in­ti­me Ko­lum­ne

Meins - - Inhalt - Viel Kraft und al­les Gu­te wünscht Ih­nen Ih­re Dr. Bea­trice Wag­ner

Al­le re­den im­mer da­von, wie er­fül­lend Sex im Al­ter sein kann. Bei mir ist es aber zur Be­las­tung ge­wor­den, und ich wen­de mich an Sie, weil mir nie­mand wei­ter­hel­fen kann und ich über die­ses de­li­ka­te The­ma über­haupt nur mit wenigen Men­schen spre­chen kann. Mein Mann, 79, lei­det seit un­ge­fähr zwei Jah­ren an De­menz. Die Ta­ge mit ihm ver­lau­fen sehr un­ter­schied­lich. Er kann er­staun­lich klar sein, aber pha­sen­wei­se sehr ver­wirrt. Zu­dem ist er geh­be­hin­dert und leicht in­kon­ti­nent. Sein Se­xu­al­trieb ist da­von je­doch un­be­rührt. Im Ge­gen­teil. Sein Pe­nis ist häu­fi­ger als frü­her eri­giert, und er gibt mir zu ver­ste­hen, dass er von mir be­frie­digt wer­den möch­te. Der Sex mit ihm war frü­her im­mer sehr schön für mich, und ich emp­fin­de gro­ße Zu­nei­gung für mei­nen kran­ken Mann. Doch nun schre­cke ich vor sei­nen An­nä­he­run­gen zu­rück. Es fühlt sich für mich merk­wür­dig an, ich möch­te ihn je­doch auch nicht zu­rück­wei­sen. Was kann ich tun? Kon­stan­ze, 77 welch gro­ße Be­las­tung für Sie! Der Mann, mit dem Sie vie­le Jah­re ge­mein­sam ver­bracht ha­ben, ist ein Pfle­ge­fall ge­wor­den. Nun müs­sen Sie für ihn mit­den­ken, ihm zur Hand ge­hen und für ihn sor­gen. Und da­bei sind Sie ja auch nicht mehr die Jüngs­te. Be­stimmt wür­den Sie sich auch gern ein­mal zu­rück­leh­nen, an­statt dau­ernd zu funk­tio­nie­ren. Kein Wun­der, dass die se­xu­el­le Lust da­bei auf der Stre­cke bleibt!

Sie er­le­ben Ih­ren Mann nicht mehr als den Part­ner, in den Sie sich ver­liebt hat­ten und auf den Sie sich ver­las­sen konn­ten. Es steht die Pfle­ge im Vor­der­grund, und das ist nicht ero­tisch. Bei ei­nem De­menz­kran­ken kommt hin­zu, dass un­ge­steu­er­te Ge­füh­le und Af­fek­te die Re­gie über­neh­men. Es ist ein schlei­chen­der Ver­lust der Selbst­kon­trol­le. Die Be­trof­fe­nen zei­gen ih­re Be­dürf­nis­se, auch die se­xu­el­len, ganz un­mit­tel­bar – und oh­ne war­ten zu kön­nen. Wäh­rend Ihr Mann Sie frü­her um­wor­ben und ver­führt hät­te, zeigt er nun ganz un­ver­hüllt sein trieb­haf­tes Ver­lan­gen. Klar, dass es Sie ab­stößt, denn die Be­zie­hungs­ebe­ne wird da­bei au­ßer Acht ge­las­sen. Und die ist nun ein­mal für die Frau­en ein wich­ti­ger Mo­tor für die Lust.

Män­ner kön­nen viel leich­ter mit Bil­dern und äu­ße­ren Aus­lö­sern ein­fach geil wer­den. Für Frau­en hin­ge­gen ist es auch wich­tig, dass die Part­ner­schaft stimmt und dass sie sich gut da­bei füh­len. Und des­we­gen kön­nen Sie sich auch nicht ein­fach für den Sex mit ihm her­ge­ben, weil Sie ihn nicht mehr als Part­ner auf Au­gen­hö­he se­hen. Sa­gen Sie ihm des­halb klar und deut­lich, dass Sie ihn mö­gen, dass Sie aber kei­nen Sex mehr wol­len.

Doch was ma­chen Sie nun mit ihm? Zu­nächst ein­mal: Ver­teu­feln Sie sei­ne Lust nicht. Für ihn ist sein Ver­lan­gen in dem Mo­ment Rea­li­tät. Er hat in sei­nen ver­wirr­ten Mo­men­ten nicht mehr die Fä­hig­keit, dar­über nach­zu­den­ken. Sie kön­nen Ih­rem Mann zei­gen, dass Sie ihn mit sei­nen Be­dürf­nis­sen ernst neh­men. Doch bit­ten Sie ihn, dass er sich selbst be­frie­digt.

Sind Sie fit mit dem In­ter­net? Da gibt es je­de Men­ge Por­nos. Ach­ten Sie nur dar­auf, in kei­ne Sex­fal­le zu ge­ra­ten. Kos­ten­lo­se Por­nos fin­den Sie zum Bei­spiel auf www.xhams­ter­deutsch.biz oder auf www.youporn.de. Al­ter­na­tiv könn­ten Sie ihm auch ei­nen „Play­boy“oder ei­ne an­de­re Zeit­schrift mit Sex­sze­nen be­sor­gen. Auch wenn es Sie Über­win­dung kos­tet, so ist das si­cher ein­fa­cher für Sie, als sich als Sex­ob­jekt zur Ver­fü­gung zu stel­len.

Dar­über hin­aus brau­chen Sie selbst auch Hil­fe und Un­ter­stüt­zung. Ha­ben Sie die­se?

Und Ihr Mann braucht wie­der Zie­le in sei­nem Le­ben. Viel­leicht klam­mert er sich auch des­halb an den Sex, weil er sonst we­nig Zie­le hat. Be­schäf­ti­gung und An­re­gung sind wich­tig für De­menz­kran­ke, denn sie ver­schaf­fen ih­nen klei­ne Er­folgs­er­leb­nis­se. Und da­für ist es nie zu spät. •

Dr. Bea­trIce WaG­ner, 52 ie Paar- und Se­xu­althe­ra­peu­tin mit Pra­xis in Mün­chen be­ant­wor­tet gern Ih­re in­ti­men Fra­gen. Schrei­ben Sie ver­trau­ens­voll an: re­dak­ti­on-meins@bau­er­me­dia.com

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