Was uns be­wegt

Ab­schied von Mi­chel­le Oba­ma

Meins - - Inhalt - VON ANDRE­AS JUHN­KE

Sor­ry, Mr. Pre­si­dent“, ent­schul­digt sich Paul McCart­ney, 74, bei Ba­rack Oba­ma, 55, der im Wei­ßen Haus dem Kon­zert des Mu­si­kers lauscht. Dann strahlt er Mi­chel­le Oba­ma, 52, an, die ne­ben ih­rem Mann sitzt, und stimmt aus vol­lem Her­zen ein al­tes Lied an: „Mi­chel­le, ma bel­le …“

Hät­te McCart­ney das Lied über die schö­ne Mi­chel­le nicht be­reits Mit­te der 60er-Jah­re ge­schrie­ben, jetzt wä­re der per­fek­te Mo­ment da­für. Die Frau des US-Prä­si­den­ten hat seit acht Jah­ren die Welt et­was hel­ler ge­macht.

Sie hat das Wei­ße Haus für die Bür­ger ge­öff­net. „Die Leu­te soll­ten füh­len, dass das auch ihr Zu­hau­se ist!“So schlie­fen Pfad­fin­der in Zel­ten auf dem Ra­sen. Sie geht auf die Men­schen zu, nimmt sie in den Arm, „wenn ich sie be­rüh­re, sind sie nicht mehr so auf­ge­regt“. Sie trägt am liebs­ten jun­ge US-De­si­gner wie Ja­son Wu und raubt mit ih­ren Ro­ben uns al­len den Atem. Man sieht sie aber auch ver­schwitzt mit Spa­ten im Gar­ten, wo dank ihr mitt­ler­wei­le Ge­mü­se an­ge­baut wird.

Im­mer zeigt sie Stil, Her­zens­wär­me und Le­bens­freu­de, wie es sie in die­ser Kom­bi im Wei­ßen Haus noch nie ge­ge­ben hat. Noch da­zu ist sie ei­ne Ehe­frau und Part­ne­rin, von der so man­cher Ken­ne­dy nur träu­men kann: klug, en­ga­giert, en­er­gie­ge­la­den und ver­läss­lich. Ganz nah dran an ih­rem Mann. Im­mer wenn wir die­ses Paar an­se­hen, sind wir fast ein biss­chen nei­disch. Auf das Glück, das sie aus­strah­len. Aber ihr An­blick be­stärkt auch ei­nen ur­al­ten Glau­ben, den wir oft ver­ges­sen, wenn un­se­re Lie­be müh­sam ist oder so­gar schei­tert: Das größ­te Ge­fühl der Welt gibt es wirk­lich. Wir se­hen es in je­der Ges­te die­ses Paa­res, in je­dem Blick. Wir ah­nen: Ir­gend­wo war­tet sie auch auf uns, egal, wie alt, krumm oder ent­täuscht wir sind. Und macht uns zu bes­se­ren Men­schen. Wer ei­ne Lie­be hat, wird dar­an er­in­nert, sie zu pfle­gen und zu ge­nie­ßen.

Mi­chel­le wuchs in ein­fa­chen Ver­hält­nis­sen auf. Ihr Va­ter litt an mul­ti­pler Sk­le­ro­se und starb 1991 an den Fol­gen. Vor al­lem für ihn streng­te sie sich an, um et­was aus ih­rem Le­ben zu ma­chen. Sie war jun­ge An­wäl­tin, Ba­rack Prak­ti­kant, als sie sich 1989 in ei­ner Kanz­lei ken­nen­lern­ten. Die ers­ten Bit­ten des Ein­ser-Ju­ris­ten um ein Date lehn­te Mi­chel­le ab. Sie war ei­ne ernst­haf­te jun­ge Frau, die sich auf ih­re Kar­rie­re kon­zen­trier­te, die nach ih­rem Ab­schluss der Har­vard Law School ge­ra­de be­gon­nen hat­te. Und sie ge­noss es si­cher, den Mann mit dem gro­ßen Lä­cheln ein biss­chen zap­peln zu las­sen …

ihr le­ben als First la­dy hat sie mehr ge­nos­sen, als sie vor­her ge­glaubt hät­te.

Bis da­hin war Ba­rack ge­pen­delt. Zwi­schen Chi­ca­go, wo sie mit den Kin­dern leb­te, und sei­nen po­li­ti­schen Sta­tio­nen. „Die Zeit in Wa­shing­ton hat uns en­ger zu­sam­men­ge­bracht“, er­zählt Mi­chel­le. Eng bei­ein­an­der sit­zend ga­ben sie der US-Zeit­schrift „Peop­le“ge­ra­de ein

In­ter­view. Er läs­sig-lie­be­voll mit der Hand auf ih­rem Knie. Kin­der durf­ten Fra­gen ein­rei­chen. „Wer er­zählt die meis­ten Wit­ze?“, will ein Jun­ge wis­sen. „Er, aber sie sind schlecht“, ant­wor­tet sie. „Sie ist ko­mi­scher, weil sie sich über mich lus­tig ma­chen kann, was ich um­ge­kehrt nicht tun darf“, er­zählt er. „Sie sagt, mei­ne Oh­ren sei­en so groß.“„Sie sind sehr groß“, spot­tet sie in die Ka­me­ra. „Mein Haar sei so grau.“„Es ist weiß!“, be­kräf­tigt sie. „Und ich re­de zu lang­sam.“„Oh, mein Gott, er ist sooo lang­sam!“, strahlt sie ihn an.

Lie­be Mi­chel­le Oba­ma, wir wer­den dich sehr ver­mis­sen. Aber wer weiß? Viel­leicht se­hen wir dich ja noch mal wie­der … Viel­leicht ja in ei­nem sehr

die Wenn ich Men­schen be­Rüh­Re, neh­me die ich ih­nen Auf­Re­gung

ist sie nicht

toll? Scheint die­ser Blick zu sa­gen. Hin­rei­ßend, wie be­wun­dernd Ba­rack Oba­ma sei­ne Frau an­schaut

en­ga­giert Mit El­mo (l.) und Ro­si­ta aus der „Se­sam­stra­ße“kämpft sie da­für, dass die Kin­der sich ge­sün­der er­näh­ren

kom­pe­tent Die An­wäl­tin war nie nur die First La­dy, die mit dem Da­men-Pro­gramm hap­py war. Son­dern den Staats-Chefs aus der gan­zen Welt – wie hier An­ge­la Mer­kel, 62 – im­mer ei­ne eben­bür­ti­ge Ge­sprächs­part­ne­rin.

Vol­ler wär­me Mi­chel­le um­armt die Mut­ter ei­nes US-Sol­da­ten, der im Viet­nam­krieg fiel und post­hum ei­nen Or­den be­kam

en­er­gie­ge­la­den „Be­wegt euch!“heißt ei­ne Ak­ti­on, die Mi­chel­le un­ter­stützt

em­pa­thisch In Kam­bo­dscha lan­cier­te Mi­chel­le ih­re Kam­pa­gne „Lasst Mäd­chen ler­nen“, wie im­mer vol­ler Herz­lich­keit

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