Neu­an­fang Car­me­la, 63, jet­tet als Gran­ny-Au-pair um den Glo­bus

Seit zwei Jah­ren ist Car­me­la Röhr, 63, im Gran­ny-Au­pair-Fie­ber. Kaum zu Hau­se, geht’s schon wie­der los …

Meins - - Inhalt - VON JARA TIEDEMANN

Welt­weit ein­setz­bar“steht in ih­rem Steck­brief, den sie auf www.gran­ny-au­pair.com hoch­ge­la­den hat. „Vie­le Gran­nys wol­len nur in be­stimm­te Län­der rei­sen. Das ist bei mir an­ders. Ich bin of­fen für al­les“, sagt die 63-Jäh­ri­ge, die mit ih­rem Mann im be­schau­li­chen Han­dorf im Land­kreis Lü­ne­burg lebt.

Seit 2014 ist Car­me­la als Omi auf Zeit im Ein­satz, ver­bringt drei Mo­na­te oder mehr in Fa­mi­li­en, küm­mert sich um die Kin­der – und ent­deckt das Land. Rei­sen ist ih­re Lei­den­schaft.

Schon vier­mal war sie im Ein­satz. Ein­mal in Chi­na, drei­mal in Süd­afri­ka. Die Idee da­für kam zu­fäl­lig. „Kurz vor dem Neu­see­land-Ur­laub mit mei­nem Mann ha­be ich ei­nen Ar­ti­kel über Gran­ny Au­pair ge­le­sen. Ich fand das span­nend!“So sehr, dass sie – zu­rück in Deutsch­land – di­rekt ei­nen Work­shop von die­ser Agen­tur in Ham­burg be­sucht – und sich an­mel­det.

An­fra­gen hat sie oh­ne En­de.

Die Fa­mi­li­en rei­ßen sich um sie. Ihr ers­tes Ziel: Hang­zhou in Chi­na. Ein Vier­tel­jahr wohnt sie dort bei ei­ner drei­köp­fi­gen Fa­mi­lie, ihr En­kel­chen auf Zeit ist ge­ra­de mal neun Mo­na­te alt. „Der deut­sche Va­ter woll­te ei­ne deut­sche Gran­ny ha­ben, die sei­ner chi­ne­si­schen Frau und auch dem Kind die deut­sche Kul­tur nä­her­bringt.“ Denn: Die bei­den ha­ben un­ter­schied­li­che An­sich­ten, was die Er­zie­hung an­geht. „Es gibt eben gro­ße Un­ter­schie­de zwi­schen der asia­ti­schen und der deut­schen Kul­tur. Ich muss­te oft zwi­schen den bei­den ver­mit­teln“, er­zählt Car­me­la. „Ich ha­be mich aber trotz­dem sehr wohl bei ih­nen ge­fühlt.“

Kein Wun­der: An den Wo­che­n­en­den er­kun­det sie die Um­ge­bung – auf ei­ge­ne Faust, ver­stän­digt sich oft mit Hän­den und Fü­ßen. „Aber ge­ra­de das hat Spaß ge­macht. Die Men­schen wa­ren un­fass­bar nett und hilfs­be­reit. Als Eu­ro­päe­rin war ich ja auch ei­ne Exo­tin!“

Durch ih­re of­fe­ne Art und ih­re Lust, Neu­es zu ent­de­cken, kommt sie schnell in Kon­takt. „Durch Zu­fall ha­be ich so­gar ei­ne Frau ge­trof­fen, die mich zu ei­ner Tee­plan­ta­ge mit­ge­nom­men hat. Ich dach­te, wie­so nicht, es lohnt sich, spon­tan zu sein!“Ei­ne Ein­stel­lung, die

Ich ha­be jetzt qua­si ei­ne zwei­te Fa­mi­lie

Car­me­la un­ver­gess­li­che drei Mo­na­te in Chi­na be­schert – und an­treibt.

Das nächs­te Aben­teu­er war­tet schon. Kaum zu­rück in Lü­ne­burg, er­hält sie ei­ne An­fra­ge von ei­ner Fa­mi­lie mit drei Kin­dern aus Süd­afri­ka. „Es hieß, ich be­kom­me Ta­schen­geld, ha­be ei­ne ei­ge­ne Woh­nung, und es gibt ei­nen Pool.“Jack­pot! „Mein Mann hat gleich ge­sagt, mach das! Er un­ter­stützt mich sehr.“Heim­weh? Nö! „Drei Mo­na­te ver­ge­hen schnell, und Man­fred hat vie­le Hob­bys, der geht schon nicht ein oh­ne mich“, sagt sie und lacht.

Im Herbst 2014 geht’s nach Pre­to­ria. Und es ist tat­säch­lich ein Jack­pot! „Die Che­mie stimm­te so­fort zwi­schen der Fa­mi­lie und mir. Die Kin­der wa­ren ein Traum. So pfif­fig, selbst­stän­dig und klug!“Sprach­bar­rie­ren gibt’s kei­ne. Die Mut­ter ist Köl­ne­rin, der Va­ter Pe­rua­ner. Da­heim spricht man Deutsch.

Al­les läuft so pri­ma, dass Car­me­la im März 2015 schon wie­der im Flie­ger nach Süd­afri­ka sitzt. Erst will sie mit Man­fred Ur­laub ma­chen, dann geht’s wie­der zu „ih­rer“Fa­mi­lie. „Das war wie nach Hau­se kom­men.“Da das jüngs­te Kind jetzt auch in der Ki­ta ist, hat Car­me­la noch mehr Frei­zeit – und ei­nen Plan. Im na­hen Frei­bad nimmt sie sich ei­nen Trai­ner, um krau­len zu ler­nen. Wo­zu? Um 2016 ih­ren ers­ten Tri­ath­lon in Ham­burg zu be­strei­ten! Wow, was für ei­ne Ener­gie. Um ins Frei­bad zu kom­men, steigt sie täg­lich aufs Rad. „Ir­gend­wann kann­ten mich die Leu­te und ha­ben mir aus ih­ren Häu­sern zu­ge­wun­ken“, er­in­nert sie sich. „Das lie­be ich so am Gran­ny Au­pair. Ich ler­ne nicht nur Le­bens­art und Kul­tur ken­nen, son­dern in der Frei­zeit auch Land und Leu­te. Das ist toll.“

Im Ja­nu­ar geht’s wie­der los. Dies­mal nach Wa­shing­ton, dort­hin hat’s ih­re süd­afri­ka­ni­sche Gast­fa­mi­lie be­ruf­lich ver­schla­gen. Car­me­la strahlt vor Vor­freu­de. „Ich bin ei­ne Be­zugs­per­son für die Kin­der ge­wor­den. Es fühlt sich an, als hät­te ich ei­ne zwei­te Fa­mi­lie ge­fun­den. Ist das nicht ein gro­ßes Glück?“•

Ich leR­ne nicht nuR die Kul­tuR ken­nen, auch die Men­schen

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