Das Än­dern le­ben

Mit 50+ noch mal durch­star­ten, Neu­es wa­gen, sich ver­än­dern? Mo­ti­va­tions-Coach Ga­b­rie­le Vincke ver­rät ih­re bes­ten Tricks

Meins - - Inhalt - VON JA­RA TIE­DE­MANN UND ALEXANDER EMUNDS

Wie wir mit 50+ rich­tig neu durch­star­ten

Fit­ter wer­den, mit dem Rau­chen auf­hö­ren, sich end­lich trau­en, al­lein zu ver­rei­sen, oder sich be­ruf­lich noch mal ganz neu ori­en­tie­ren? In je­dem von uns schlum­mern klei­ne und gro­ße Wün­sche, die sich ge­ra­de mit 50+ im­mer lau­ter mel­den. Aber: Sie wirk­lich um­zu­set­zen ist oft gar nicht so leicht, oft steht uns der in­ne­re Schwei­ne­hund im Weg, oder es fehlt uns schlicht­weg der Mut. Mo­ti­va­ti­ons­coach Ga­b­rie­le

Vincke er­klärt, was uns so oft ins Strau­cheln bringt, und gibt Tipps, wie wir un­se­re Träu­me ver­wirk­li­chen.

Wo­her kommt mit 50+ die Lust auf Ve­rän­de­rung?

Wir sind an ei­nem Punkt, an dem wir schon viel er­reicht und er­lebt ha­ben. Ei­ni­ges aber eben noch nicht. Doch jetzt, wo die Kin­der aus dem Haus sind und die Ren­te ruft, kön­nen wir all das nach­ho­len, was bis­her auf der Stre­cke ge­blie­ben ist. Ge­nug Ener­gie ha­ben wir, denn: Mit 50+ sind wir heu­te fit­ter denn je. Wir wol­len was be­we­gen. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Was hin­dert uns trotz­dem oft dar­an?

Un­ser man­geln­des Selbst­wert­ge­fühl. Al­lein bis zum 18. Le­bens­jahr hö­ren wir ca. 150 000-mal Sät­ze wie: „Das schaffst du nicht!“Zu­sätz­lich kom­men Freun­de, Ver­wand­te oder Kol­le­gen hin­zu, die uns von Din­gen ab­ra­ten, und auch die Ge­sell­schaft sug­ge­riert uns gern mal, dass wir nicht gut ge­nug sind, wie wir sind – vor al­lem äu­ßer­lich. Das zehrt na­tür­lich am Selbst­be­wusst­sein und führt – vor al­lem bei uns Frau­en – da­zu, dass wir un­si­cher wer­den und uns der Mut ge­nom­men wird. Wir glau­ben zu we­nig an uns.

Was hilft da­ge­gen?

Es gibt ganz ein­fa­che Mo­ti­va­ti­ons­übun­gen, die ei­nen gro­ßen Ef­fekt ha­ben. Ei­nes mei­ner liebs­ten Mor­gen­ri­tua­le ist zum Bei­spiel, mich nach dem Auf­ste­hen vor den Spie­gel zu stell­len und mir fünf­mal zu sa­gen: Heu­te wird ein tol­ler Tag, und ich schaf­fe, was ich mir vor­ge­nom­men ha­be. Genau­so hilft es dem Selbst­be­wusst­sein, das ei­ge­ne Spie­gel­bild an­zu­se­hen, es an­zu­strah­len und sich zu sa­gen: Was bin ich doch für ein schö­ner Mensch! Klingt im ers­ten Mo­ment ko­misch, wirkt aber wah­re Wun­der!

Wie set­zen wir uns Zie­le, die wir er­rei­chen kön­nen?

Für al­les, was wir uns vor­neh­men, gilt die Re­gel: Das Ziel muss Sinn ma­chen, er­stre­bens­wert und er­reich­bar sein. Trifft ei­ner der Punk­te nicht zu, wer­den wir mit ho­her Wahr­schein­lich­keit schnell auf­ge­ben. Wich­tig ist auch, dass wir uns rea­lis­ti­sche Zie­le set­zen. Zehn Ki­lo in ei­nem Mo­nat ab­zu­neh-

men wird wohl et­was schwie­rig. Wie wä­re es statt­des­sen mit 500 Gramm pro Wo­che? Nur so er­le­ben wir zwi­schen­durch Er­folgs­er­leb­nis­se. Die sind wich­tig, um am Ball zu blei­ben. Au­ßer­dem ist es sinn­voll, sich an­fangs zu fra­gen: Was möch­te ich er­rei­chen oder ver­än­dern und wie­so möch­te ich es? Und zwar Kopf, Bauch und Kör­per. Den Kopf müs­sen wir fra­gen: Ist das, was ich ver­än­dern will, wich­tig für mich? Den Bauch fra­gen wir: Tut es mir gut und macht es mir Spaß? Und den Kör­per: Bin ich da­zu in der La­ge, ha­be ich die Fä­hig­keit da­zu? Lau­ten die Ant­wor­ten ja, dann nichts wie los! Lau­ten sie nein, dann soll­ten wir un­ser Vor­ha­ben viel­leicht noch mal über­den­ken.

Manch­mal den­ken wir über gro­ße Ve­rän­de­run­gen wie tren­nung oder ei­nen Job­wech­sel nach …

Es ist zwar ei­ne al­te Me­tho­de, aber Lis­ten hel­fen, ei­nen Über­blick dar­über zu be­kom­men, was wir wol­len. Spie­len wir mit dem Ge­dan­ken, uns vom Part­ner oder jet­zi­gen Ar­beit­ge­ber zu tren­nen, hilft ei­ne Pro-und-Kon­tra-Lis­te (wie bei Bar­ba­ra, s. oben). Was stört uns, was schät­zen wir? Über­wiegt die ne­ga­ti­ve Sei­te, ist das ein schlech­tes Zei­chen. Ei­ne zwei­te Me­tho­de ist die Ana­lo­gie des Wor­tes. Da­bei schrei­ben wir den Na­men des Part­ners oder auch der Fir­ma auf und schrei­ben zu je­dem Buch­sta­ben das Wort, das uns als Ers­tes in den Sinn kommt. Fal­len uns zum Bei­spiel zu Uwe nur ne­ga­ti­ve Wör­ter wie un­zu­ver­läs­sig, wü­tend und ei­fer­süch­tig ein, spricht das Bän­de.

Wo kön­nen wir uns Un­ter­stüt­zung ho­len?

Egal, ob es dar­um geht, mit dem Rau­chen auf­zu­hö­ren, um­zu­zie­hen oder pri­vat auf­zu­räu­men – es hilft, gu­te Freun­de und die Fa­mi­lie mit ins Boot zu ho­len. Sie ge­ben uns Halt, un­ter­stüt­zen und mo­ti­vie­ren uns. Vor al­lem emo­tio­nal. Aber auch ein per­sön­li­cher Mo­ti­va­tions- oder Men­tal­coach hilft, un­ser Selbst­wert­ge­fühl zu stär­ken, Ve­rän­de­run­gen im Le­ben an­zu­pa­cken und un­se­re Träu­me zu ver­wirk­li­chen. Und: Auch er oder sie steht uns emo­tio­nal zur Sei­te.

Wie schaf­fen wir’s, auch oh­ne Mo­ti­va­ti­ons­coach die Din­ge an­zu­pa­cken?

Wir soll­ten Zwei­fel bei­sei­te­schie­ben und uns fra­gen: Was ist das Schlimms­te, das pas­sie­ren kann, wenn wir uns ent­schei­den? Meis­tens ist die Ant­wort dar­auf: nix Schlim­mes. Nur, dass es nicht klappt. Aber Schei­tern ge­hört da­zu, wenn man et­was Neu­es be­ginnt und sich aus sei­ner Kom­fort­zo­ne be­wegt. Das soll­te uns aber nicht ab­hal­ten. Au­ßer­dem: Es gibt kei­ne schlech­ten Er­fah­run­gen, denn aus al­lem, was wir er­le­ben, ler­nen wir auch. Und das bringt uns vor­an, macht uns bes­ser. Das müs­sen wir uns im­mer wie­der vor Au­gen hal­ten! Un­ser Schlacht­ruf soll­te al­so lau­ten: Ich be­wei­se es jetzt al­len, und vor al­lem mir! •

Los GEht’s Wir über­win­den den Schwei­ne­hund – und trau­en uns was

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