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Su­san­ne Juhn­ke: Was bleibt, ist die Lie­be

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Auch Steh­auf­männ­chen fal­len ir­gend­wann end­gül­tig um. Ha­rald Juhn­ke, den selbst sei­ne Wit­we Su­san­ne „das Steh­auf­männ­chen der Na­ti­on“nennt, war da kei­ne Aus­nah­me. Nur dass sein letz­tes Um­fal­len mehr als vier elen­de Jah­re dau­er­te. Als er in der Nacht zum 1. April 2005 für im­mer ein­schlief, war auch sei­ne Frau am En­de ih­rer Kräf­te.

Das ge­heim­nis vie­ler Steh­auf­männ­chen ist meist ein Ste­hauf­frau­chen.

Oh­ne Su­san­ne, heu­te 71, mit der er fast 34 Jah­re ver­hei­ra­tet war, wä­re Ha­rald Juhn­ke wohl kaum 75 Jah­re alt ge­wor­den. Die Schau­spie­le­rin, die mit Heinz Rüh­mann und Omar Sha­rif dreh­te, gab nach der Hoch­zeit mit Ha­rald ih­re Kar­rie­re auf. Sie leb­te nur noch da­für, dass es dem Schau­spie­ler, Sän­ger und En­ter­tai­ner gut ging. Und dass er sei­ne Quar­tals­be­säuf­nis­se über­leb­te.

Die Zeit im Licht und im Schat­ten ih­rer gro­ßen Lie­be hat sie in ih­rem Buch „Was bleibt, ist die Lie­be“(240 S., 19,99 €, Heyne Ver­lag) noch ein­mal Re­vue pas­sie­ren las­sen. Ei­ne trau­ri­ge Re­vue, die mit him­mel­hoch­jauch­zen­den Lie­bes­brie­fen be­ginnt. Ha­rald: „Wir kön­nen das glück­lichs­te Paar der Welt sein.“Und da­mit en­det, dass aus den Tie­fen sei­nes sich auf­lö­sen­den We­sens nur noch ei­ne Bot­schaft zu ihr kommt: „Ich lie­be dich noch im­mer.“

Vor­hang auf. Das Jahr 2000. ha­rald Juhn­ke ist zu Dreh­ar­bei­ten in ba­den bei wi­en.

Na­tür­lich re­si­diert er im „Grand Ho­tel“. Abends ruft er sei­ne Mu­n­el in Ber­lin an, wie er sei­ne Frau zärt­lich nennt. Nach dem Abend­es­sen mit der Cr­ew des Films „Zwei un­ter ei­nem Dach“bricht er zu ei­nem „Spa­zier­gang“auf.

Doch das wird kein Spa­zier­gang. Es wird der ers­te Schritt auf sei­nem lan­gen letz­ten Weg. Er be­ginnt in der Bar „Fi­lou“, ein Na­me wie für ihn ge­macht. Mit Whis­ky läu­tet er die Nacht ein, die nur ihn als Zeu­gen hat. Mor­gens fin­det ihn die Film­crew sturz­be­trun­ken im Bett. Ge­gen sie­ben Uhr wird sei­ne Frau in Ber­lin ver­stän­digt. Mit ih­rem Sohn Oli­ver, heu­te 43, or­ga­ni­siert sie ei­nen Pri­vat­flie­ger. Die bei­den ho­len ihn in Wi­en ab und brin­gen ihn nach Ba­sel, wo er zu­vor schon sei­ne Al­ko­hol­krank­heit be­han­deln ließ.

Die Dia­gno­se hat­te der be­han­deln­de Pro­fes­sor schon zwei­ein­halb Jah­re vor­her pro­phe­zeit, wenn Ha­rald wei­ter­trin­ken wür­de. Der Al­ko­hol fand in

Ich lie­be dich noch im­meR . – Ich dich auch

VON ANDREAS JUHN­KE (ganz ent­fernt ver­wandt)

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