In­ti­me Ko­lum­ne

Meins - - Inhalt - Al­les Gu­te wünscht Ih­nen Ih­re Dr. Verena Brei­ten­bach

Seit mein Mann und ich in der Ren­te sind, ha­ben wir viel Zeit und Spaß am Sex. Wir lie­ben uns und sind sehr glück­lich. Seit dem gan­zen „Sha­des of Grey“-Wir­bel möch­te mein Mann die­sen Be­reich le­ben. Ich ha­be kei­nen Hang da­zu und Angst da­vor. Was soll ich tun? Ich möch­te un­se­re Be­zie­hung nicht ge­fähr­den. Ron­ja, 62

Lie­be Ron­ja,

erst­mals herz­li­chen Glück­wunsch zu Ih­rer glück­li­chen Be­zie­hung. Das freut mich sehr. Es ist auch wun­der­bar, dass Sie nun im Ru­he­stand Ih­re Lie­be und Se­xua­li­tät le­ben kön­nen. Durch Ih­re Fra­ge ma­chen Sie auch an­de­ren Le­sern Mut, dass die Se­xua­li­tät nicht auf­hö­ren muss, son­dern dass sie so­gar noch auf­blü­hen kann. Ich ha­be das in mei­nen Be­ra­tun­gen auch im­mer wie­der er­lebt, dass Paa­re die­se Er­fah­rung ma­chen, und das ist wun­der­schön. Lei­der wird dar­über im­mer noch zu we­nig ge­spro­chen, da Se­xua­li­tät häu­fig in fort­ge­schrit­te­nem Le­bens­al­ter – in der Sil­ver-Ager-Ge­ne­ra­ti­on, wie es gern ge­nannt wird – im­mer dann noch ein Ta­bu ist. Lei­der.

Da­bei ist Se­xua­li­tät in ei­ner schö­nen Be­zie­hung ei­ne Be­rei­che­rung für das Le­ben. Sie macht glück­lich und ist zu­dem noch ei­nes der bes­ten – viel­leicht so­gar das bes­te – An­ti-Aging-Mit­tel. Al­so ge­nie­ßen und le­ben Sie Ih­re Se­xua­li­tät. Jetzt ha­ben Sie Zeit, sich und Ih­ren Part­ner noch­mals neu und viel­leicht auch an­ders zu ent­de­cken. Da kom­men na­tür­lich auch neue Wün­sche und Sehn­süch­te auf, Din­ge, die man gern ein­mal aus­pro­bie­ren möch­te. Das ist nor­mal. Ei­ne schö­ne und ab­wechs­lungs­rei­che Se­xua­li­tät braucht Ver­trau­en, Zeit und Fan­ta­sie. Sie kann Kunst sein, wenn sie so ge­lebt wird.

Heu­te geht Se­xua­li­tät mehr durch die Me­di­en als frü­her. Pres­se, Li­te­ra­tur, Fil­me, Fern­se­hen und Ero­tik­shops ma­chen vie­le ver­schie­de­nen Va­ria­tio­nen der kör­per­li­chen Lie­be pu­blik. Es gab sie schon im­mer, aber sie wa­ren ein­fach nicht so öf­fent­lich.

In „Sha­des of Grey“geht um ei­ne Lie­bes­ge­schich­te, in der ei­ne re­la­tiv un­er­fah­re­ne jun­ge Studentin sich in ei­nen äl­te­ren Mann ver­liebt, der BDSM prak­ti­ziert. BDSM steht für Bon­da­ge, Do­mi­nanz, Sub­mis­si­on und Ma­so­chis­mus. Es ist ei­ne Art der Se­xua­li­tät, in der es um Be­herr­schung, Un­ter­wer­fung, Lust­schmerz und Aus­lie­fe­rung geht. In der Ge­schich­te hat­te Herr Grey ei­ge­ne psy­chi­sche Pro- ble­me, war­um er auf die­se Art von Sex stand. Aber auch an­de­re Men­schen fin­den, dass Schmerz die Lust stei­gern kann. Aber eben nicht al­le. Man­che fin­den es er­re­gend, an­de­re nicht. Das müs­sen Sie aus­pro­bie­ren. Si­cher­lich ge­hört zu die­ser Art der Ero­tik sehr viel Ver­trau­en, da man sich dem an­de­ren ja kör­per­lich und see­lisch aus­lie­fert. Vie­le Paa­re fin­den das sehr ero­tisch und er­le­ben da­rin Lust und Nä­he. Zu­dem gibt es in die­sem Be­reich auch vie­le Va­ri­an­ten, von sehr soft und spie­le­risch bis zu sehr hart. Das muss je­der für sich her­aus­fin­den, was und wie und wie oft es ihm ge­fällt.

Wie ge­sagt, es ist nur ei­ne Spiel­art der Se­xua­li­tät. Es gibt noch vie­le an­de­re, wie Tan­tra-Sex, bei dem viel über Mas­sa­gen, men­ta­le Tech­ni­ken, At­mung und be­stimm­te Stel­lun­gen geht, oder Slow-Sex, der be­wusst und lang­sam er­fühlt wird, um nur zwei zu nen­nen.

Wenn sich bei­de Part­ner wohl­füh­len, ist al­les okay. Aber das muss je­des Paar für sich aus­pro­bie­ren. Es muss für bei­de stim­men. Sie kön­nen sich ja heu­te gut im In­ter­net, in Bü­chern und auch Ero­tik­shops über viel in­for­mie­ren und sich lang­sam her­an­tas­ten.

Pro­bie­ren Sie aus, aber ge­hen Sie auf Ihr Kör­per­ge­fühl und Ih­re In­tui­ti­on. Tun Sie ein­fach nicht, was Sie nicht möch­ten. Wie ge­sagt, es gibt noch vie­le an­de­re Va­ri­an­ten von schö­nem Sex. Manch­mal sind auch die Vor­stel­lung und das Kopf­ki­no schö­ner als die Rea­li­tät. Auch die Ero­tik hat Pha­sen im Le­ben und kann und darf sich än­dern. Al­les ist er­laubt, was Sie und Ih­ren Part­ner glück­lich macht und nie­man­den scha­det. •

Wir tun nicht ein­fach, was wir nicht möch­ten!

DR. VERENA BREI­TEN­BACH Die Frau­en­ärz­tin hat ei­ne Pra­xis in Ehin­gen/Do­nau und be­reits ei­ni­ge Bü­cher ge­schrie­ben, u. a. „Wo­men’s Se­crets“(Orell Füss­li Ver­lag). Gern be­ant­wor­tet sie Ih­re Fra­gen zu den The­men Sex und gy­nä­ko­lo­gi­sche Pro­ble­me. Schrei­ben Sie ver

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