Neu­an­fang Kers­tin, 53, ent­schied sich für den Traum­job

Kers­tin Till, 53, ha­dert lan­ge mit ih­rem Be­ruf. Bis sie be­schließt: Ich ma­che mein Abi nach! Und ih­ren (Be­rufs-) Traum ver­wirk­licht …

Meins - - Inhalt - VON VE­RE­NA SCHITNIG

Seit Jah­ren kom­men Mei­nungs­um­fra­gen zu ähn­li­chen Er­geb­nis­sen: Na­he­zu je­der zwei­te Deut­sche ist mit sei­ner Be­rufs­wahl un­zu­frie­den. Auch Kers­tin Till, 53, zähl­te da­zu. Und das trotz ih­rer gut be­zahl­ten Stel­le als Chef­se­kre­tä­rin in ei­nem gro­ßen Un­ter­neh­men – oder genau des­we­gen. Ihr Auf­ga­ben­feld füllt die­se en­er­gie­ge­la­de­ne Frau ein­fach nicht aus: „Ei­gent­lich war ich gern Se­kre­tä­rin. Bei mir lief al­les zu­sam­men, und ich wuss­te im­mer, was in der Fir­ma pas­sier­te“, er­zählt sie. „Aber ich tat al­les nur für den Chef, nie für mich selbst …“

Kers­tin fehlt die An­er­ken­nung – und es stört sie, dass sie kei­ne ei­ge­nen Pro­jek­te be­treu­en darf. Die­se Un­ter­for­de­rung lässt sie je­den Tag un­zu­frie­de­ner wer­den. „Ich wuss­te, ich woll­te mehr. Aber ich be­griff, dass ich ei­nen aka­de­mi­schen Ab­schluss brauch­te, um ei­ne hö­he­re Po­si­ti­on zu be­kom­men. Ich woll­te stu­die­ren, um et­was zu bewegen“, sagt sie. „Und wenn ich et­was möch­te, set­ze ich das um.“In der Tat: Heu­te ist Kers­tin Di­plom-Psy­cho­lo­gin und Coach in Ar­beits­fra­gen. Sie hat ihr Ziel ver­folgt – und sie hat es er­reicht.

„Ei­gent­lich woll­te ich schon früh stu­die­ren,

aber das war nicht selbst­ver­ständ­lich in der DDR“, er­zählt sie im Rück­blick auf ih­ren Be­rufs­ein­stieg als Bü­ro­kauf­frau in ei­ner Des­sau­er Bau­fir­ma. Als die Mau­er fällt, ist klar: „Ich will raus, in die BRD.“Im Fe­bru­ar 1990 über­sie­delt sie als al­lein- er­zie­hen­de Mut­ter mit ih­rem klei­nen Sohn nach War­burg bei Kas­sel. Sie möch­te ein neu­es Le­ben an­fan­gen. Der Klei­ne be­kommt ei­nen Ki­ta-Platz, und Kers­tin spricht beim Ar­beits­amt vor. „Es war nicht ein­fach für mich, ein­zu­stei­gen.“Ziel­ge­rich­tet be­sucht sie Wei­ter­bil­dungs­kur­se: „Ich woll­te mich fit ma­chen für die neue Ar­beits­welt.“

Es dau­ert nicht lan­ge, und Kers­tin fin­det ei­ne Stel­le in der Rech­nungs­ab­tei­lung – wie­der ei­ne Bau­fir­ma. Sie hält es nur we­ni­ge Wo­chen aus. „Die Kol­le­gen ha­ben mich ab­ge­lehnt …“Sie wech­selt in ein pri­va­tes Gar­ten­bau­un­ter­neh­men, bis sie 1996 als Di­rek­ti­ons­as­sis­ten­tin ei­nes IT-Un­ter­neh­mens nach Pa­der­born wech­selt. Hier be­wegt sich Kers­tin auf ganz neu­em Ter­rain, muss sich viel an­eig­nen, um gut zu sein. „Die­sen neu­en Her­aus­for­de­run­gen ha­be ich mich gern ge­stellt.“Sie schafft es, hat Er­folg und wird fes­tes Mit­glied im Team.

Auch die Lie­bess­ter­ne ste­hen gut, we­nig spä­ter hei­ra­tet sie. Lei­der wird aus dem jun­gen Ehe­paar schnell ei­ne Fern­be­zie­hung: Als ihr Mann be­ruf­lich an die Uni­ver­si­tät Hong­kong ge­schickt wird, bleibt Kers­tin ein Jahr al­lein in Deutsch­land. Dann trifft sie ei­ne

Hin­der­nis­se ha­ben mich im­mer nur stär­ker ge­macht

IN IH­REM ELE­MENT Im Coa­ching hat Kers­tin ih­re Be­ru­fung ge­fun­den (www.till-coa­ching.de)

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