Neu­an­fang Dag­mar, 55, fand ih­ren Traum­prin­zen

Lan­ge glaub­te Dag­mar Pöhl­mann, 55: „Den per­fek­ten Prin­zen gibt’s für mich wohl nicht.“Da hat sie sich aber ge­wal­tig ge­irrt …

Meins - - Inhalt - VON JU­LIA MEYERDIERCKS

Da steht er schon wie­der in sei­nem Vor­gar­ten und putzt sein Mo­ped. Die­se brei­ten Schul­tern, die­se wil­den Lo­cken – wie Andrea Bo­cel­li. Und dann die­ses Lä­cheln aus kris­tall­blau­en Au­gen. Rums! Dag­mars Herz pocht, ih­re Hän­de wer­den feucht, der Kopf leer. In ih­rem Bauch schwir­ren Tau­sen­de Schmet­ter­lin­ge wild im Kreis her­um. Was ist denn da los? Je­des Mal, wenn sie in Lan­zen­dorf mit ih­rem Rad an die­sem Mann aus ih­rer Nach­bar­schaft vor­bei­fährt, be­kommt sie plötz­lich wie aus dem Nichts so wei­che Knie. Über­wäl­tigt von den Ge­füh­len, er­wischt sie sich so­gar selbst da­bei, wie sie ein und den­sel­ben Weg im­mer und im­mer wie­der fährt … „Ich fühl­te mich wie ein klei­nes, ver­lieb­tes Mäd­chen. Ich ha­be die­sen Mann ein­fach nicht mehr aus dem Kopf be­kom­men und war selbst er­schro­cken, was in mir vor­ging …“

Sie war ge­blie­ben, oh­ne wirk­lich glück­lich zu sein.

Seit 13 Jah­ren lebt Dag­mar in ei­ner fes­ten Be­zie­hung, zu­sam­men hat­ten sie sich ei­ne klei­ne, ge­müt­li­che Woh­nung in ih­rem schnu­cke­li­gen 1300-Ein­woh­nerÖrt­chen ein­ge­rich­tet. Dag­mar hat ei­ne er­wach­se­ne Toch­ter und ei­nen Job als Au­ßen­dienst­mit­ar­bei­te­rin. Sie liebt ih­ren Be­ruf, ist viel un­ter­wegs.

Am Wo­che­n­en­de er­holt sie sich beim Mo­tor­rad­fah­ren im Fich­tel­ge­bir­ge oder trifft sich mit Freun­den – al­lein, weil ih­re In­ter­es­sen und die ih­res Part­ners nicht auf ei­nen Nen­ner zu brin­gen sind. „Ich war ei­gent­lich im­mer oh­ne mei­nen Freund un­ter­wegs.

Wir hat­ten kaum Ge­mein­sam­kei­ten. Hei­ra­ten? Hoch­zeit? Das war nie ein The­ma. Es war nur noch Ge­wohn­heit.“

Die­ser Kum­mer ruht un­ge­ach­tet in Dag­mar, die Er­kennt­nis bringt erst ein ma­gi­scher Mo­ment: Bei ei­ner Ge­burts­tags­fei­er im Herbst 2014 lernt sie den ker­ni­gen Ty­pen aus dem Vor­gar­ten end­lich ken­nen. „Als ich Ste­fan sah, war mir heiß und kalt. Wir ha­ben den gan­zen Abend ge­re­det und uns seit­dem nicht mehr aus den Au­gen ge­las­sen.“Dag­mar weiß in­stink­tiv: Sie will ih­re Ge­füh­le nicht län­ger ver­drän­gen. Sie be­en­det ih­re Be­zie­hung und zieht aus der ge­mein­sa­men Woh­nung aus – zu­nächst zu ei­ner Freun­din. „Ich wuss­te ja gar nicht, ob es Ste­fan auch so ging wie mir. Aber ich wuss­te si­cher, dass ich nicht län­ger in ei­ner Be­zie­hung ver­har­ren woll­te, die mich nicht glück­lich macht. Dann lie­ber Sing­le sein …“

in un­se­rem al­ter weiß man ein­fach, was man will!

Sing­le bleibt Dag­mar al­ler­dings nicht lan­ge. Denn Ste­fan geht es ähn­lich. Er ist völ­lig hin­ge­ris­sen von der quir­li­gen Frau, die aus­sieht wie Schnee­witt­chen: schwar­ze Haa­re, blaue Au­gen und so sinn­lich ro­te Lip­pen. Der Pro­duk­ti­ons­lei­ter – der ei­gent­lich die Ru­he in Per­son ist – wird to­tal ner­vös. Nach ei­ner ge­schei­ter­ten Ehe und so ei­ni­gen Fehl­be­zie­hun­gen weiß er: Dag­mar ist die ei­ne. „Es pass­te ein­fach al­les zwi­schen uns. Wir lie­ben die Na­tur, bewegen uns gern, mö­gen gu­tes Es­sen. Und was mir am meis­ten ge­fiel: Dag­mar moch­te mich – genau so, wie ich bin!“

Die lie­be kommt, wenn man nicht auf sie war­tet.

Die bei­den tref­fen sich im­mer häu­fi­ger. Sie ge­hen auf ein Gläs­chen Wein mit Freun­den aus, fah­ren mit dem Mo­tor­rad in die Ber­ge, wer­keln zu­sam­men im Gar­ten. Dann die­ser denk­wür­di­ge Abend: Sie ge­hen zu­sam­men ins Thea­ter – und küs­sen sich zum ers­ten Mal. In die­sem Au­gen­blick wird bei­den klar: Wir sind ein Herz und ei­ne See­le!

Ein ge­mein­sa­mer Ur­laub an der Nord­see be­stä­tigt die Hoff­nung der bei­den, den ei­nen Le­bens­men­schen ge­fun­den zu ha­ben. „Un­se­re Zeit an der See war so traum­haft. Wir hat­ten je­den Tag Spaß, kein ein­zi­ges Mal gab es Knatsch. Es war genau so, wie ich mir ei­ne Be­zie­hung im­mer ge­wünscht hat­te“, strahlt Dag­mar. Un­fass­bar ei­gent­lich, dass ihr Traum­prinz nur ein paar Häu­ser wei­ter wohn­te! War­um? Das hat sich Dag­mar oft ge­fragt. So vie­le Jah­re war die Lie­be di­rekt vor ih­ren Au­gen. „Das Le­ben hat halt sei­ne ei­ge­nen Spiel­re­geln. Es nützt ja nichts, sich dar­über zu är­gern. Lie­ber nut­zen wir jetzt je­den Tag, den wir zu­sam­men sind.“

Dag­mar zieht zu Ste­fan in die klei­ne Dop­pel­haus­hälf­te am Fluss. Bei ei­nem Ur­laub in Salz­burg hält er ganz ro­man­tisch mit Cham­pa­gner in der Kut­sche um Dag­mars Hand an. Ihr „Ja“kommt un­ter Trä­nen.

Im Mai hei­ra­ten die bei­den stan­des­amt­lich an der Nord­see. Die kirch­li­che Trau­ung in der ba­ro­cken Dorf­kir­che St. Gal­lus Kirche folgt im Mit­tel­al­terLook. „Ich hät­te nie ge­dacht, dass ich in mei­nem Le­ben doch noch hei­ra­te!“, lacht Dag­mar: „Aber wenn der Rich­ti­ge da ist, fühlt es sich plötz­lich ganz selbst­ver­ständ­lich an. Mit nie­mand an­de­rem an mei­ner Sei­te möch­te ich zu­sam­men alt wer­den.“

Dass ih­re Lie­be auch im All­tag be­ste­hen bleibt, da­von sind die bei­den über­zeugt. „Wir ha­ben im­mer et­was mit­ein­an­der zu re­den, und uns ge­hen die Ide­en nicht aus. Lang­wei­lig wird es uns al­so si­cher nicht mit­ein­an­der. Ich bin so froh, dass ich nach all den Jah­ren end­lich auf mein Herz ge­hört ha­be. Erst da­durch wur­de der Platz für den Rich­ti­gen frei.“Und den hält Dag­mar jetzt ganz doll fest … •

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