Sen­ta Ber­ger

Mit 75 Jah­ren Rie­sen­Come­back im Ki­no!

Meins - - Inhalt - VON AN­GI BRINK­MANN

Das hät­te sich selbst der gro­ße Welt­star Sen­ta Ber­ger nicht träu­men las­sen: Mit 75 Jah­ren ist sie der­zeit bun­des­weit der ab­so­lu­te Pu­bli­kums­ma­gnet an den Ki­no­kas­sen! Kein deut­scher Film lief 2016 bes­ser an als die Ko­mö­die „Will­kom­men bei den Hart­manns“, in der die Münch­ne­rin ei­ne Haupt­rol­le spielt. Sen­ta Ber­ger spielt die pen­sio­nier­te Schul­di­rek­to­rin und wohl­ha­ben­de Chef­arzt-Gat­tin An­ge­li­ka Hartmann, die nach dem Aus­zug ih­rer Kin­der (Pa­li­na Ro­jin­ski und Flo­ri­an Da­vid Fitz) ein­sam zu Hau­se in Grün­wald bei Mün­chen sitzt und sich Ge­dan­ken über die Zu­kunft macht.

Frau Hartmann ist ei­ne Frau wie du und ich und un­se­re

Nach­ba­rin! Ro­bust und nah­bar, mit tie­fen Ge­füh­len, mal barsch, mal trau­rig und al­lein, dann wie­der ganz hemds­är­me­lig pa­tent. Als Frau Hartmann im Film auf die Idee kommt, ei­nen Flücht­ling auf­zu­neh­men, springt ihr Mann (Hei­ner Lau­ter­bach, 63) fast aus der Ho­se und schimpft: „Frau Mer­kel hat die gan­ze Drit­te Welt zu sich ein­ge­la­den, wir ma­chen das nicht!“Re­gis­seur Simon Ver­hoeven, 44, Sohn von Sen­ta Ber­ger und dem Film­pro­du­zen­ten Dr. Micha­el Ver­hoeven, 78, schil­dert die Kon­flik­te um die bun­des­deut­sche Fa­mi­lie und „ih­ren“afri­ka­ni­schen Flücht­ling Di­al­lo wun­der­bar wit­zig, tief­grün­dig und wort­ge­wal­tig. Die gro­ßen The­men un­se­rer Zeit, die Flücht­lings­kri­se, der Zu­sam­men­prall der Kul­tu­ren, die Vor­ur­tei­le, die Igno­ranz, die Feind­se­lig­keit und auch die Blau­äu­gig­keit sei­ner Ak­teu­re er­ga­ben ei­nen Film, den man als „ei­ne Art Pflicht­film zum ak­tu­el­len Stand der deut­schen Ge­sell­schaft“be­zeich­nen könn­te, so be­fand kürz­lich das Ma­ga­zin „Fo­cus“.

Woran liegt das? Was macht den Sen­sa­ti­ons-Er­folg aus? Ne­ben den um­wer­fend wit­zi­gen Dia­lo­gen, un­ver­krampf­ter Si­tua­ti­ons­ko­mik und dem su­per En­sem­ble ist es viel­leicht auch die ganz be­son­de­re

Che­mie zwi­schen Mut­ter und Sohn. Zwi­schen dem preis­ge­krön­ten und mu­ti­gen Re­gis­seur und der er­fah­re­nen, welt­be­kann­ten Schau­spie­le­rin. MEINS sprach ex­klu­siv mit Sen­ta Ber­ger über ihr Me­ga-Come­back mit 75 … meiNS: Frau Ber­ger, Sie dreh­ten erst­mals mit ih­rem Sohn, der so wun­der­ba­re Sa­chen sagt wie „ich stand oft hin­ter der Ka­me­ra und dach­te mir: mein Gott, mei­ne mut­ter macht aus ei­nem klei­nen mo­ment ei­nen ganz gro­ßen au­gen­blick“. Was emp­fan­den Sie bei den dreh­ar­bei­ten – au­ßer rie­si­gem Stolz na­tür­lich?

Sen­ta Ber­ger: Stolz war ich dar­auf, dass Simon aus sei­nen An­la­gen und Ta­len­ten ei­nen Be­ruf ge­formt hat, dass er sei­ne Be­ga­bun­gen gut ver­wal­tet. Er kann stolz auf sich sein, fin­de ich, er hat ei­nen Be­ruf ge­wählt, der ihn glück­lich macht. Na­tür­lich auch nicht im­mer – man muss auch kämp­fen kön­nen, sei­ne Ide­en durch­set­zen und an­de­re da­mit über­zeu­gen. Da­zu muss man Kraft ha­ben und sta­bil sein. Um­so glück­li­cher ist Simon jetzt, den Er­folg sei­nes Films zu se­hen und wie sehr ihn das Pu­bli­kum an­ge­nom­men hat. Ich war manch­mal sehr ge­rührt, mei­nem Sohn bei der Ar­beit zu­zu­se­hen – und mehr noch: mit ihm zu ar­bei­ten. Simon hat ei­ne sehr fei­ne Art, mit sei­nen Schau­spie­lern um­zu­ge­hen und mit sei­nem gan­zen Team. meiNS: Si­cher wa­ren die mut­terSohn-dreh­ta­ge nicht im­mer ganz so leicht … Sen­ta Ber­ger: Wir hat­ten lan­ge und schwe­re Dreh­ta­ge, aber wir ha­ben auch viel ge­lacht. Si­mons Be­geis­te­rungs­fä­hig­keit hat al­le an­ge­steckt. Wir bei­de hat­ten ein sehr gu­tes, selbst­ver­ständ­lich gu­tes Ar­beits­ver­hält­nis. Es ist zwar au­ßer­ge­wöhn­lich, dass der Re­gis­seur sei­ne Haupt­dar­stel­le­rin mit

„Ma­ma“ti­tu­liert, aber was hät­te Simon denn sonst sa­gen sol­len – viel­leicht „Frau Ber­ger“? meiNS: die­ser Film war ih­nen als po­li­tisch in­ter­es­sier­te Frau ein sehr be­son­de­res an­lie­gen. Sa­ßen Sie vor­ab näch­te­lang in Mün­chen am Kü­chen­tisch und plan­ten die Hand­lung?

Sen­ta Ber­ger: Nein, nein, das stimmt so nicht ganz. Wir sit­zen zwar oft und lan­ge an un­se­rem Kü­chen­tisch und spre­chen über Ge­schich­ten und wie man die­se Ge­schich­ten fil­misch er­zäh­len könn­te, weil wir als Fa­mi­lie ein­fach im­mer gern viel dis­ku­tie­ren und durch­aus kon­tro­vers. So er­zähl­te uns Simon ir­gend­wann von sei­ner Idee, sich über ei­ne Fa­mi­li­en­ko­mö­die ei­nem erns­ten und sehr kom­ple­xen The­ma an­nä­hern zu kön­nen, näm­lich der

Ich waR manch­mal sehR ge­RühRt, mei­nem Sohn bei deR AR beit zu­zu­se­hen

Das ist ein ER folg wie da­mals in Hol­ly­wood und Ita­li­en!

Si­tua­ti­on, die mitt­ler­wei­le mit den Flücht­lings­strö­men in Deutsch­land ent­stan­den ist.

MEINS: Wie viel Per­sön­li­ches aus der Fa­mi­lie Ber­ger-Ver­hoeven steckt in die­sem rie­si­gen Ki­no-Er­folg?

Sen­ta Ber­ger: Die ver­schie­de­nen Mei­nun­gen in un­se­rer Fa­mi­lie spie­geln zu gro­ßen Tei­len die ver­schie­de­nen An­sich­ten un­se­res Lan­des. Der Film „Will­kom­men bei den Hart­manns“hat ih­nen al­len ei­ne Stim­me ge­ge­ben. Das ist das Schö­ne an die­sem Film: Er un­ter­hält nicht nur, son­dern lädt auch zum Dis­ku­tie­ren ein. Vie­le Zu­schau­er ge­hen mehr­mals rein, ein­mal mit Frau und Freun­den und dann noch ein­mal mit Kin­dern und Groß­el­tern. Nicht nur, weil man mit den Hart­manns la­chen kann, son­dern eben auch über die Ge­schich­te nach­den­ken und strei­ten kann. Simon hat ja auch das Dreh­buch ge­schrie­ben, und er ist ein groß­ar­ti­ger Au­tor! Wir konn­ten das Buch sehr früh le­sen – wie­der­um an un­se­rem Kü­chen­tisch – und dis­ku­tie­ren. Aber si­cher­lich sa­ßen wir nicht näch­te­lang – so ein Er­folg lässt sich nicht pla­nen …

MEINS: Vor ein paar Mo­na­ten sag­ten Sie MEINS, der „Be­ruf zie­he sich all­mäh­lich von selbst zu­rück …“. Ihr Er­folg mit den Hart­manns be­weist ja wohl das Ge­gen­teil – Sie sind mit 75 der Ham­mer an den Ki­no­kas­sen! Wie fühlt sich das für Sie an?

Sen­ta Ber­ger: Es ist er­staun­lich, dass ich noch ein­mal – so spät in mei­nem Le­ben – ei­nen so gro­ßen Ki­no­er­folg ha­be. Wie da­mals in Hol­ly­wood und Ita­li­en in den 60er- und 70er-Jah­ren! Ich kann es im­mer noch nicht ganz rea­li­sie­ren, und ich freue mich, wenn mich jetzt frem­de Men­schen auf der Stra­ße an­hal­ten und zu mir sa­gen: „Ach, Frau Hartmann, gu­ter Film!“Neu­lich hat­te ich mit ei­nem Kn­a­ben­chor ei­ne fei­er­li­che Ad­vents­le­sung in ei­nem Dom. An­schlie­ßend ka­men die­se Laus­bu­ben zu mir und sag­ten: „Gei­ler Film, da ge­hen wir noch ein­mal rein!“Ich stau­ne ehr­lich, wie vie­le un­ter­schied­li­che Men­schen

und Ge­ne­ra­tio­nen un­ser Film er­reicht. Ja, das fühlt sich schon sehr gut an …

meins: die flücht­lings­pro­ble­ma­tik wird un­se­re ge­sell­schaft­li­che Zu­kunft be­stim­men. Wo­zu wür­den sie als le­bens­wei­se frau ra­ten, um die her­aus­for­de­run­gen meis­tern zu kön­nen?

sen­ta ber­ger: „Will­kom­men bei den Hart­manns“kann kei­ne Ant­wort ge­ben – und ich kann es auch nicht! Ich den­ke, wir al­le wer­den Schritt um Schritt ler­nen, auch die Po­li­tik wird Schritt um Schritt re­agie­ren kön­nen und müs­sen. So ei­ne Si­tua­ti­on gab es auch nach dem Zwei­ten Welt­krieg, aber es gab da­mals auch Ar­beit – viel Ar­beit. Die Qua­li­tät der In­te­gra­ti­on hängt si­cher auch von der Zahl der Flücht­lin­ge ab, die in un­se­rem Land ein­ge­glie­dert wer­den kön­nen. Und die In­te­gra­ti­on hängt da­von ab, ob un­se­re Ver­fas­sung und un­se­re Ge­set­ze von den Flücht­lin­gen be­ach­tet und be­folgt wer­den …

meins: 2016 war ein sehr be­we­gen­des Jahr für sie: der Ki­no­er­folg, der ab­schied ih­rer ZDF-Kri­mi-rei­he „un­ter Ver­dacht“, ih­re gol­de­ne hoch­zeit im sep­tem­ber. Wie wird es 2017 für sie wei­ter­ge­hen? mit wel­chen Wün­schen und Ge­dan­ken – be­ruf­lich wie pri­vat – ge­hen sie ins neue Jahr?

sen­ta ber­ger: Was kann und was darf ich mir wün­schen in mei­nem Al­ter? Ge­sund­heit! Wach blei­ben, un­ab­hän­gig sein, neu­gie­rig blei­ben. Ja, das al­les wün­sche ich mir. Und dass wir zu­sam­men­blei­ben kön­nen – mein Mann und ich, wir – und mei­ne Fa­mi­lie. Ich wün­sche mir, dass mei­ne Söh­ne und ih­re Fa­mi­li­en glück­lich blei­ben – und dass ih­nen dies auch ­be­wusst­ist.­•

Ich stau­ne ehr­lich, wie vie­le Men­schen der Film er­reicht

HiN­reiSSeNd Wun­der­voll ge­reif­te Schön­heit strahlt aus die­sem La­chen!

Fil­mFa­mi­lie Die Hart­manns Flo­ri­an Da­vid Fitz, Pa­li­na Ro­jin­ski, Sen­ta Ber­ger, Hei­ner Lau­ter­bach und Ma­ri­nus Hoh­mann (v. l.) be­grü­ßen „ih­ren“Flücht­ling

Deut­sche Will­KoM­Mens­Kul­tur in der Bä­cke­rei: dick ge­zu­cker­te Ber­li­ner für den Mann aus dem fer­nen Afri­ka

Wir hal­ten Zu­sam­men Im Film stel­len sich die Hart­manns der Flücht­lings­pro­ble­ma­tik in Ei­nig­keit und mit gro­ßem Spaß – zu­nächst … Die lie­be ist bunt! Fa­mi­li­en­toch­ter Pa­li­na Ro­jin­ski ver­liebt sich in Elyas M’Barek

ÜBEr­For­DErt In­te­gra­ti­on ist auch im Ki­no nicht ein­fach. Das er­le­ben die Hart­manns auf dem Amt – und beim Ein­kau­fen im ver­meint­lich pa­ra­die­si­schen Su­per­markt

ach­tunG, WIr DrE­HEN! Re­gis­seur Simon Ver­hoeven mit sei­nen Haupt­dar­stel­lern

Deut­sches Ge­bäck schmeckt nicht je­dem Kä­seKu­chen?

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