Träum­er­le

Wie wir im Schlaf ge­sund wer­den

Meins - - Inhalt - VON VE­RA BAJIC

Wir fliiie­gen durch die Lüf­te, tref­fen uns mit un­se­rem Lieb­lings­star auf ei­nen Drink oder müs­sen zum x-ten Mal ei­ne längst be­stan­de­ne Prü­fung wie­der­ho­len – ja, in un­se­rem pri­va­ten Nacht­pro­gramm ist al­les mög­lich. Ob sü­ße, ero­ti­sche oder Alb­träu­me – un­ser Kopf­ki­no regt an oder eben auf. Da ist es doch span­nend zu wis­sen, dass wir bis zu un­se­rem 70. Ge­burts­tag rund sechs Jah­re ver­träumt und et­wa 150 000 Spät­vor­stel­lun­gen ge­se­hen ha­ben. Aber nüt­zen sie uns über­haupt? Oder ist das nächt­li­che En­ter­tain­ment nichts wei­ter als ein Hirn­ge­spinst?

Traum­rei­sen sind kein sinn­lo­ses Ner­ven­ge­wit­ter im Kopf, sa­gen Hirn­for­scher. Im­mer mehr Un­ter­su­chun­gen zei­gen, dass sie der Schlüs­sel sind für un­ser see­li­sches und kör­per­li­ches Wohl­be­fin­den. Klar weckt das un­se­re Neu­gier: war­um die Ge­schich­ten der Nacht uns so­gar Stress vom Hals hal­ten, neue Ener­gi­en we­cken und für ei­ne bes­se­re Fit­ness sor­gen.

Der Sor­gen-adeKa­nal der Nacht

Nicht Zeit – in Wirk­lich­keit heilt un­ser Schlaf al­le Wun­den. Denn brin­gen uns der Part­ner, die Kol­le­gin oder die Nach­ba­rin auf die Pal­me, soll­ten wir erst ein­mal ei­ne Nacht drü­ber schla­fen. Bis zum nächs­ten Mor­gen ha­ben sich un­se­re Ner­ven be­ru­higt und die Är­ger­nis­se an Dra­ma­tik ver­lo­ren. War­um? In 95 Pro­zent al­ler Fäl­le bau­en wir Stress, Angst und Auf­re­gung in der REM-Pha­se ab – al­so in dem Schlaf­sta­di­um, in dem wir am in­ten­sivs­ten träu­men. Die­se ÜberNacht-The­ra­pie wirkt ei­ner Stu­die zu­fol­ge wie ein Schmerz­mit­tel für un­se­re Ge­fühls­welt: Träu­me un­ter­drü­cken die Aus­schüt­tung von Stress­hor­mo­nen, tau­chen be­las­ten­de Er­in­ne­run­gen in ein mil­des Licht – ei­ne Art „Al­les halb so schlimm“-Stra­te­gie. Wir ord­nen un­er­freu­li­che Er­leb­nis­se neu ein und schwä­chen sie ab. Gut so, da­mit sa­gen wir un­nö­ti­gen Sor­gen Adi­os!

Ener­gie­boos­ter

Das klei­ne Nacht­pro­gramm ge­hört zu je­dem ge­sun­den Schlaf, auch wenn wir uns am nächs­ten Mor­gen nicht mehr dar­an er­in­nern kön­nen. Fest steht näm­lich: Ist un­se­re Traum­pha­se ge­stört oder ver­kürzt, füh­len wir uns mü­de, er­schöpft, ge­reizt oder mit­un­ter so­gar ag­gres­siv. Um­ge­kehrt sind un­se­re Träu­me die er­schwing­lichs­te Well­ness-Kur der Welt. Wäh­rend wir schla­fen, ent­spannt sich un­se­re Mus­ku­la­tur und wird im

Traum­schlaf bis auf null her­ab­ge­setzt. Das wirkt wie Yo­ga von in­nen – und mo­bi­li­siert neue Kräf­te für den Tag!

De­tox für un­ser Ge­hirn

Al­les schläft, ei­ner wacht: Wäh­rend wir nach dem Zu­bett­ge­hen in Ru­he ins Land der Träu­me glei­ten, er­hält un­ser Ge­hirn ei­ne ge­hö­ri­ge Kopf­wä­sche. Denn un­se­re nächt­li­chen Rei­sen sind ein wich­ti­ges Rei­ni­gungs­pro­gramm für un­ser Ober­stüb­chen, so Hirn­for­scher. Was vorm Ein­schla­fen un­be­ar­bei­tet lie­gen bleibt, wird nachts fein­säu­ber­lich auf­ge­räumt. Je nach Wich­tig­keit ge­langt Er­leb­tes ent­we­der in un­ser Lang­zeit­ge­dächt­nis – oder wird ent­rüm­pelt. Hat die­ses Sor­tie­ren über Nacht gut funk­tio­niert, wa­chen wir gut ge­launt auf und ma­chen den sprich­wört­lich auf­ge­räum­ten Ein­druck. Und weil wir ei­nen kla­ren Kopf ha­ben, meis­tern wir spie­lend die Her­aus­for­de­run­gen des All­tags!

Träu­men und trai­nie­ren

Eins, zwei, tap – die Tanz­schrit­te aus un­se­rem Swing-, Tan­go- oder Sal­saKurs ler­nen wir deut­lich schnel­ler, wenn wir in den Näch­ten nach un­se­ren Übungs­stun­den viel und lan­ge träu­men. Vor al­lem un­ge­wohn­te Be­we­gungs­ab­läu­fe wie kom­pli­zier­te Schritt­fol­gen, aber auch Mu­sik­stü­cke kön­nen wir in un­se­rem Nacht­ki­no ver­fes­ti­gen. Die neu­en In­for­ma­tio­nen prä­gen sich fast wie von selbst in un­ser Ge­dächt­nis ein – und wir sind top vor­be­rei­tet für un­se­re nächs­te Tanz- oder Kla­vier­stun­de. Doch um über­haupt ins Reich der Träu­me ab­tau­chen zu kön­nen, müs­sen wir in un­ser so­ge­nann­tes Schlaf-Fens­ter schlüp­fen, das sich nachts al­le 90 Mi­nu­ten öff­net. Das ist die Pha­se, in der wir be­son­ders gut ein­schla­fen kön­nen. Für die meis­ten von uns liegt die bes­te Zeit zwi­schen 22 Uhr und 23.30 Uhr. Un­ser Kör­per schickt uns recht­zei­tig Si­gna­le, die uns dar­auf hin­wei­sen, dass er sich nach Ru­he sehnt – häu­fi­ges Gäh­nen und schwe­re Li­der spre­chen ei­ne deut­li­che Spra­che – zei­gen, dass wir zu Bett ge­hen soll­ten. Nach Mög­lich­keit in den fol­gen­den 20 Mi­nu­ten. Denn: Ver­pas­sen wir un­ser Schlaf-Fens­ter, rut­schen wir in die nächs­te Wach­pha­se hin­ein und müs­sen war­ten, bis sich er­neut ein Fens­ter auf­tut – 90 Mi­nu­ten spä­ter.

aha-Er­leb­nis beim Sand­mann

Den gan­zen Tag grü­beln wir über ein Pro­blem, und dann – hach! – fällt uns die Lö­sung aus­ge­rech­net im Traum ein. Su­per­star Paul McCart­ney kom­po­nier­te sei­nen Beat­les-Welt­hit „Yes­ter­day“prak­tisch im Schlaf. Doch egal, ob ein be­ruf­li­ches, pri­va­tes oder krea­ti­ves Pro­blem uns be­schäf­tigt: Um ei­ner Lö­sung nä­her zu kom­men, müs­sen wir ei­ne neue Sicht auf die Sa­che ge­win­nen. Und das heißt ja nichts an­de­res, als dass sich un­ser Ge­dächt­nis um­struk­tu­riert und neue Ver­knüp­fun­gen an­ge­legt wer­den. Ge­nau das pas­siert im Traum – die Bot­schaf­ten der Nacht er­öff­nen uns ganz neue Ho­ri­zon­te … •

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