Ko­lum­ne

„Das war schon im­mer so!“

Meins - - Inhalt -

Mit 15 Jah­ren darf man Mo­fa fah­ren, mit 16 Bier trin­ken, mit 18 Jah­ren gilt man als voll ge­schäfts­fä­hig. Man kann dar­über dis­ku­tie­ren, wie sinn­voll die­se Al­ters­gren­zen sind. Aber es gibt sie, und die meis­ten Leu­te hal­ten sich dar­an. Und wenn es nach mir gin­ge, könn­ten wir so­gar noch ein paar wei­te­re ein­füh­ren.

Ich schla­ge vor, dass man spä­tes­tens mit zwölf Jah­ren die Pflicht hat, sei­ne nas­sen Schwimmsa­chen selbst­stän­dig zum Trock­nen auf­zu­hän­gen, statt sie über die Fe­ri­en hin­weg in der Sport­ta­sche zu las­sen. Un­ser Sohn hat­te das bis zu sei­nem Aus­zug noch nicht ver­in­ner­licht. Mit 18 darf man nicht nur al­lein Au­to fah­ren, son­dern auch al­lein tan­ken, wenn man Ma­mas Au­to bis auf den letz­ten Trop­fen ge­leert hat. Und mit al­ler­spä­tes­tens Mit­te 20 er­lischt der mo­ra­li­sche An­spruch auf ei­nen Ad­vents­ka­len­der. Das se­hen un­se­re Kin­der an­ders. Ob­wohl sie uns oft ge­nug dar­auf hin­wei­sen, dass sie er­wach­sen sind, be­ste­hen sie Jahr für Jahr auf ei­nem hand­ge­mach­ten Ad­vents­ka­len­der von ih­rer Mut­ter. Das wä­re schließ­lich Tra­di­ti­on, be­haup­ten sie, und an einer sol­chen dür­fe nicht ge­rüt­telt wer­den.

Zwei­mal 24 Tüt­chen mit klei­nen Ge­schen­ken, das macht zu­sam­men 48-mal Kopf­zer­bre­chen und ei­ne Men­ge Ar­beit. Si­cher, ei­ne schö­ne Tra­di­ti­on für die Be­güns­tig­ten, aber das wa­ren Gu­te­n­acht­ge­schich­ten, ver­steck­te Os­te­rei­er oder die Ge­burts­tags­ka­ra­wa­ne (ein klei­ner Zug aus höl­zer­nen Tie­ren, von de­nen je­des ei­ne Ker­ze auf dem Rü­cken trägt) auch. Trotz­dem wur­den sie ir­gend­wann ein­ge­stellt und in die Kis­te mit der Auf­schrift „Kind­heits­er­in­ne­run­gen“ge­packt. Nur wenn es um Weih­nachts­ri­tua­le geht, sind un­se­re Kin­der so kom­pro­miss­be­reit wie ein Fru­ta­ri­er, dem man ei­ne Bulette un­ter die Na­se hält. Der Baum hat ge­fäl­ligst groß zu sein und darf nicht pik­sen. Kein La­met­ta, da­für aber gol­de­ne Ku­geln. Die Weih­nachts­py­ra­mi­de wird am ers­ten Ad­vent auf­ge­stellt, zu es­sen gibt es Fleisch­fon­due, und zur Bescherung muss die klei­ne Glo­cke ge­läu­tet wer­den. Mein Mann und ich hät­ten Lust, Weih­nach­ten ein­fach mal an­ders zu fei­ern. Viel­leicht auf einer Berg­hüt­te im Schnee, mit Freun­den oder we­nigs­tens mal oh­ne die­se schreck­li­che „Ru­dolph, The Red No­sed Rein­de­er“-CD, die im­mer ab­ge­spielt wer­den muss. Aber mit sol­chen Vor­schlä­gen müs­sen wir un­se­ren Kin­dern, die­sen klei­nen Spie­ßern, gar nicht erst kom­men. Al­so wird auch die­ses Jahr al­les beim Al­ten blei­ben. Ge­nau wie im nächs­ten Jahr und im Jahr dar­auf … und wenn ich 80 bin, wer­de ich ins­ge­samt cir­ca 2640 Ad­vents­ka­len­der­päck­chen ge­packt ha­ben. Oh, ich Fröh­li­che. •

ihr Kin­der­lein, Kom­met? Könn­ten wir uns den Weih­nachts­rum­mel mal schen­ken?

Un­se­re KolUm­nis­tin Car­la Be­cker, 54, liebt schnel­le Au­tos, Kat­zen und ih­ren Mann. Und fühlt sich kei­nen Tag äl­ter als 39

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