„Was ich frü­her mal kauf­te …“

Elek­tro­ge­rä­te ver­spre­chen uns ein leich­te­res Le­ben. Das glaubt Car­la Be­cker nur zu gern – und hat jetzt ein hal­bes Wa­ren­la­ger im Kel­ler

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Es gibt Ge­rä­te in un­se­rem Haus, die be­glei­ten mich schon mein gan­zes Er­wach­se­nen­le­ben lang. Ei­ne elek­tri­sche Kaf­fee­müh­le bei­spiels­wei­se. Mit der mah­le ich zwar kei­nen Kaf­fee mehr, da­für aber Man­deln oder Ge­wür­ze. Das oran­ge­far­be­ne Wun­der­ding ist ein Old­ti­mer, funk­tio­niert aber wie ei­ne Eins. Eben­so ein Mes­ser­schär­fer und ein Epi­lier­ge­rät in ei­nem zer­fled­der­ten Auf­be­wah­rungs­beu­tel. Das klei­ne Fol­ter­in­stru­ment stammt noch aus der Zeit, als Epi­lie­ren neu war und die Ge­rä­te so laut, dass sie die Schmer­zens­schreie der Be­nut­ze­rin­nen über­tö­nen konn­ten. Ich möch­te auf kei­nes die­ser Tei­le ver­zich­ten, sie sind fast so et­was wie Fa­mi­li­en­mit­glie­der ge­wor­den.

Aber wie in je­der Fa­mi­lie gibt es auch bei uns ein paar schwar­ze

scha­fe. Die woh­nen im Kel­ler, und es sam­melt sich der Staub auf ih­ren ma­kel­lo­sen Ori­gi­nal­ver­pa­ckun­gen. Ich ge­he nur un­gern da run­ter, weil mich im­mer das Ge­fühl über­kommt, die Ge­rä­te wür­den mich vor­wurfs­voll an­star­ren. Ver­übeln kann ich es ih­nen nicht. Die meis­ten von ih­nen ha­be ich vol­ler Be­geis­te­rung ge­kauft, um sie dann nach ei­ner stür­mi­schen, aber kur­zen Af­fä­re reu­mü­tig aus mei­nem Blick­feld zu schaf­fen. Den Bauch­mus­kel­trai­ner bei­spiels­wei­se, der die Mus­keln mit­tels klei­ner Strom­stö­ße in Form brin­gen soll­te. Es fühl­te sich an, als wür­de mich je­mand mit ei­nem Elek­tro­scho­cker trak­tie­ren, und ir­gend­wann ent­schied ich, dass Bauch­mus­keln so­wie­so über­be­wer­tet sind.

Da­für woll­te ich mich lie­ber ge­sund er­näh­ren und er­stand fast zeit­gleich ei­nen Ent­saf­ter so­wie ei­nen Dör­r­au­to­ma­ten, der in Grö­ße und Aus­se­hen ei­nem klei­nen Atom­re­ak­tor nicht un­ähn­lich war. Mei­ne Ar­beits­plat­te war prop­pen­voll, ich ver­brach­te lan­ge ein­sa­me St­un­den da­mit, um­lie­gen­de Ta­pe­ten von Obst­sprit­zern zu be­frei­en, und es dau­er­te nicht lan­ge, da klag­te die gan­ze Fa­mi­lie über Ver­dau­ungs­pro­ble­me.

Et­was spä­ter ver­such­te ich mein ku­li­na­ri­sches Glück als Bä­cke­rin und er­stand ei­ne Brot­back­ma­schi­ne. Das fri­sche Brot zum Sonn­tags­früh­stück kam erst gut an, aber dann motz­ten die Kin­der, dass sie das Loch im Brot doof fän­den, weil im­mer die Mar­me­la­de durch­trop­fen wür­de. Au­ßer­dem war das Zu­be­rei­ten zeit­auf­wen­di­ger, als ich mir vor­ge­stellt hat­te, und ir­gend­wann trat auch die­se Ma­schi­ne den Weg in die Un­ter­welt an.

ein­mal ha­be ich ver­sucht, die gan­zen stum­men Zeu­gen

mei­ner Ver­gan­gen­heit auf dem Floh­markt zu ver­kau­fen, hat­te da­mit al­ler­dings we­nig Er­folg. An je­dem zwei­ten Stand wur­den Fit­ness- und Well­ness-Ge­rä­te oder Kü­chen­ma­schi­nen an­ge­bo­ten. Die meis­ten ori­gi­nal­ver­packt und kaum ge­braucht. Ich bin of­fen­bar nicht die Ein­zi­ge, die ein paar Lei­chen im Kel­ler hat. Ir­gend­wie ja auch tröst­lich. •

Haus­halts­hel­feR sind ein ganz hei­ßes Ei­sen füR mich …

Un­se­re Ko­lUm­nis­tin Car­la Be­cker, 55, liebt schnel­le Au­tos, Kat­zen und ih­ren Mann. Und fühlt sich kei­nen Tag äl­ter als 39

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