Wenn ich den Schnee-En­gel ma­che, bin ich Wie­der Kind

Meins - - Mein Leben -

Fwen­nür mich ist je­des Mal ein Er­leb­nis, wenn der Schnee lei­se vom Him­mel rie­selt. Das hellt schon am frü­hen Mor­gen mei­ne Lau­ne auf,

ich aus dem Fens­ter auf die ver­schnei­ten Häu­ser, Bäu­me und Blu­men schaue. Ich kann stun­den­lang am Fens­ter sit­zen und zu­schau­en, wie die rie­si­gen Flo­cken zur Er­de se­geln. Und füh­le mich dann gleich­zei­tig so ge­bor­gen wie als Kind, wenn ich in der Kü­che mei­ner Oma saß, mit ei­nem war­men Ka­kao und ei­ner Stul­le, und in die wei­ße Welt hin­aus­guck­te. Der Schnee lag oft so hoch in un­se­rem Gar­ten, dass wir Kin­der fast dar­in ver­san­ken. In un­se­rem ers­ten Häu­schen hat­ten wir Eis­blu­men am Fens­ter, was un­se­re El­tern we­ni­ger an­ge­nehm fan­den. Aber für mich ha­ben die bis heu­te ei­nen Mär­chen­zau­ber wie auch Eis­zap­fen. Al­ler­dings gu­cke ich mir den Schnee heu­te lie­ber durchs Fens­ter an. Ich mag den Win­ter vor al­lem we­gen

der Be­hag­lich­keit. Du sitzt drin­nen, es ist mu­cke­lig warm, und du fühlst dich gut auf­ge­ho­ben. Kannst stri­cken, le­sen oder Freun­de be­ko­chen. Dann neh­me ich mit je­der Fa­ser wahr, wie wun­der­bar es ist, ein war­mes Zu­hau­se zu ha­ben. Aber: Win­ter hat auch sei­ne Schat­ten­sei­ten. Zum Bei­spiel Schnee­fe­gen. Wenn es rich­tig di­cke kommt, ho­len wir uns je­man­den, der das er­le­digt. Aber sonst fe­gen mein Mann und

ich selbst. Und weil wir ein Eck­grund­stück ha­ben, ist das Ar­beit. Am schlimms­ten dar­an fin­de ich al­ler­dings, dass man in al­ler Frü­he in die Käl­te muss – ich bin ei­ne Lang­schlä­fe­rin und kann mir das ja auch leis­ten, seit wir bei­de nicht mehr ar­bei­ten. Mein Mann, pas­sio­nier­ter Früh­auf­ste­her, macht sich sein Früh­stück selbst. Und wenn ich dann mor­gens frie­rend in der Käl­te ste­he, bin ich schon am Flu­chen. Aa­a­ber: Wenn mei­ne En­kel­kin­der zu Be­such sind, hält mich nichts mehr

im Haus. Egal ob Som­mer oder Win­ter, ob es reg­net oder schneit. Ich bin nicht die Oma, die bas­telt, malt oder Le­go baut. Ich bin mit den Klei­nen gern drau­ßen un­ter­wegs. Und das brau­chen sie ja auch, Na­tur er­le­ben und auch mal klei­ne Aben­teu­er be­ste­hen. Im Som­mer ge­he ich mit ih­nen wan­dern, im Win­ter bau­en wir dann ei­ne Schnee­mann-Fa­mi­lie, die mit Hü­ten, Ta­schen und al­lem Mög­li­chen aus­staf­fiert wird. Und letz­tes Jahr ha­be ich ih­nen ge­zeigt, wie man ein Ig­lo baut. Das hat Rie­sen­spaß ge­macht, ist aber auch ei­ne gro­ße Ver­ant­wor­tung, denn da kann schnell was ein­stür­zen, wenn man’s nicht rich­tig macht. Mein Schöns­tes ist, mit ih­nen Schnee-En­gel zu ma­chen. Wenn ich dann da auf der wei­ßen Wol­ke lie­ge und in den Him­mel schaue, füh­le ich mich selbst wie­der wie sie­ben. An­ne­ma­rie, 72

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