Ko­lum­ne

Hach, war das wie­der ein Fest!

Meins - - Inhalt -

Das Schö­ne an Sil­ves­ter ist ja, dass es gan­ze sie­ben Ta­ge nach Weih­nach­ten liegt. Ei­ne Wo­che al­so, in der man Zeit hat, auf­zu­räu­men, den Land­kreis nach ei­nem Alt­pa­pier­con­tai­ner ab­zu­su­chen, der noch nicht über­quillt, die Wachs­fle­cken aus dem Tep­pich zu bü­geln und die schlimms­ten Weih­nachtspan­nen men­tal zu ver­dau­en. Mit ein biss­chen Ab­stand be­trach­tet, kann man viel­leicht so­gar drü­ber schmun­zeln, und spä­tes­tens zur Sil­ves­ter­par­ty wird aus dem är­ger­li­chen De­sas­ter ein ech­ter Brül­ler. Wenn auch nur für die Zu­hö­rer.

Ich hab’ mich im letz­ten Jahr auf je­den Fall köst­lich amü­siert über Wul­le, den Hund von Freun­den, der gern im Mit­tel­punkt steht. Es är­ger­te ihn, dass er Hei­lig­abend kaum be­ach­tet wur­de, ob­wohl das Haus vol­ler po­ten­zi­el­ler Rü­cken­krau­ler war. Die­ser Zu­stand än­der­te sich, als Wul­le be­schloss, di­rekt ne­ben der fei­er­li­chen, voll be­setz­ten Ta­fel ei­ne Pfüt­ze aufs Par­kett zu ma­chen. So­fort spran­gen al­le auf und schrien durch­ein­an­der. Mit die­ser Laut­stär­ke hat­te Wul­le nicht ge­rech­net. Er er­schrak und rann­te un­ter den Tisch, von dort ins Wohn­zim­mer und hin­ter den Baum, un­ter dem noch die ver­pack­ten Ge­schen­ke la­gen. Vor lau­ter Pa­nik hat­te er al­ler­dings ver­ges­sen, das Pin­keln ein­zu­stel­len, und hin­ter­ließ auf sei­nem ge­sam­ten Flucht­weg ei­nen klei­nen gel­ben Fluss.

Herr­lich! Im­mer­hin konn­ten wir uns bei un­se­ren Freun­den mit ei­ner et­was äl­te­ren Ge­schich­te re­van­chie­ren. Mein Mann hat­te da­mals ei­nen Tan­nen­baum ge­schenkt be­kom­men, der knapp 30 cm zu groß war. Wir ba­ten un­se­ren Sohn, den Baum zu kür­zen, wäh­rend wir die letz­ten Ein­käu­fe er­le­dig­ten. Als wir zu­rück­ka­men, hat­te er ex­akt 30 cm ab­ge­schnit­ten, dum­mer­wei­se von der Spit­ze der Tan­ne. Das war prak­ti­scher, er­klär­te er. Statt die Sä­ge aus dem Schup­pen zu ho­len, brauch­te er nur mei­ne Blu­men­sche­re.

Pan­nen ge­sche­hen aber nicht nur an Weih­nach­ten. Un­se­re Gast­ge­ber be­rich­te­ten von ei­ner Sil­ves­ter­fei­er un­ter dem Mot­to „Al­les glänzt“. Ei­ne der Teil­neh­me­rin­nen hat­te sich als be­son­de­ren Gag Glit­zer­pul­ver in ih­re lan­gär­me­li­gen Hand­schu­he ge­schüt­tet. Als sie die­se pu­bli­kums­wirk­sam ab­streif­te, reg­ne­te es Gold­pu­der, ver­teil­te sich im Wohn­zim­mer und leg­te sich groß­flä­chig über das Buf­fet, das da­nach kaum noch ge­nieß­bar war.

Mal se­hen, was in die­sem Jahr so al­les pas­siert. Wenn vie­le Men­schen mit ho­hen Er­war­tun­gen und ge­bü­gel­ten Blu­sen zu­sam­men­kom­men, sitzt das nächs­te Miss­ge­schick ja meist schon in der Be­sen­kam­mer und war­tet auf sei­nen gro­ßen Auf­tritt. Wir soll­ten es mit Ap­plaus und ei­ner Pri­se Hu­mor be­loh­nen. Wie lang­wei­lig wä­re das Le­ben, wenn im­mer al­les klap­pen wür­de! •

Un­se­re Ko­lUm­nis­tin Car­la Be­cker, 54, liebt schnel­le Au­tos, Kat­zen und ih­ren Mann. Und fühlt sich kei­nen Tag äl­ter als 39

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.