Dia­ne Kea­ton:

„Ich ge­nie­ße je­de Se­kun­de des Le­bens“

Meins - - Inhalt - VON RA­CHEL KASUCH

So zart die­se Frau auch er­scheint, in je­dem Zen­ti­me­ter von Dia­ne Kea­ton steckt pu­re Ener­gie! Das hat sie uns im MEINS-In­ter­view ge­ra­de wie­der ge­zeigt. Sie pfeift auf die üb­li­chen Hol­ly­wood-Re­geln – wie Tak­tie­ren, 24-St­un­den-Sport­pro­gramm oder null Al­ko­hol – und ist mit ih­ren sie­ben Le­bens­de­ka­den noch bes­tens im Ge­schäft. Kein Wun­der bei so ei­ner ge­sun­den Le­bens­ein­stel­lung …

meins: sie sind in die­sem Jahr stol­ze 70 Jah­re jung ge­wor­den. Wie ge­hen sie mit dem Äl­ter­wer­den um? dia­ne Kea­ton:

Ich ha­be noch nie ver­stan­den, wo­her der Ge­dan­ke kommt, dass man lang­sa­mer wer­den soll, wenn man äl­ter wird. Zu­rück­zu­tre­ten kommt für mich über­haupt nicht in­fra­ge! Mein Ziel ist wei­ter­zu­ma­chen, in gu­ten wie in schlech­ten Zei­ten.

meins: su­per ein­stel­lung! dia­ne Kea­ton:

Das Gu­te dar­an ist, dass ich noch hier bin! Und na­tür­lich ge­nie­ße ich mei­ne Zeit, wo das En­de in Sicht ist, noch viel mehr. Je­de Se­kun­de da­von.

meins: Was hat sich mit den Jah­ren für sie ver­än­dert? dia­ne Kea­ton:

Ich ha­be viel Zeit mei­nes Le­bens mit dem Hof­fen ver­bracht – ge­se­hen zu wer­den und aus­ge­sucht zu wer­den. Wenn man merkt, dass man nicht mehr so an­ge­schaut wird, wer­den ganz an­de­re Sa­chen wich­tig. Das ist nicht

Ich ja­ge kei­ne TR äu­me ! Ich le­be im Jetzt!

schlecht – es macht un­be­fan­ge­ner und frei­er! Meins:

sie ha­ben ih­ren ei­ge­nen Wein, „The Kea­ton“. trin­ken sie lie­ber Rot oder Weiß? dia­ne Kea­ton:

Ich lie­be es, am Abend zwei Gläs­chen Rot­wein zu trin­ken. Der ist mir lie­ber – mit Eis­wür­feln, die ich zer­kaue. Das ist mei­ne ab­so­lu­te Lieb­lings­be­schäf­ti­gung – zum Grau­en mei­nes Zahn­arz­tes. Er meint, dass ich mir mei­ne Zäh­ne ab­bre­che – ich tue es trotz­dem!

Meins: Be­reu­en sie et­was, wenn sie zu­rück­bli­cken? dia­ne Kea­ton:

Ich ha­be zu viel Zeit da­mit ver­bracht, mich zu schüt­zen. Ich ha­be vie­le au­ßer­ge­wöhn­li­che Leu­te über die Jah­re ken­nen­ge­lernt. Manch­mal wün­sche ich mir, dass ich mich ih­nen mehr ge­öff­net hät­te …

Meins: … und viel­leicht auch ge­hei­ra­tet hät­ten? dia­ne Kea­ton:

(Zö­gert.) Ich hat­te nie ei­ne so star­ke Be­zie­hung, in der man sich blind ver­traut hat – und mit dem Ver­trau­en kommt erst die wirk­li­che Kraft der Lie­be. 40 Jah­re Sei­te an Sei­te mit ei­nem Men­schen zu le­ben ist für mich un­vor­stell­bar.

Meins: Wie­so? dia­ne Kea­ton:

Ich glau­be, ich ha­be zu viel Zeit da­mit ver­bracht, in der Fan­ta­sie zu le­ben, und ha­be nach Din­gen ge­sucht, die ich nicht mit ei­nem Mann ma­chen kann. Aber ich glau­be, die Wahr­heit ist, dass ich ein biss­chen Angst vor Män­nern hat­te.

Meins: aber sie ha­ben da­durch nichts ver­passt, oder? dia­ne Kea­ton:

Mein Ex War­ren Be­at­ty hat im­mer ge­sagt, ich sei ein Spät­ent­wick­ler. Er hat recht! Ich brauch­te 50 Jah­re, um die Mut­ter­schaft zu ent­de­cken und die be­din­gungs­lo­se Lie­be.

Die Mut­ter­schaft ist die tolls­te Er­fah­rung, die ich je­mals ge­macht ha­be! Ich glau­be, Mut­ter zu sein rückt ei­nen kom­plett zu­recht. Es hat mich völ­lig ver­än­dert, denn es zwingt mich zum Bei­spiel, Pro­ble­me zu lö­sen, egal wie. Als Mut­ter hast du ei­ne Ver­ant­wor­tung, der du dich nicht ent­zie­hen kannst.

Meins: sie wa­ren schon 50 Jah­re alt, als sie sich zur ad­op­ti­on von zwei Kin­dern ent­schlos­sen. Wie se­hen sie das heu­te? dia­ne Kea­ton:

Es war rich­tig! Aber klar, wenn ich dar­über nach­den­ke, ist es schon wich­tig, ei­ne Va­ter­fi­gur zu ha­ben. Trotz­dem glau­be ich, ich ha­be al­les rich­tig ge­macht für mei­ne Kin­der. Nur viel­leicht hät­te ich frü­her an­fan­gen sol­len? Wenn ich ehr­lich bin, wä­re ich jetzt gern ein biss­chen jün­ger für die bei­den.

Meins: sie sind für vie­le Men­schen ein Vor­bild. gibt es je­man­den, den sie be­wun­dern? dia­ne Kea­ton:

Mei­ne Mut­ter war mein Vor­bild! Sie war mein Part­ner in je­dem Pro­jekt, das ich an­fing. Sie war die­je­ni­ge, die im­mer an mich glaub­te, und erst da­durch schaff­te ich es, mei­ne Träu­me zu ver­wirk­li­chen. Mei­ne Mut­ter sag­te im­mer, je­der Mensch soll­te ei­ne Au­to­bio­gra­fie über sein Le­ben schrei­ben. Sie war im­mer die­je­ni­ge, die zu­ge­hört hat, und ich war die­je­ni­ge, die ge­spro­chen hat. Ich füh­le mich wohl, wenn ich spre­che.

Meins: ih­re träu­me ha­ben sich al­so er­füllt. Wie ge­hen sie mit nie­der­la­gen um, Mrs. Kea­ton? dia­ne Kea­ton:

Ich hat­te vie­le Nie­der­la­gen! Mo­men­te, in de­nen ich nicht be­kom­men ha­be, was ich woll­te. Doch bei Nie­der­la­gen steht man eben auf und ver­sucht um­so mehr, zu be­kom­men, was man will. Ei­nes hab’ ich ge­lernt: Dem un­mög­li­chen Traum des per­fek­ten Le­bens zu fol­gen ist Un­sinn. Ich will nur noch in der Rea­li­tät le­ben, nicht mehr ei­nen Traum ja­gen.•

Mut­ter zu sein rückt ei­nen kom­plett zu­recht

Was für ein strah­len! Die­se Frau ist ganz bei sich – und trägt ihr Mar­ken­zei­chen: Gür­tel

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