass sich vie­le Frau­en über das Äl­ter­wer­den den Kopf

zer­bre­chen und schlecht füh­len. Aber wo­zu? Du wirst als Per­son nur fas­zi­nie­ren­der. Und Fal­ten än­dern dar­an gar nichts. Ich freue mich schon, wenn ich spä­ter ein­mal ei­ne al­te La­dy mit En­kel­kin­dern bin. MEINS: Vor drei Jah­ren trenn­ten Sie sich von Ih­rem zwei­ten Mann Vin­cent Cas­sel, mit dem Sie zwei Töch­ter ha­ben, zwölf und sechs Jah­re alt. Hat Ih­nen das Sor­gen­fal­ten be­schert?

Mo­ni­ca Bel­luc­ci: Was soll ich sa­gen? Das war eben ei­ne der ne­ga­ti­ven Er­fah­run­gen, wie sie das Le­ben mit sich bringt. Und ich wür­de auch nicht sa­gen wol­len, ob ich wie­der hei­ra­ten wür­de. Aber ich ha­be auf je­den Fall mei­ne po­si­ti­ve Grund­ein­stel­lung be­wahrt. Denn mein Glau­ben an Lie­be ist gleich ge­blie­ben. MEINS: Zu Ih­rem Ex-Mann? Mo­ni­ca Bel­luc­ci: Ich mei­ne Lie­be in je­der Hin­sicht – zwi­schen Mann und Frau, zu mei­nen Kin­dern, zur Ar­beit. Sie ist der Mo­tor des Le­bens. MEINS: Aber war­um ist dann die­se Be­zie­hung über­haupt in die Brü­che ge­gan­gen? Mo­ni­ca Bel­luc­ci: Ich will das all­ge­mein be­ant­wor­ten. Je­der Mensch ver­än­dert sich stän­dig. Was heu­te gut ist, muss mor­gen nicht gut sein. Es kann im­mer pas­sie­ren, dass sich zwei Part­ner so ver­än­dern, dass sie ge­trenn­te We­ge ein­schla­gen. MEINS: Und was ge­hört da­zu, dass es funk­tio­niert? Sie sind ja je­tzt an­geb­lich mit dem Ge­schäfts­mann Tel­man Is­mail­ov zu­sam­men … Mo­ni­ca Bel­luc­ci: Ei­ne Be­zie­hung ist ein Ge­heim­nis. Ich wä­re selbst glück­lich, wenn ich die Re­geln wüss­te, nach de­nen es mit zwei Men­schen klappt. Es ist nicht ein­fach Lei­den­schaft, denn Lei­den­schaft kann dich auch zer­stö­ren. Ich wür­de ein­fach sa­gen, dass zwi­schen dir und dei­nem Part­ner ei­ne be­stimm­te En­er­gie fließt. Das ist pu­rer In­stinkt, nicht plan­bar. MEINS: Am wich­tigs­ten dürf­ten aber oh­ne­hin Ih­re bei­den Töch­ter sein. Was gibt Ih­nen das Mut­ter­da­sein? Mo­ni­ca Bel­luc­ci: Ich den­ke nicht mehr so sehr an mich selbst, und das ist ge­sund. Vie­le Kol­le­gen ver­wech­seln ihr Image mit ih­rer Per­son, und da­durch krie­gen sie Pro­ble­me. Mir pas­siert das nicht, weil ich ei­ne Frau mit ei­nem wirk­li­chen Le­ben bin. Es ist auch wich­tig für mei­ne Weib­lich­keit. Erst durch mei­ne Töch­ter füh­le ich mich als Mensch ganz. Und ich bin auch viel ru­hi­ger ge­wor­den. MEINS: Wie stres­sig ist es ei­gent­lich, zwei Kin­der al­lein auf­zu­zie­hen?

Mo­ni­ca Bel­luc­ci: Mei­ne Töch­ter hal­ten mich zwar auf Tr­ab, aber der wirk­li­che Stress kommt spä­ter. Ich ge­be ih­nen al­le Lie­be in der Welt, aber wenn sie ins Te­enager­al­ter kom­men, dann wer­den sie mich has­sen. Na ja, viel­leicht nicht has­sen, aber sie wer­den sa­gen: „Ich mag nicht, wer du bist, ich mag nicht, wie du dich an­ziehst.“Und das ist nor­mal, denn sie müs­sen sich selbst fin­den, auch wenn ich dar­un­ter lei­den wer­de. MEINS: Ha­ben Sie ge­gen Ih­re El­tern auch so auf­be­gehrt? Mo­ni­ca Bel­luc­ci: Na­tür­lich! Ge­ra­de weil ich sehr un­ab­hän­gig bin, ha­be ich es ge­hasst, wenn mir mei­ne El­tern sag­ten, was ich tun soll. Da­bei hat­te ich groß­ar­ti­ge El­tern. Wahr­schein­lich bist du um­so un­ab­hän­gi­ger, je mehr du ge­liebt wirst. Dann hast du die Selbst­si­cher­heit, weg­zu­flie­gen wie ein Vo­gel.

MEINS: Mit die­ser Selbst­si­cher­heit ha­ben Sie frü­her ex­tre­me Rol­len ge­spielt – et­wa in „Ir­re­ver­si­bel“, wo Ih­re Fi­gur aufs Bru­tals­te ver­ge­wal­tigt und ge­tö­tet wur­de. Wür­den Sie das heu­te als Mut­ter noch tun? Mo­ni­ca Bel­luc­ci: Aber si­cher! Ich bin ei­ne gu­te Mut­ter, doch ich bin auch ei­ne Schau­spie­le­rin. Und als Schau­spie­le­rin bin ich kein bra­ves Mäd­chen. Das heißt, ich will Ri­si­ken ein­ge­hen und auf­re­gen­de Din­ge er­le­ben. Ei­nen Mo­nat nach der Ge­burt mei­ner zwei­ten Toch­ter spiel­te ich in ei­nem Film split­ter­nackt. Ich mag es, wenn mir ei­ne Rol­le Angst macht. MEINS: Hat­ten Sie je über­legt, Ih­rer Hei­mat Ita­li­en Ciao zu sa­gen und nach Hol­ly­wood zu ge­hen? Ihr Auf­tritt als Bond­girl wä­re ja ein gu­ter An­lass ge­we­sen …

Mo­ni­ca Bel­luc­ci: Nein. Ich mag es, gro­ße Fil­me zu dre­hen und mit tol­len Kol­le­gen zu­sam­men­zu­ar­bei­ten. Aber ich wür­de nie in die USA um­zie­hen wol­len. „Spect­re“war ja letzt­lich auch ein eu­ro­päi­scher Film. Je­des Mal, wenn ich nach Eu­ro­pa zu­rück­keh­re, füh­le ich mich to­tal aus­ge­pumpt. In Ame­ri­ka dreht sich al­les um Geld und Ar­beit. Aber ich brau­che mein Le­ben und die Lie­be. Und das fin­de ich nur, weil ich mir Zeit für mich selbst und mei­ne Fa­mi­lie neh­me. Mei­nen Klei­nen ist mei­ne Kar­rie­re egal. Sie ver­lan­gen ih­ren Platz in mei­nem Le­ben, und zwar sehr viel Platz. •

Ich bin ei­ne Frau mit ei­nem wirk­li­chen Le­ben!

SEx-Ap­pEAl Auch oh­ne gro­ße Ro­be und tie­fen Ein­blick! Mo­ni­ca Bel­luc­ci grüßt aus Ve­ne­dig

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