„Ich hab’ echt die Na­se voll“

Un­se­rer Ko­lum­nis­tin An­gi Brink­mann, 50, stinkt’s ge­wal­tig: Über­all wird ge­ges­sen, ge­trun­ken oder ge­raucht. Puuuh …

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Wenn ich mor­gens auf­ste­he, rie­che ich Kaf­fee, das mag ich sehr! In un­se­rer klei­nen ein­ge­schwo­re­nen Vie­rerCom­bo zu Hau­se trinkt man ge­wöhn­lich gern Kaf­fee. Mor­gens und nach­mit­tags, oder wie man frü­her ar­tig tref­fend sag­te: zur Kaf­fee-Zeit. Die­ser Ge­ruch gibt mir je­des Mal ein woh­li­ges Ge­fühl der Ge­bor­gen­heit. Er er­in­nert mich an mei­ne Kind­heit, wenn mei­ne Oma das ge­mah­le­ne Pul­ver mit ko­chen­dem Was­ser über­goss und ne­ben dem Por­zel­lan­fil­ter so lan­ge aus­harr­te, bis die Flüs­sig­keit lang­sam ver­si­cker­te. Das war ei­ne Wis­sen­schaft, das wur­de ze­le­briert. Heu­te be­deu­tet Kaf­fee­trin­ken, mit ei­nem Plas­tik­be­cher her­um­zu­lau­fen!

Und an­schei­nend kann man da­bei ir­gend­was ge­win­nen, denn das tut auf der Stra­ße je­der Drit­te. In der Stra­ßen­bahn je­der Zwei­te und auf Fo­tos aus Hol­ly­wood je­der. Viel­leicht ist das auch ei­ne Re­li­gi­on, fällt mir bei Hol­ly­wood ge­ra­de ein. Ei­ne, von der wir ol­len Spie­ßer noch nichts wis­sen? Mich nervt das, ehr­lich ge­sagt! Mal ganz ab­ge­se­hen von den hor­ren­den Ab­fall­ber­gen, die die­ser Übe­r­al­lund-im­mer-Kaf­fee-trin­ken-müs­sen Kon­sum ver­ur­sacht, steigt mir an je­der Ecke Kaf­fee­duft in die Na­se. Oder was die Leu­te da­für hal­ten – Kaf­fee chai, Kaf­fee lat­te, Kaf­fee Va­nil­le, Milch­kaf­fee, Kaf­fee mit So­ja – urrrrrrrrg!

Aber, De­ckel auf den Be­cher, wenn es bei Ge­ruchs­be­läs­ti­gun­gen die­ser Art blie­be, wür­de ich mich nicht wirk­lich auf­re­gen. Muss ich aber! Sit­ze ich zum Bei­spiel in öf­fent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln, kann mei­ne ar­me Na­se sich gar nicht mehr kon­zen­trie­ren! Zu mei­ner Lin­ken kaut man Mett­bröt­chen mit Zwie­beln (!), hin­ter mir löf­felt ir­gend­wer Früch­teJo­ghurt – klack­klack­klack – aus ei­nem Klar­sicht­be­cher, in der über­nächs­ten Rei­he schmatzt ein Typ mit of­fe­nem Mund ei­nen Ap­fel, übern Gang sto­chern zwei Te­enager ge­bra­te­ne Nu­deln aus Papp­schach­teln – mit süß­sau­rer So­ße und, sa­gen wir, ei­ner Idee von Hühn­chen, dia­gnos­ti­ziert mei­ne Na­se un­si­cher. Ja, hei­den­ei! Muss denn heu­te je­der im­mer ir­gend­was zwi­schen den Kie­men ha­ben?

Der Gip­fel der Igno­ranz aber sind die­se Leu­te, die noch kurz vor dem Ein­stei­gen

in den Bus oder die Bahn has­tigst den letz­ten Zug an ih­rer Zi­ga­ret­te neh­men, dann die Kip­pe weg­schnip­pen, rein­sprin­gen – und dann erst ein­mal ge­nüss­lich aus­at­men. Al­so, wie wi­der­lich ist DAS denn? Da würgt es mich am frü­hen Mor­gen! Oder genau­so schlimm fin­de ich die­se voll on­du­lier­ten La­dys ne­ben mir im Fit­ness-Stu­dio, im Auf­zug vom Bü­ro oder im Ki­no in der Rei­he vor mir – al­le schei­nen sie vorm Ver­las­sen ih­rer Woh­nung ei­ne hal­be Par­füm­fla­sche über sich ge­leert zu ha­ben. Dar­auf re­agie­re ich fast noch emp­find­li­cher als auf Män­ner mit Bil­lig-Deo à la „Ta­bac für Hel­den“. Ich be­kom­me schnur­stracks ei­nen di­cken Kopf – und noch di­cker wird mein Hals. Hil­fe, ich er­sti­cke!

Leu­te, nehmt doch ein biss­chen Rück­sicht auf­ein­an­der! Und wie sag­te mei­ne Oma im­mer so schön? „Ge­ges­sen wird am Tisch!“Recht hat sie! •

Heu­te be­deu­tet Kaf­fee­tRin­ken: mit ei­nem Plas­tik­be­cheR heR­um­zu­lau­fen

LAss mAL schnup­pErn Hier sind sich Hund und Mensch ei­nig: Pfingst­ro­sen duf­ten himm­lisch

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