Frau­en wie wir

Hei­ke Rei­mer, 52, liebt die Ad­vents­zeit über al­les! Aber nicht nur des­halb strahlt ihr Zu­hau­se al­le Jah­re im Lich­ter­glanz …

Meins - - Inhalt - VON LEO­NIE PESCHKE

Hei­ke, 52, ist ei­ne lei­den­schaft­li­che Weih­nach­te­rin

Da hät­te der Weih­nachts­mann sei­ne hel­le Freu­de: Über­all bei Fa­mi­lie Rei­mer strahlt und fun­kelt es! Gleich vorn am Gar­ten­tor be­grüßt uns ei­ne La­ter­ne mit bun­tem Schnee­ge­stö­ber und al­len be­kann­ten Weih­nachts­lie­dern in Dau­er­schlei­fe. Auf dem Ra­sen tum­meln sich Weih­nachts- und Schnee­män­ner, Eis­bä­ren und Ren­tie­re.

Es ist Ad­vent – und wie je­des Jahr fühlt man sich bei Rei­mers wie mit­ten im Weih­nachts­mär­chen. Auch drin­nen glit­zert, blinkt und leuch­tet es. Schon im Flur win­ken uns Ni­ko­läu­se von der Trep­pe zu, Schlit­ten, Ker­zen und bestick­te De­cken schmü­cken die Fens­ter­bän­ke und Si­de­boards im Wohn­zim­mer.

Mit­ten­drin steht Hei­ke Rei­mer. Die 52-Jäh­ri­ge ist Weih­nachts­frau aus Lei­den­schaft! „Das liegt mir in den Ge­nen“, er­zählt sie la­chend. Hei­ke wuchs in ei­ner Groß­fa­mi­lie auf, mit sie­ben Ge­schwis­tern, und es wur­de im­mer aus­gie­big das hei­li­ge Fest ge­fei­ert. Ge­mein­sa­mes Es­sen, gro­ßer Tan­nen­baum, Schmuck und De­ko, so viel das Herz be­gehrt. „Den An­fang mach­ten ein klei­ner Schnee­mann und ein Ni­ko­laus. Und dann ist das nach und nach im­mer mehr ge­wor­den!“, er­in­nert sich Hei­ke.

Als die Main­ze­rin das Haus ih­rer El­tern über­nimmt, ist klar, dass sie auch die Fa­mi­li­en­tra­di­ti­on fort­füh­ren wird: Weih­nach­ten soll ein un­ver­gess­li­ches, rau­schen­des Fest wer­den. An dem gro­ßen Tisch im Wohn­zim­mer tref­fen sich Hei­lig­abend zwi­schen 20 und 25 Fa­mi­li­en­mit­glie­der. Dann gibt’s tra­di­tio­nell Kar­tof­fel­sa­lat und Würst­chen. Und Mick und Jag­ger, die bei­den Hun­de der Fa­mi­lie, sind mit von der Par­tie.

So hät­te die Ma­ma sich das Fest ge­wünscht.

Je­des Jahr Mit­te No­vem­ber nimmt sich Hei­ke ei­ne Wo­che frei, um Haus und Gar­ten zu schmü­cken. „Das ist mein Ur­laub. Da muss ich nicht in die Son­ne fah­ren“, sagt sie. Ei­ne Men­ge Ar­beit kommt dann auf sie zu, aber sie weiß, dass sie sich auf die Un­ter­stüt­zung ih­rer gan­zen Fa­mi­lie ver­las­sen kann. Je­der hat sei­nen Part, je­der weiß, was er zu tun hat. Das Weih­nachts­wun­der­land auf­zu­bau­en ist fes­tes Ri­tu­al und schweißt al­le ein­mal mehr zu­sam­men.

Die Zeit und die Ar­beit in­ves­tiert die Fach­ar­bei­te­rin gern, denn es er­in­nert sie an ih­re Kind­heit in der Groß­fa­mi­lie und die ge­lieb­ten El­tern. Auch de­nen war das Fest der Lie­be wich­tig. Schon 1967 fin­gen sie an, De­ko zu sam­meln. Hei­kes Mut­ter zog die Fä­den, or­ga­ni-

Das ist mein UR laub! Ich muss nicht in die Son­ne!

sier­te und hielt al­les zu­sam­men. Bis sie schwer krank wur­de. „Aber wenn die Ad­vents­zeit be­gann, war sie im­mer da­bei und hat auch ge­hol­fen“, sagt Hei­ke. Als ih­re Mut­ter dann vor et­wa an­dert­halb Jah­ren starb, brach für Hei­ke ei­ne klei­ne Welt zu­sam­men. Ei­ne gan­ze Wei­le über­leg­te die Fa­mi­lie, ob sie Haus und Hof über­haupt wie­der schmü­cken woll­te. „Am En­de ent­schie­den wir uns dann doch da­für, denn die Ma­ma hät­te es so ge­wollt.“

Aus je­dem Win­kel der Er­de kom­men Ren­tie­re, Eis­bä­ren und Weih­nachts­män­ner.

In den letz­ten Jahr­zehn­ten ha­ben sich rund tau­send De­ko­ar­ti­kel im Hau­se Rei­mer an­ge­sam­melt. Und geht mal je­mand aus der Fa­mi­lie auf Rei­sen, bringt er et­was mit. Da ste­hen Ren­tie­re aus Me­xi­ko ne­ben Schnee­män­nern aus den USA. „Je­des Teil hat für mich ei­nen be­son­de­ren Wert“, sagt Hei­ke. Ihr Lieb­ling ist ein klei­ner Ted­dy mit Gei­ge, der Weih­nachts­mu­sik spielt.

In Ge­den­ken an die Ma­ma, an die glück­li­che Ge­bor­gen­heit ih­rer Kin­der­ta­ge in der Groß­fa­mi­lie, in­ves­tiert sie ein­mal mehr Lie­be und Mü­he ins Weih­nachts­fest. Toch­ter Sa­b­ri­na zieht mit. Für Hei­ke ist es ei­ne ei­ge­ne Art, ih­re Trau­er zu be­wäl­ti­gen. Wenn sie an ih­re Ma­ma denkt, flie­ßen oft Trä­nen – nicht nur zur Weih­nachts­zeit. Dann trös­tet der Ge­dan­ke: „Im Her­zen ist die Ma­ma im­mer da­bei.“•

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