Jen­ny Jür­gens:

„Pa­pa wünsch­te mir Lie­be oh­ne Lei­den – es ist wahr ge­wor­den“

Meins - - Inhalt - VON CLAU­DIA BÖHM

Wenn sie strahlt, dann blit­zen ih­re dunk­len Au­gen ganz ver­schmitzt und sie wirkt wie ein jun­ges Mäd­chen – ja, fast so wie da­mals 1984, als sie mit Pa­pa Udo Jür­gens den Va­terToch­ter-Song „Lie­be oh­ne Lei­den“sang, der uns bis heu­te zu Trä­nen rührt. Kaum zu glau­ben, dass Jen­ny Jür­gens ge­ra­de ih­ren 50. Ge­burts­tag fei­er­te. Doch hin­ter ih­rer ju­gend­li­chen Aus­strah­lung ent­de­cken wir im Ge­spräch ei­ne rei­fe, ge­las­se­ne Frau, die glück­lich ist mit ih­rem Le­ben, wie sie sagt. Auch wenn der plötz­li­che Tod ih­res Va­ters vor zwei Jah­ren ein tie­fer Ein­bruch war. Noch im­mer denkt sie täg­lich an ihn, aber es tut nicht mehr so weh. In ei­nem ganz per­sön­li­chen Brief zum To­des­tag schreibt sie an ihn: „Ich lie­be dich und ver­mis­se dich un­end­lich.“Aber sie hat auch ei­ne Bot­schaft: „Es geht mir gut, Pa­pa. Du wünsch­test mir ,Lie­be oh­ne Lei­den‘ – dein Wunsch ist in Er­fül­lung ge­gan­gen.“

MEINS: Sie ha­ben ge­ra­de Ih­ren 50. Ge­burts­tag ge­fei­ert. Herz­li­chen Glück­wunsch. Was hat sich für Sie mit dem Äl­ter­wer­den ver­än­dert?

Jen­ny Jür­gens: Das An­ge­neh­me am Äl­ter­wer­den ist tat­säch­lich, dass man im­mer mehr zu sich selbst fin­det und viel selbst­be­wuss­ter wird. Ich bin je­den­falls sehr viel selbst­be­wuss­ter ge­wor­den als frü­her. Mein gan­zes Selbst­ver­ständ­nis, mein Aus­se­hen, mein We­sen und die­ser Druck, im­mer al­len ge­fal­len zu wol­len, ha­ben sich ge­än­dert. Na­tür­lich fin­de ich es im­mer noch schön, wenn an­de­re Leu­te mich mö­gen, aber nicht mehr um je­den Preis.

MEINS: Kön­nen Sie heu­te auch bes­ser Nein sa­gen?

Jen­ny Jür­gens: Ich ler­ne in­zwi­schen auch im­mer öf­ter, Nein zu sa­gen, wenn ich et­was nicht möch­te. Ich mag es zum Bei­spiel nicht, wenn Leu­te mir auf die Pel­le rü­cken, kein Dis­tanz­ge­fühl ken­nen oder über­grif­fig wer­den. So emo­tio­na­le Vam­pi­re.

Ich neh­me mir heu­te das Recht zu sa­gen „Ich will jetzt kei­nen Be­such“oder „Du kannst dies­mal nicht bei mir woh­nen, ich will mei­ne Ru­he ha­ben“. Wirk­lich tol­le Freun­de re­spek­tie­ren das und ma­chen kein Tam­tam.

MEINS: Vor zwei Jah­ren ver­starb ganz plötz­lich Ihr Va­ter Udo. Sie ha­ben mal ge­sagt, dass Sie ei­ne Va­tertoch­ter wa­ren. Konn­ten Sie noch al­les mit ihm be­spre­chen oder hät­ten Sie ihm noch gern et­was ge­sagt?

Jen­ny Jür­gens: Nein, wir ha­ben uns sehr oft ge­sagt, dass wir uns lie­ben und was wir uns be­deu­ten. Das ist ein sehr glück­li­ches Ge­fühl. Da­ge­gen stel­le ich es mir sehr schlimm vor, wenn je­mand stirbt, mit dem man kurz vor­her noch ei­nen Streit hat­te, der nicht ge­schlich­tet wer­den konn­te. Dass man noch et­was ganz Wich­ti­ges hät­te sa­gen wol­len, und dann ist es zu spät. Aber das war bei uns zum Glück nicht der Fall. Ich konn­te mei­ne Trau­er mit ei­nem rei­nen Her­zen ab­schlie­ßen.

MEINS: Hat­ten Sie nach dem plötz­li­chen Tod Ih­res Va­ters Angst, zur „Sor­gen­frau“zu wer­den, zum Bei­spiel wenn Ihr Mann sich aufs Mo­tor­rad setzt?

Jen­ny Jür­gens: Ich bin je­mand, der sich vie­le Ge­dan­ken macht, ob es auch al­len gut geht, wenn ich nicht da bin. Ich muss das Ge­fühl ha­ben, dass al­les okay ist. Vor al­lem, weil man weiß, wie schnell sich al­les von ei­ner Se­kun­de auf die an­de­re än­dern kann. Ich ha­be schon Angst vor plötz­li­chen Schick­sals­schlä­gen. Aber ich ver­su­che, nicht stän­dig dar­an zu den­ken, sonst wür­de ich mir und mei­nen Lie­ben das Le­ben ja un­nö­tig schwer ma­chen. Ich bin je­mand, der das Le­ben an­packt, po­si­tiv denkt – vor al­lem, wenn es Pro­ble­me gibt.

MEINS: Sie ha­ben erst nach dem Tod Ih­res Va­ters ge­hei­ra­tet. Glau­ben Sie, dass Ihr Va­ter mit der Wahl Ih­res Man­nes zu­frie­den war?

Jen­ny Jür­gens: Ja, Da­vid und ich wa­ren zu­sam­men beim Kon­zert mei­nes Va­ters, und wir hat­ten wirk­lich ei­nen wun­der­schö­nen Abend mit­ei*nan­der. Mein Va­ter hat mir dann beim Ab­schied noch et­was ge­sagt, das mir jetzt noch in den Oh­ren klingt. Er sag­te: „Mensch, das ist ein su­per Typ! Ich hof­fe, dass wir uns jetzt öf­ter se­hen.“Das war schon wich­tig für

mich, denn mein Va­ter war ja auch sehr be­freun­det mit mei­nem Ex-Mann. Was nicht im­mer ganz ein­fach war, auch in der Be­zie­hung zu mei­nem Va­ter, als ich da­mals mei­nen Mann ver­las­sen ha­be. Dar­um bin ich na­tür­lich sehr froh, dass die­se Span­nung aus­ge­räumt wur­de und mein Va­ter ab­so­lut zu­frie­den war mit mei­ner Ent­schei­dung.

MEINS: Wich­tig war und ist doch vor al­lem, dass Sie glück­lich sind …

Jen­ny Jür­gens: Rich­tig, mein Va­ter hat auch im­mer ge­sagt: „Ich will, dass du glück­lich wirst. Und wenn dich das glück­lich macht, dann ist das so.“. Und ir­gend­wann ist man ja auch er­wach­sen. Man kann nicht im­mer den Se­gen der El­tern ab­war­ten. Mein Va­ter hat schließ­lich auch sein gan­zes Le­ben lang Ent­schei­dun­gen ge­trof­fen und nicht erst bei uns Kin­dern nach­ge­fragt, ob es uns recht ist (lacht).

MEINS: War es Ih­nen auch wich­tig, noch mal zu hei­ra­ten?

Jen­ny Jür­gens: Ich bin da viel­leicht ein biss­chen kon­ser­va­tiv. Bei ei­ner be­stimm­ten Groß­ar­tig­keit von Lie­be möch­te ich halt nicht bloß die Freun­din sein. Ich fin­de es toll, ver­hei­ra­tet zu sein. Auch mehr­fach, wenn ei­nem die gro­ße Lie­be schon mehr­mals be­geg­net ist. Heu­te muss man ei­ne Ehe zum Glück ja nicht mehr auf­recht­er­hal­ten, son­dern trennt sich, wenn es nicht mehr geht.

MEINS: Sie se­hen auch auf Ih­ren Hoch­zeits­bil­dern glück­lich und an­ge­kom­men aus …

Jen­ny Jür­gens: Ja, ich bin sehr glück­lich und dank­bar für mein Le­ben. Ich ha­be ei­nen ganz tol­len Mann, und er ist je­den Tag ganz zau­ber­haft zu mir. Wir sind uns in al­lem sehr ähn­lich. Ich ha­be mich oft ge­fragt, ob es bes­ser ist, wenn man sich ähn­lich ist, weil es ja heißt: „Ge­gen­sät­ze zie­hen sich an.“Aber ich glau­be tat­säch­lich, es ist bes­ser, man ist sich ähn­lich. Was das be­trifft, ha­be ich sehr viel ge­lernt aus mei­ner vor­he­ri­gen Ehe, die im­mer­hin 17 Jah­re ge­dau­ert hat. Ich war auch mit ei­nem tol­len Mann ver­hei­ra­tet, kei­ne Fra­ge. Ich möch­te aber in mei­ner neu­en Ehe ei­ni­ge Din­ge an­ders ma­chen.

MEINS: Wel­che zum Bei­spiel?

Jen­ny Jür­gens: Wich­tig ist, dass man sich ge­mein­sa­me Er­leb­nis­se und Er­in­ne­run­gen schafft, in­dem man zu­sam­men Din­ge un­ter­nimmt. Das ist ganz wich­tig, wenn man will, dass ei­ne Be­zie­hung gut und lan­ge funk­tio­niert. •

Ich muss­te ler­nen, auch mal Nein zu sa­gen

LIE­BE zUr NA­TUr Jen­ny ist gern im Grü­nen un­ter­wegs wie hier in der Lü­ne­bur­ger Heide

ToL­LES TEAM Die Schau­spie­le­rin ku­schelt mit Hün­din An­da

Ich konn­te mit mei­ner Trau­er rei­nen Her­zens ab­schlie­ßen

GE­laS­SEN Jen­ny Jür­gens weiß heu­te, was sie will

Ich bin je­mand, deR das Le­ben an­packt und po­si­tiv denkt

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