Ich möch­te Sex – aber es tut weh! Lie­be Da­na,

Meins - - Intime Kolumne - Viel Mut auf ih­rem weg wünscht ih­nen ih­re Dr. bea­tri­ce wa­gner

Seit drei Jah­ren bin ich glück­lich ver­hei­ra­tet. Doch da liegt das Pro­blem. Ich kann kei­nen rich­ti­gen Sex ha­ben. Je­des Mal, wenn es zur Pe­ne­tra­ti­on kom­men soll, geht ein­fach nichts mehr. Ich bin dann un­ten­rum wie ver­schlos­sen. Ein­mal, als wir bei­de et­was ge­trun­ken hat­ten, woll­te ich, dass mein Mann trotz­dem ein­dringt. Es hat so weh­ge­tan. Da­bei ha­be ich im­mer noch mei­ne Mens­trua­ti­on, al­so bin noch nicht rich­tig durch die Wech­sel­jah­re. Was stimmt mit mir nicht? Da­na, 50 zu­nächst ein­mal möch­te ich Ih­nen mein ganz gro­ßes Mit­ge­fühl aus­spre­chen. Wer ver­liebt ist oder liebt, möch­te sei­nem Part­ner so nah wie mög­lich sein. Und das kön­nen Sie nicht. Gleich­zei­tig se­hen Sie übe­r­all in den Me­di­en, dass Sex schein­bar das Nor­mals­te auf der Welt ist. Kein Wun­der, dass Sie das Ge­fühl ha­ben, mit Ih­nen stimmt et­was nicht. Viel­leicht den­ken Sie so­gar, Sie sei­en gar kei­ne rich­ti­ge Frau. Auch so et­was be­rich­ten mir Pa­ti­en­tin­nen mit Ih­ren Sym­pto­men in mei­ner Pra­xis. Denn ja, das Pro­blem, un­ter dem Sie lei­den, tei­len Sie mit vie­len Frau­en. Es heißt Va­gi­nis­mus.

Va­gi­nis­mus ist der Schei­den­krampf. Beim Ver­such, et­was in die Schei­de ein­zu­füh­ren, sei es ein Pe­nis, sei es ein Sex­toy, ver­krampft die Schei­den­mus­ku­la­tur. Bei man­chen Frau­en pas­siert dies so­gar bei ei­nem Tam­pon. Der Be­such beim Frau­en­arzt wird zur Qu­al.

Ein Schei­den­krampf ge­schieht un­will­kür­lich. Sie kön­nen sich auch nicht be­wusst da­hin­ge­hend be­ein­flus­sen, dass Sie sich heu­te ein­mal nicht ver­kramp­fen. Es pas­siert ein­fach.

Der Hin­ter­grund kann so­wohl or­ga­ni­scher als auch psy­chi­scher Na­tur sein. Die or­ga­ni­schen Ur­sa­chen müs­sen zu­nächst ab­ge­klärt wer­den. Sie lie­gen vor al­lem in raum­for­dern­den Ve­rän­de­run­gen im ge­ni­ta­len Be­reich. Es kann aber auch sein, dass Sie un­ter ei­ner Rha­gade, al­so ei­nem Riss im Schei­den­ein­gang lei­den, der schmerzt, wes­halb Sie schon vor­aus­ei­lend ver­kramp­fen. All das muss von Ih­rem Arzt ab­ge­klärt wer­den.

Wenn die gy­nä­ko­lo­gi­sche Un­ter­su­chung nichts Auf­fäl­li­ges er­ge­ben hat, dann geht es an die Psy­che. Meist liegt hier die Ur­sa­che. Und oft steckt ei­ne ver­let­zen­de Er­fah­rung da­hin­ter. Wie war es denn in Ih­rer Kind­heit? Wie wa­ren Ih­re El­tern? Wa­ren sie nett

Va­gi­nis­mus hat vie­le Ur­sa­chen. Oft auch psy­chi­sche

und ver­ständ­nis­voll? Oder ha­ben Sie ein pro­ble­ma­ti­sches Ver­hält­nis zu den El­tern? Manch­mal sind Müt­ter er­drü­ckend und Vä­ter über­grif­fig. Hier wür­de ich Sie am liebs­ten per­sön­lich ken­nen­ler­nen, um die­se Punk­te mit Ih­nen zu klä­ren. Su­chen Sie doch ein­mal an Ih­rem Hei­mat­ort nach ei­ner er­fah­re­nen Se­xu­althe­ra­peu­tin oder ei­ner Psy­cho­lo­gin, die die­ses The­ma mit Ih­nen be­spricht.

Mög­li­cher­wei­se ha­ben Sie aber auch ein­fach „nur“kein un­be­schwer­tes Ver­hält­nis zu Ih­rem Kör­per und zu Ih­rer Se­xua­li­tät. Dann wür­de ich Ih­nen emp­feh­len, dass Sie sich zu­nächst im Spie­gel be­trach­ten, auch Ih­re Ge­ni­ta­li­en, und dann an­fan­gen, sich zu be­rüh­ren. Wie geht es Ih­nen da­bei? Es ist wich­tig, dass Sie ler­nen, Ih­ren In­tim­be­reich wahr­zu­neh­men und zu ak­zep­tie­ren, dass da un­ten et­was ist. Der Aus­druck „un­ten­rum“, den Sie ge­wählt ha­ben, könn­te für mich an­deu­ten, dass Sie nicht wirk­lich Be­scheid wis­sen, wie es „da“aus­sieht. Schau­en Sie hin. Neh­men Sie den Be­reich wahr.

Schmer­zen beim Sex ge­hen oft auf Va­gi­nis­mus zu­rück, und der ist ei­ne Pa­nik­re­ak­ti­on Ih­rer Va­gi­na. Un­ter­su­chun­gen im MRT, al­so in der Röh­re, ha­ben ge­zeigt, dass bei Angst und bei Va­gi­nis­mus die­sel­ben Be­rei­che ver­än­dert sind. Sie könn­ten al­so pa­ni­sche Angst vor et­was ha­ben, und des­we­gen ver­kramp­fen Sie. Die Lö­sung für Ihr Pro­blem be­steht dar­in, die Ur­sa­che der Angst zu su­chen und sich gleich­zei­tig mit Ih­rem Kör­per – der Ih­nen schon so vie­le Schmer­zen be­rei­tet hat – wie­der aus­zu­söh­nen. Viel­leicht schaf­fen Sie es al­lein. Viel­leicht brau­chen Sie auch the­ra­peu­ti­sche Hil­fe, um Ih­re Re­ak­tio­nen und Ge­füh­le zu ver­ste­hen. Bei­des ist okay.

Schei­denk ämp­fe kann man nicht be­wusst b­ eein­flus­sen­

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