Ma­rie­le Mil­lo­witsch:

„Mei­ne Kraft­quel­le? Freu­de am Le­ben“

Meins - - Inhalt -

Wä­re Ma­rie­le Mil­lo­witsch ge­wor­den, was sie ge­lernt hat, hät­ten wir heu­te viel­leicht we­ni­ger kran­ke Haus­tie­re, aber auch viel we­ni­ger zu la­chen! Nach dem Abitur zog die Köl­ne­rin nach Mün­chen und stu­dier­te Tier­me­di­zin. So­gar ih­ren Dok­tor setz­te sie noch drauf, doch ihr Herz schlug im­mer lau­ter für die Schau­spie­le­rei. Kein Wun­der bei die­sem klin­gen­den Fa­mi­li­en­na­men – Mil­lo­witsch. Wir tref­fen Ma­rie­le in Köln zum MEINS-Talk zwi­schen Oran­gen­saft und Tem­po­ta­schen­tü­chern. Ih­re Stim­me klingt et­was er­käl­tungs­be­legt, aber auf ih­ren rhei­ni­schen Hu­mor ist Ver­lass.

MeInS: Wie sind Sie heu­te Mor­gen in den tag ge­star­tet?

Ma­rie­le Mil­lo­witsch: Ich ge­he mor­gens mit mei­nem Hund Lu­i­gi-Klaus ei­ne St­un­de im Park spa­zie­ren. Da­vor trin­ke ich ei­nen Milch­kaf­fee – au­ßer heu­te, da hat­te ich blö­der­wei­se kei­ne Milch mehr im Haus. MeInS: Sind Sie gern drau­ßen? Ma­rie­le Mil­lo­witsch: Ge­ben Sie mir ei­nen Ruck­sack und Schu­he, und ich bin weg – wan­dern! Ich brau­che Ber­ge, Ber­ge, Ber­ge …

Ich muss mir nichts mehr be­wei­sen! Und an­de­ren auch nicht …

Wie bRingst du den lie­ben Gott zum La­chen? ER­zähl ihm dei­ne Plä­ne!

MeIns: sie sind in Ih­ren rol­len im­mer sehr pa­tent. Fin­det sich die­se Le­bens­hal­tung in Ih­rem Pri­vat­le­ben wie­der?

Ma­rie­le Mil­lo­witsch: Ja, das kann man sa­gen. Ich bin schon so ein Lö­sungs­fin­der, mich kann man lau­fen las­sen. Ich ha­be auf Tour­ne­en auch im­mer so ein Lea­ther­man-Mes­ser mit tau­send Funk­tio­nen da­bei­ge­habt, da ha­be ich auch mal die Gar­de­ro­be um­ge­baut. Ich kann al­les schrau­ben …

MeIns: Die­se en­er­gie, die sie aus­strah­len, wo­her neh­men sie die? Ma­rie­le Mil­lo­witsch: Tja, was ist mei­ne Kraft­quel­le? Die Freu­de am Le­ben! Ich freue mich, dass ich da bin und dass es mir gut geht. Ich ha­be mir vor­ge­nom­men, im­mer mit ei­nem freund­li­chen Ge­sicht her­um­zu­lau­fen – das geht ja auch nach in­nen. MeIns: spre­chen wir über das rei­f­er­wer­den. Was schät­zen sie dar­an?

Ma­rie­le Mil­lo­witsch: Ich mag die Ge­las­sen­heit! Ich muss mir nichts mehr be­wei­sen – und ich muss an­de­ren nichts mehr be­wei­sen. Na­tür­lich möch­te ich mei­ne Ar­beit gut ma­chen, aber mein Le­ben hängt nicht mehr da­von ab. Ich weiß, dass ich als Schau­spie­le­rin nicht ge­ra­de schlecht bin, aber es gibt auch ganz vie­le, die bes­ser sind. Da­rin ha­be ich mich ein­ge­rich­tet. MeIns: Wel­ches Ge­fühl der frü­he­ren Jah­re wür­den sie gern re­ak­ti­vie­ren? Ma­rie­le Mil­lo­witsch: Mei­ne Un­be­küm­mert­heit. Die schwin­det ein biss­chen mit dem Al­ter. Ich den­ke, ich weiß je­tzt so viel und ha­be mit mei­nen 60 doch schon ei­ni­ges er­lebt. Ich bin nicht schwer­mü­tig, aber eben auch nicht mehr un­be­küm­mert. Al­ler­dings ret­tet mich auch oft mein Hu­mor. MeIns: Wie hel­fen sie sich in me­lan­cho­li­schen Mo­men­ten? Was tun sie? Ma­rie­le Mil­lo­witsch: Ich spa­zie­re durch Herbst­wäl­der, oder ich le­se, da kann ich schön ab­tau­chen. Abends gibt’s ein Glas Wein und ei­ne

ame­ri­ka­ni­sche Se­rie wie „Oran­ge Is the New Black“, die mag ich. MEINS: Wo­für lohnt es sich heu­te zu kämp­fen? Ma­rie­le Mil­lo­witsch: Wir müs­sen den Men­schen ge­gen­über, die zu uns ge­kom­men sind, weil sie kei­ne Hei­mat mehr ha­ben, of­fen blei­ben und ge­gen die Vor­ur­tei­le, de­nen sie aus­ge­setzt sind, an­ar­bei­ten. Wir dür­fen nicht al­le über ei­nen Kamm sche­ren. MEINS: En­ga­gie­ren Sie sich per­sön­lich für Flücht­lin­ge? Ma­rie­le

Mil­lo­witsch: Na ja, in­di­rekt. Ich be­sit­ze zwei klei­ne Woh­nun­gen für mei­ne Al­ters­vor­sor­ge, die ich je­tzt güns­tig an Flücht­lin­ge ver­mie­tet ha­be. Das ma­che ich gern. Ich kann doch oh­ne­hin ir­gend­wann nichts mit­neh­men, es gibt ja noch kei­ne Sär­ge mit An­hän­ger! MEINS: Was tun Sie in sport­li­cher Hin­sicht für Ih­re Ge­sund­heit? Ma­rie­le Mil­lo­witsch: Ich ste­he je­den Tag ei­ne St­un­de auf mei­nem Cross­trai­ner. Ich ma­che Yo­ga, ich ge­he spa­zie­ren, ma­che ein biss­chen Kraft­trai­ning. Al­les zu Hau­se und ei­sern. MEINS: Klingt höchst dis­zi­pli­niert … Ma­rie­le Mil­lo­witsch: Ja, das muss ich, ehr­lich ge­sagt, auch sein. Weil ich wahn­sin­nig gern wahn­sin­nig viel es­se. Ich MUSS Sport ma­chen, sonst be­setzt mich kei­ner mehr … MEINS: Spre­chen wir über Män­ner … Ma­rie­le Mil­lo­witsch: Män­ner und Frau­en – das ist ein sehr spe­zi­el­les The­ma! Die Lie­be scheint sehr wet­ter­wen­dig. Ich bin im­mer wie­der er­staunt, wie schnell sich Ge­füh­le än­dern kön­nen. Wenn ei­ne Er­war­tungs­hal­tung im Spiel ist oder die Angst, nicht zu­rück­ge­liebt zu wer­den. Das sind Ge­fühls­la­gen, die man bei Freun­din­nen nicht hat – die ha­ben mich lieb, das weiß ich! MEINS: Gibt es den Wunsch, Ihr Nest mit ei­nem Mann zu tei­len? Ma­rie­le Mil­lo­witsch: Nicht mehr. Es ist gut, wie es ist: Ich le­be sehr gern al­lein! Das ist der Punkt, an dem wir lan­den,al­lein le­ben: wenn Wir wir sind lan­ge ir­gend­wann­wir das auch so blei­ben aut­ark, dass wol­len. MEINS: Mit wem wür­den Sie gern mal ein Bier­chen trin­ken? Ma­rie­le Mil­lo­witsch: Mit Gre­gor Gy­si! Den fin­de ich ei­nen gu­ten Kopf, mit dem wür­de ich gern ein Schwätz­chen hal­ten. MEINS: Was ha­ben Sie mit der Zeit über sich ge­lernt? Ma­rie­le Mil­lo­witsch: Mei­ne Lie­be zu mir ist mit den Jah­ren ge­wach­sen. Ich bin ganz gut an­ge­kom­men und mag mich – bis auf ein paar Klei­nig­kei­ten – ei­gent­lich sehr gut lei­den. MEINS: Vie­le Frau­en über 50 sa­gen, sie hät­ten frü­her mit ih­rem Kör­per ge­ha­dert und fin­den sich heu­te gut … Ma­rie­le Mil­lo­witsch: Das kann ich mir gut vor­stel­len! Das neue Kör­per­ge­fühl nach den Wech­sel­jah­ren folgt dem na­tür­li­chen Weg der Bio­lo­gie: Wir müs­sen uns nicht mehr ver­kau­fen und sind fort­pflan­zungs­tech­nisch vom Markt, so­zu­sa­gen. MEINS: Wie ist Ihr Kör­per­ge­fühl? Ma­rie­le Mil­lo­witsch: Heu­te ste­he ich vor dem Spie­gel und sa­ge: „Na ja, schön ist an­ders!“(lacht herz­lich) Dann sagt mein Bru­der im­mer ganz tro­cken: „Auf dem Fried­hof lie­gen Häss­li­che­re!“Da hat er voll­kom­men recht! Was soll ich mich denn ver­rückt ma­chen? Ich fin­de mich üb­ri­gens mor­gens ganz nied­lich: Haa­re ver­strub­belt, ro­te Bäck­chen – da bin ich je­tzt mal ei­tel. MEINS: Heu­te gilt die äu­ße­re Hül­le als Wäh­rung. Wie den­ken Sie über mög­li­che me­di­zi­ni­sche Kor­rek­tu­ren?

Heu­te bin ich an­ge­kom­men. Und mag mich – bis auf ein paaR Klei­nig­kei­ten – sehR gut lei­den Es ist al­les gut so, wie es ist: Ich le­be gern al­lein!

Ma­rie­le Mil­lo­witsch: Ich hät­te zu viel Angst! Was ma­che ich denn, wenn sich das Ge­sicht nicht mehr be­wegt? Der kom­plet­te Ge­sichts­ver­lust, ent­setz­lich! MEINS: Ha­ben Sie ein le­bens­mot­to? Ma­rie­le Mil­lo­witsch: Ja, ein Zi­tat, von Os­car Wil­de ge­klaut: „Wie bringst du den lie­ben Gott zum La­chen? Er­zähl ihm dei­ne Plä­ne!“MEINS: Wie möch­ten Sie ster­ben? Ma­rie­le Mil­lo­witsch: Tot um­fal­len – mit­ten im Le­ben! Das wär’s. •

straHLenD und vol­ler Vi­ta­li­tät! Ma­rie­le Mil­lo­witsch weiß heu­te, was sie will – und was nicht (mehr) … KaFFee­stünDcHen Trotz ih­rer Er­käl­tung traf sich Ma­rie­le Mil­lo­witsch in Köln mit MEINS

CaSu­al CHIC Shop­ping ist nicht so ihr Ding! „Ich lie­be Je­ans! Da­zu ein Pull­over, ge­müt­li­che Ja­cke – so lau­fe ich ei­gent­lich im­mer rum.“

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