Bar­bra St­reisand:

Über das gro­ße Glück der spä­ten Lie­be

Meins - - Inhalt - VON RA­CHEL KASUCH

Die­ses Ge­sicht ver­gisst man nie. Ge­ra­de in Hol­ly­wood, in der Welt des ein­heit­lich Schö­nen, Glat­ten und Ge­ra­den. Die­ser Blick, wach und klug, die Na­se grö­ßer, als wir es von den ope­rier­ten Stars ge­wöhnt sind, das Lä­cheln fast spitz­bü­bisch. Und über­haupt, die gan­ze Frau ist ei­ne La­dy vol­ler Klas­se. Schon im­mer ge­we­sen. Wir sind mit ihr auf­ge­wach­sen. Mit gro­ßen Ge­fühls­fil­men vol­ler See­le. Sie spiel­te an der Seite un­se­rer Traum­män­ner, ne­ben Omar Sha­rif, Ro­bert Red­ford, Ryan O’Ne­al … Ein­dring­lich, zum Wei­nen gut. Und na­tür­lich singt sie auch zum Heu­len schön. Wie ist es, die­se Iko­ne leib­haf­tig vor sich zu se­hen?

Toll. Und auf­re­gend. Wäh­rend sie mir ge­gen­über­sitzt, bin ich ge­fan­gen von die­sen leb­haf­ten blau­en Au­gen, von ih­rer tem­pe­ra­ment­vol­len Art zu re­den, da­bei sind ih­re schö­nen Hän­de im­mer in Be­we­gung. Ih­re Na­se passt per­fekt in ihr Ge­sicht mit den ho­hen Wan­gen­kno­chen. Üb­ri­gens lehn­te Bar­bra St­reisand ei­ne Na­sen-OP im­mer ab, weil sie be­fürch­te­te, ih­re Stim­me könn­te dar­un­ter lei­den. Wie gut, dass sie ihr Mar­ken­zei­chen be­hal­ten hat, den­ke ich. Ja, ich ge­be es zu, ich bin fas­zi­niert von die­ser Frau, die­sem Welt­star aus New York mit ös­ter­rei­chi­schen Wur­zeln, de­ren Va­ter früh starb und die schon als Kind be­rühmt wer­den woll­te. Ihr pri­va­tes Glück hat sie mit dem Schau­spie­ler Ja­mes Bro­lin, 76, ge­fun­den, mit dem sie seit 1998 ver­hei­ra­tet ist …

MEINS: Wie ka­men Sie zur Mu­sik?

Bar­bra St­reisand: Um ganz ehr­lich zu sein, fing ich nur mit der Mu­sik an, weil ich dach­te, dass ich so an die Schau­spie­le­rei ran­kom­me. Ich wuss­te seit mei­nem 15. Le­bens­jahr, dass die Schau­spie­le­rei mein Traum­be­ruf ist.

MEINS: Und das klapp­te nicht gleich?

Bar­bra St­reisand: Nein, nicht wirk­lich. Des­halb wur­de ich Sän­ge­rin (lacht).

Ich merk­te aber schon früh, dass die Leu­te ganz still und an­däch­tig sind, wenn ich sin­ge – das mach­te mir Spaß. Schon mit fünf oder sechs Jah­ren saß ich im­mer mit den Nach­bars­kin­dern auf un­se­ren Trep­pen vor un­se­ren Häu­sern her­um und sang. Ich war als ‚das Kind mit der tol­len Stim­me, das kei­nen Pa­pa hat‘, be­kannt.

Meins: sie san­gen auf der stra­ße und im trep­pen­haus?

Bar­bra st­reisand: Ja. Un­ser Haus in Brook­lyn, in dem wir leb­ten, hat­te Ge­län­der aus Ei­sen, und in dem Trep­pen­haus hör­te sich mei­ne Stim­me be­son­ders schön an.

Meins: ih­re tol­le stim­me ha­ben sie si­cher­lich von ih­rer Mut­ter, oder?

Bar­bra st­reisand: Ja, mei­ne Mut­ter hat­te ei­ne tol­le Stim­me. Nicht so wie mei­ne, son­dern ei­ne Stim­me wie ein Vo­gel. So wun­der­schön.

Meins: sin­gen sie auch privat, egal, wo sie sind?

Bar­ba­ra st­reisand: Nein, ganz und gar nicht. Ich sin­ge nicht mal un­ter der Du­sche. Ich sin­ge nur, wenn ich muss, sonst gar nicht …

Meins: sie ha­ben ih­ren letz­ten film vor über vier Jah­ren ge­dreht, wie­so?

Bar­bra st­reisand: Weil ich nicht so gern ar­bei­te (lacht). Ich wür­de gern ei­ne schö­ne Lie­bes­ge­schich­te in ei­nen tol­len Film ver­wan­deln. Aber das ist so schwer heut­zu­ta­ge. Al­les, was nur ei­nen mit­tel­mä­ßi­gen Etat hat und kein gro­ßer Ac­tion­film ist, hat es in Hol­ly­wood schwer.

Meins: sie be­kom­men si­cher­lich täg­lich dreh­bü­cher zu­ge­schickt?

Bar­bra st­reisand: Nein, über­haupt nicht. Ich glau­be, dass vie­le so wie Sie den­ken. Aber das stimmt nicht. Aber das ist auch okay so, denn wie ge­sagt, ich ar­bei­te nicht gern (lacht).

Meins: sie se­hen im­mer so toll aus.

sty­len sie sich auch zu Hau­se?

Bar­bra st­reisand: Nein, ganz und gar nicht. Ich tra­ge im­mer Jog­ging­ho­sen, die mit dem Gum­mi­zug, die rich­tig be­quem sind. Ich lie­be es, ge­müt­lich an­ge­zo­gen zu sein. Auf Schmuck ver­zich­te ich zu Hau­se auch. Ich glau­be, es gibt wich­ti­ge­re Din­ge, als sich dar­über Sor­gen zu ma­chen, wie man zu Hau­se aus­sieht …

Meins: sie sind ein Welt­star. Was macht sie ganz per­sön­lich glück­lich?

Bar­bra st­reisand: Ich lie­be es, zu de­ko­rie­ren, Blu­men in mei­nem Gar­ten zu pflan­zen. Ich fin­de Psy­cho­lo­gie in­ter­es­sant und ich lie­be es, Ge­schich­ten zu er­zäh­len. Und spon­ta­ne Aus­flü­ge zu un­ter­neh­men.

Meins: Mit ih­rem Mann?

Bar­bra st­reisand: Ja, mein Mann und ich lie­ben das, wir ha­ben uns da­für ex­tra ein gro­ßes Au­to ge­kauft. Ei­nes, das ei­ne durch­ge­hen­de Sitz­bank hat. Dann kön­nen wir na­he bei­ein­an­der­sit­zen, oder wir kön­nen un­se­ren Hund in der Mit­te ha­ben (lacht).

Meins: Was für ei­nen Hund ha­ben sie?

Bar­bra st­reisand: Ich ha­be ei­nen Co­ton de Tu­léar, sie heißt Sam­mie und ist so süß. Ich sa­ge im­mer, sie ist wie mei­ne Toch­ter, die ich nie hat­te. Sie ver­steht al­les und ant­wor­tet mir mit Ge­räu­schen, die nor­ma­ler­wei­se nur ein Ba­by macht (lacht). Sie gibt mir zu ver­ste­hen, wenn sie Was­ser will oder Gas­si ge­hen muss. Und wenn sie ein Le­cker­li will, schaut sie mich mit ih­ren gro­ßen, gol­di­gen Au­gen ganz ein­dring­lich an.

Meins: er­zäh­len sie mir von ih­ren schöns­ten trips …

Bar­bra st­reisand: Wir sind vor ei­ni­ger Zeit von Mon­tre­al durch ganz Ka­na­da ent­lang der West­küs­te bis nach Los Angeles ge­fah­ren. Das war ei­ne tol­le Rei­se, weil wir in in­ter­es­san­ten Mo­tels über­nach­tet ha­ben.

Meins: sie über­nach­ten in den klei­nen Pen­sio­nen am stra­ßen­rand? Bar­bra st­reisand: Ja, Ja­mes hat

Im Mo­tel fährst du di­rekt vor die Tür. Das fin­de ich toll

mir das ge­zeigt. Wir wa­ren in Las Ve­gas in die­sem tol­len Ho­tel und hat­ten dort ei­ne Sui­te, in der aber lei­der der Kühl­schrank nicht funk­tio­nier­te. Mein Es­sens­plan be­inhal­tet fett­ar­me Milch­pro­duk­te, die ich über­all in ei­ner Kühl­ta­sche mit Eis­beu­tel mit­neh­me. Ich hat­te Angst, dass mei­ne ge­sam­ten Pro­duk­te ver­der­ben, wenn ich kei­nen Kühl­schrank ha­be. Am nächs­ten Tag brach­te mich Ja­mes zu ei­nem Mo­tel. Ich war noch nie zu­vor in mei­nem Le­ben in ei­nem Mo­tel. Es war toll. Wir konn­ten di­rekt mit dem Au­to vor das Zim­mer fah­ren und aus­pa­cken! Wir muss­ten uns mit nie­man­dem un­ter­hal­ten, und der Kühl­schrank funk­tio­nier­te (lacht). Das Ho­tel in Ve­gas kos­te­te 2500 Dol­lar die Nacht und das Mo­tel nur 55. Toll.

MEINS: Sie ha­ben sich mal die Kar­ten le­gen las­sen?

Bar­bra St­reisand: Ja, be­vor ich Ja­mes ken­nen­lern­te. Bei ei­ner Aus­stel­lung ließ ich mir von ei­ner Wahr­sa­ge­rin die Kar­ten le­gen. Sie sag­te mir, dass ich hei­ra­ten wer­de. Da­mals lach­te ich nur und dach­te mir: Wen soll ich je­mals hei­ra­ten? Ist das nicht lus­tig?

MEINS: Und war­um las­sen Sie sich jetzt nicht mehr die Kar­ten le­gen?

Bar­bra St­reisand: Wie­so soll­te ich? Jetzt bin ich ja glück­lich ver­hei­ra­tet und das seit 18 Jah­ren.

MEINS: So lan­ge schon …

Bar­bra St­reisand: Es ist doch der Traum je­der Frau, der Traum ei­nes Man­nes zu sein. Ich glau­be, ich ha­be das ge­schafft.

MEINS: Sie sind für so vie­le Men­schen ein Idol. Wer ist ei­gent­lich Ihr Idol?

Bar­bra St­reisand: Mar­lon Bran­do. Ich fin­de, er ist der bes­te Schau­spie­ler, der je­mals ge­lebt hat. Er war schon mein Idol, als ich 13 Jah­re alt war.

MEINS: Woll­ten Sie im­mer ein Star wer­den?

Bar­bra St­reisand: Ja, schon als klei­nes Kind ha­be ich mir ge­wünscht, mei­nen Na­men in gro­ßen Leucht­buch­sta­ben zu le­sen. Ich woll­te im­mer be­rühmt wer­den. Und als ich dann be­rühmt war, merk­te ich, dass es ziem­lich viel Ar­beit ist, be­rühmt zu sein. Heu­te ist der Ruhm mir egal.

MEINS: Si­cher­lich wer­den Sie aber über­all er­kannt …

Bar­bra St­reisand: Auf je­den Fall. Mein größ­ter Alb­traum wä­re, krank zu wer­den und in ei­ne Kli­nik zu müs­sen und dort auf frem­de Hil­fe an­ge­wie­sen sein zu müs­sen. Und ei­ne der Schwes­tern über­legt und sagt: „Sind Sie nicht die, die …?“Wäh­rend ich da­lie­ge und viel­leicht ster­be, grü­belt das Kli­nik­per­so­nal dar­über, ob ich Bar­bra St­reisand bin oder nicht (lacht). •

Ich merk­te, dass es viel Ar­beit be­deu­tet, be­rühmt zu sein

MEIN rück­zUgS­ort Bar­bra St­reisand ge­nießt die freie Zeit auf ih­rem So­fa, da­bei trägt sie am liebs­ten Ku­schel-Kla­mot­ten

Will­KOM­Men auf

Mei­neR faRM Bar­bra mit ih­rer Hün­din Sam­mie vor ih­rem An­we­sen in Ma­li­bu

die lie­Ben Mei­nes le­Bens Die­se Män­ner sind der Mit­tel­punkt ih­res Le­bens: Sohn Ja­son Gould, 50 (aus ers­ter Ehe), und Ehe­mann Ja­mes Bro­lin

glAMoUröS Wenn Bar­bra auf der Büh­ne steht, dann wird sie ei­ne ech­te Di­va

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