Träu­me ver­wirk­li­chen Wir ma­chen uns selbst­stän­dig!

Der Traum von der Selbst­stän­dig­keit schwirrt vie­len von uns im Kopf her­um. Top-Ex­per­tin Do­re­en Hot­ze von der Han­dels­kam­mer er­klärt uns, wie wir’s wahr ma­chen!

Meins - - Inhalt - VON JARA TIEDEMANN

Ein klei­nes Ca­fé, ein Schmuck­ge­schäft oder so­gar ein ei­ge­nes Bed & Bre­ak­fast? Wenn die Kin­der aus dem Haus sind – und wir noch mal voll ins Be­rufs­le­ben ein­stei­gen wol­len –, spie­len vie­le Frau­en 50+ mit dem Ge­dan­ken, sich selbst­stän­dig zu ma­chen, end­lich un­ser ei­ge­ner Boss zu wer­den. War­um nicht end­lich das Hob­by zum Be­ruf ma­chen? Oder ei­ne lang ge­heg­te Ge­schäfts­idee ver­wirk­li­chen? Im­mer mehr Frau­en in der Mit­te des Le­bens wol­len ge­nau das, be­legt auch ei­ne neue Stu­die der Bun­des­agen­tur für Ar­beit. Die sagt: Al­lein in den letz­ten zwei Jah­ren ha­ben sich in Deutsch­land mehr als 24 400 La­dys 50+ selbst­stän­dig ge­macht. Wow! Und das Tol­le: Wir kön­nen das auch! Da­mit aus un­se­rer Idee ein Er­folg wird, müs­sen wir ei­ni­ge De­tails be­den­ken. ? Was müs­sen wir be­ach­ten, wenn wir uns selbst­stän­dig ma­chen wol­len? „Wer mit dem Ge­dan­ken spielt, sich selbst­stän­dig zu ma­chen, soll­te kri­tisch prü­fen, ob er den künf­ti­gen An­for­de­run­gen auch ge­recht wer­den kann“, rät Do­re­en Hot­ze, Ab­tei­lungs­lei­te­rin des Grün­dungs­zen­trums der Han­dels­kam­mer Ham­burg (HK). Wir soll­ten uns al­so fra­gen: Ha­be ich ei­ne Be­rufs­aus­bil­dung oder län­ge­re Er­fah­rung in der an­ge­streb­ten Bran­che? Bin ich geis­tig und kör­per­lich fit, um den Be­las­tun­gen stand­zu­hal­ten? Steht mei­ne Fa­mi­lie hin­ter mir? Und: Rei­chen mei­ne fi­nan­zi­el­len Mit­tel? „Aber selbst wenn in ein paar Be­rei­chen noch Nach­hol­be­darf be­steht, ist das kein Grund auf­zu­ge­ben. In fach­li­cher Hin­sicht lässt sich vie­les er­ar­bei­ten“, so Hot­ze.

? Wel­che Grund­la­gen soll­ten wir uns an­eig­nen? „Fach­li­che, kauf­män­ni­sche und un­ter­neh­me­ri­sche Kom­pe­ten­zen sind das A und O“, so die Ex­per­tin. „Da­zu zäh­len in­ner­be­trieb­li­che Or­ga­ni­sa­ti­on, Ein­kauf, Ver­trieb, Per­so­nal­füh­rung und be­triebs­wirt­schaft­li­che Grund­kennt­nis­se.“

? Wo kön­nen wir uns zum The­ma Un­ter­neh­mens­grün­dung in­for­mie­ren und uns wei­ter­bil­den?

Die bes­ten An­lauf­stel­len sind die Han­dels­kam­mer und die Bun­des­agen­tur für Ar­beit. Sie hel­fen uns da­bei, her­aus­zu­fin­den, ob es Sinn macht, uns mit ei­ner Idee selbst­stän­dig zu ma­chen, ge­ben Start­hil­fe und Ori­en­tie­rung. Au­ßer­dem bie­ten sie Se­mi­na­re, Vor­trä­ge und Work­shops zum The­ma Exis­tenz­grün­dung an, ge­kop­pelt mit vie­len Wei­ter­bil­dungs­mög­lich­kei­ten. „Wir wol­len Grün­dern da­mit den Weg in die Selbst­stän­dig­keit er­leich­tern“, er­klärt Ane­ta Schi­ko­ra von der Bun­des­agen­tur für Ar­beit. Wei­te­re nütz­li­che In­ter­net­adres­sen für Fort­bil­dungs­mög­lich­kei­ten und Se­mi­na­re sind au­ßer­dem www.adt-on­li­ne.de oder www.gru­en­der50p­lus.de.

? Wo­für ist ein Bu­si­ness­plan gut und wel­che In­hal­te müs­sen drin­ste­hen?

„Ein sorg­fäl­tig aus­ge­ar­bei­te­ter Bu­si­ness­plan bil­det die Grund­la­ge für ei­nen er­folg­rei­chen Start in die Selbst­stän­dig­keit. Je durch­dach­ter, des­to bes­ser“, er­kärt Do­re­en Hot­ze. Den Plan schrei­ben wir in ers­ter Li­nie für uns. Um ei­nen Über­blick zu be­kom­men – und: Er­folgs­chan­cen ein­schät­zen zu kön­nen. Die wich­tigs­ten In­hal­te sind: Ge­schäfts­idee, Be­schrei­bung des Un­ter­neh­mens und Fi­nanz­pla­nung. Hil­fe bei der Er­stel­lung ei­nes Bu­si­ness­plans be­kom­men wir auf dem kos­ten­lo­sen Por­tal der Grün­dungs­werk­statt Ham­burg (www.gru­en­dungs werk­statt-ham­burg.de). Für ers­te In­for­ma­tio­nen ist das Grün­dungs­zen­trum un­se­rer Han­dels­kam­mer ei­ne zen­tra­le An­lauf­stel­le. Auch Un­ter­neh­mens­be­ra­ter und Ban­ko­der Steu­er­be­ra­ter kön­nen uns un­ter­stüt­zen, vor al­lem bei der rea­lis­ti­schen Fi­nanz­pla­nung.

? Wo­rin be­steht ge­ra­de mit 50+ die Chan­ce, sich selbst­stän­dig zu ma­chen?

Do­re­en Hot­ze fasst es gut zu­sam­men: „Äl­te­re Grün­der pro­fi­tie­ren von ih­rer Le­bens­er­fah­rung. Schät­zen Ri­si­ken rea­lis­ti­scher ein, sind sorg­fäl­ti­ger. Au­ßer­dem kön­nen sie meist auf ei­ne gu­te Ver­net­zung zu­rück­grei­fen – die per­fek­te Grund­la­ge für Kun­den­ak­qui­se!“

? Wie kom­men wir an fi­nan­zi­el­le Mit­tel?

Das An­ge­bot an För­der­pro­gram­men für Grün­der ist groß, va­ri­iert aber je nach Bun­des­land. Um sich ei­nen Über­blick über re­gio­na­le För­de­run­gen zu ver­schaf­fen, hilft die Web­site www.fo­er­der­da­ten bank.de. Ei­ne gu­te An­lauf­stel­le in Sa­chen Kre­dit ist auch die Kre­dit­an­stalt für Wie­der­auf­bau (KfW). Hier kommt auch der Bu­si­ness­plan ins Spiel, der da­bei hilft, po­ten­zi­el­le Geld­ge­ber zu über­zeu­gen. „Er­fah­run­gen sind da­bei von Vor­teil. Das Ver­kau­fen der Ge­schäfts­idee und „Bren­nen“für das Vor­ha­ben spie­len aber auch ei­ne gro­ße Rol­le“, er­klärt Hot­ze.

? Was sind ty­pi­sche An­fän­ger-Feh­ler?

Die drei häu­figs­ten Grün­de für das Schei­tern von Exis­tenz­grün­dun­gen sind laut Agen­tur für Ar­beit: Fi­nan­zie­rungs­män­gel (70 %), In­for­ma­ti­ons­de­fi­zi­te (60 %) und Qua­li­fi­ka­ti­ons­män­gel (50 %). Do­re­en Hot­ze nennt noch ei­nen wei­te­ren ganz wich­ti­gen Punkt: „Schlech­te Team­ar­beit! Funk­tio­niert das Mit­ein­an­der nicht, kommt es zu Stö­run­gen, und das kann schnell das Aus be­deu­ten. Des­we­gen ist ei­ne kla­re Auf­ga­ben­ver­tei­lung ­ge­ra­de­zu­Be­ginn­wich­tig.“­•

LoS gehT’S! Oft hilft nur der Sprung ins kal­te Was­ser, um Träu­me zu ver­wirk­li­chen

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.