Mit 50 ge­ben wir al­les!

Mit fast 50 be­ginnt für Pe­tra van Bre­men, 58, ein neu­es Le­ben! Sie ver­liebt sich, wird Bes­tA­ger-Mo­del und gibt krebs­kran­ken Frau­en neu­en Mut

Meins - - Inhalt - VON JA­NA PE­TRY

Pe­tra van Bre­men, 58, macht es vor: neue Lie­be, er­folg­reich als Best-Ager-Mo­del. Und sie will krebs­kran­ken Frau­en Mut ma­chen

Fast gleich­zei­tig be­tre­ten wir das Ham­bur­ger Ca­fé. Sie ist groß, ele­gant. Ih­re grau­en Haa­re fal­len in sanf­ten Wel­len. „Ei­nen Cap­puc­ci­no mit So­ja­milch, bit­te.“Die Kell­ne­rin schüt­telt be­dau­ernd den Kopf. „Und lak­to­se­freie Milch? Wenn Sie den Schaum rich­tig schön cre­mig be­kom­men, geht das auch.“Ih­re Wor­te sind be­stimmt, be­kom­men aber durch ih­ren wei­chen Ak­zent ei­nen war­men Klang. We­ni­ge Mi­nu­ten, die rei­chen, fas­zi­niert von der Hol­län­de­rin zu sein.

Pe­tras Le­ben äh­nelt ei­nem Mär­chen.

Erst die gro­ße Kar­rie­re in ih­rer hol­län­di­schen Hei­mat, in der sie sechs Be­triebs­stel­len ei­ner gro­ßen Per­so­nal­fir­ma führ­te. Dann traf sie un­ver­hofft die gro­ße Lie­be, für die sie al­les auf­gab. Ge­folgt von dem Durch­bruch als Best-Ager-Mo­del. So viel Glück muss man erst mal ha­ben! Sie lacht. Denn ne­ben ei­nem Fun­ken Glück hat­te sie vor al­lem im­mer eins: Wil­lens­kraft. „Ich den­ke nicht von A nach B, son­dern im­mer bis Z, dem Ziel. Ich wuss­te im­mer, wo ich hin­will. Und wenn ich da war, woll­te ich mehr.“

Ge­ra­de erst ist die ehr­gei­zi­ge Hol­län­de­rin 58 ge­wor­den. Angst vor dem Al­ter sucht man ver­ge­bens: „Ich ge­nie­ße die in­ne­re Ru­he, die ich heu­te ha­be. Ich brau­che nie­man­dem et­was zu be­wei­sen!“Um ih­re Bot­schaft nach au­ßen zu tra­gen, hat sie auch „dem ner­vi­gen Blon­die­ren“ein En­de ge­setzt. „Vie­le den­ken, Grau macht alt. Aber bin ich alt, nur weil ich grau bin? Nein! Frau­en ha­ben doch kein Min­dest­halt­bar­keits­da­tum! Wir dür­fen uns nicht un­sicht­bar füh­len, wel­ches Schick­sal wir auch tei­len!“, be­tont sie.

Den Traum vom Mo­deln hat­te sie schon als Mäd­chen, dann aber mit An­fang 20 für im­mer be­gra­ben: Sie

Vie­le den­ken, graue Haa­re ma­chen alt – aber bin ich alt? Nein!

mach­te ih­ren El­tern zu­lie­be ei­ne Aus­bil­dung als Fremd­spra­chen­se­kre­tä­rin, da sie flie­ßend Hol­län­disch, Fran­zö­sisch, Eng­lisch und Deutsch spricht. „Deutsch­land und die Spra­che la­gen mir im­mer be­son­ders am Her­zen.“Pe­tra hat ei­ne deut­sche Mut­ter, ist „so­gar in Gü­ters­loh ge­bo­ren“. Und wenn sich hier und da klei­ne Feh­ler ein­schlei­chen, nimmt sie es mit Hu­mor. Es ge­be „doch nichts Wich­ti­ge­res“, als über sich selbst zu la­chen.

Hol­land wird im­mer ih­re Hei­mat blei­ben,

auch wenn sie in­zwi­schen in Ham­burg lebt. Über zehn Jah­re ist es her, dass sie bei ei­nem Mit­tag­es­sen zu­fäl­lig den Mann traf, der al­les ver­än­der­te. „Ich ha­be im­mer an die gro­ße Lie­be ge­glaubt“, so die 58-Jäh­ri­ge. „Es klingt so kit­schig, aber als ich ihn sah, ha­be ich mich Hals über Kopf ver­liebt.“Sie ki­chert bei der Er­in­ne­rung an die­se ers­te Be­geg­nung. Ih­re Au­gen glän­zen, die Wan­gen er­rö­ten. Zu Be­ginn ist sie nur Ehe­frau, be­glei­tet ih­ren Mann auf Ge­schäfts­rei­sen, küm­mert sich um Haus, Gar­ten und den Fa­mi­li­en­hund. Doch im­mer mehr merkt sie, dass ihr et­was fehlt.

Bis zu der schick­sal­haf­ten Be­geg­nung an je­nem Abend: „Ich ging mit un­se­rem Hund spa­zie­ren, als er plötz­lich ste­hen blieb. Ich schau­te mich um, las das Klin­gel­schild vor. Ich war to­tal über­rascht: Ich stand vor der Agen­tur, bei der ich in mei­ner Ju­gend un­ter Ver­trag war.“Sie folgt „dem Ruf des Aben­teu­ers“, stellt sich in ih­rer al­ten Bran­che vor und kehrt mit 48 als Mo­del zu­rück. Nie­mals hät­te sie ge­dacht, dass ein Be­ruf dar­aus wer­den wür­de, sagt sie. Und wäh­rend ihr Come­back mit mul­mi­gem Ge­fühl bei ei­nem Un­ter­wä­sche-Shoo­ting be­gann, mo­delt sie heu­te für nam­haf­te De­si­gner.

Sie hört auf zu er­zäh­len, ih­re Au­gen blit­zen schel­misch. Da kommt doch noch was? Und rich­tig: „Ei­ne Be­au­ty­Kam­pa­gne für ein gro­ßes Kos­me­tik­un­ter­neh­men, das ist mein nächs­tes Z!“

Der Job ha­be nicht nur ihr Le­ben auf den Kopf ge­stellt, er ist auch ein gu­tes Stück Selbst­ver­wirk­li­chung, das sie zu­vor so ver­misst hat, sagt sie. Je­der Tag ist an­ders und auf­re­gend. So­ci­al Me­dia, E-Mails, Blog und Home­page rei­hen sich an Shoo­tings, Ter­mi­ne oder In­ter­views. So wie heu­te. Spä­ter will sie noch in die Agen­tur, ehe es ganz bo­den­stän­dig mit dem Bus nach Hau­se geht. Bei gu­tem Wet­ter fährt sie auf ih­rem Hol­land-Rad ein­kau­fen. „Ich lie­be es, an der fri­schen Luft zu sein und mich zu be­we­gen. Und ich be­geg­ne gern Men­schen.“Das tut sie beim Mo­deln, auf ih­ren Rei­sen (be­son­ders be­ein­druckt ist sie von In­di­en, dem Taj Mahal, „das Schöns­te, was ich je ge­se­hen ha­be“) – und in ih­ren En­ga­ge­ments.

Sie will Mut ma­chen,

en­ga­giert sich des­halb mit gan­zem Her­zen. Eins die­ser Her­zens­pro­jek­te ist die Ar­beit für die DKMS Li­fe. Ein­mal im Mo­nat kom­men et­wa zehn krebs­kran­ke Frau­en zu ei­nem Schminks­e­mi­nar bei der Deut­schen Krebs­ge­sell­schaft in Ham­burg zu­sam­men. Ge­mein­sam mit ei­ner Kos­me­ti­ke­rin nimmt sich Pe­tra der Frau­en an. „Ich ha­be die­sen Lei­dens­weg mit ei­ner Freun­din durch­ge­macht. Es ist so wich­tig, ih­nen bei­zu­ste­hen. Wir schen­ken ih­nen ein Stück Le­bens­freu­de, schaf­fen ei­nen Raum, den Krebs kur­ze Zeit zu ver­ges­sen. Und wir hel­fen, die äu­ßer­li­chen Sym­pto­me zu ka­schie­ren.“Be­son­ders be­rührt es sie, wenn die Frau­en ih­re Pe­rü­cken ab­le­gen: „Ich ha­be ganz gro­ßen Re­spekt vor ih­nen. Da­ge­gen wer­den al­le mei­ne Pro­ble­me ganz klein!“Glat­ze statt Lo­cken­mäh­ne – Schön­heits­idea­le wie die­se, von de­nen wir uns ein Stück be­frei­en soll­ten: „Wir ver­bin­den Haa­re so­fort mit Weib­lich­keit. Iden­ti­fi­zie­ren uns dar­über. Aber wir brau­chen sie nicht, um uns schön zu füh­len! Wir sind so viel mehr! Wir müs­sen uns nur trau­en, et­was zu ver­än­dern.“Ihr per­sön­li­ches Zei­chen für Ve­rän­de­rung hat Pe­tra mit ih­ren grau­en Haa­ren schon ge­setzt. •

In uns steckt viel mehr als Schön­heit. Wir müs­sen mu­ti­ger sein!

Pet as Welt Wie auf­re­gend das Le­ben mit 58 sein kann, zeigt das Mo­del auf sei­nem Ins­ta­gram-Ac­count. Mo­di­sche In­spi­ra­tio­nen oder Rei­se­bil­der, die Fern­weh we­cken, sind im­mer ei­nen Klick wert

KAFFeePäuScHen Pe­tra van Bre­men mit Vo­lon­tä­rin Ja­na Pe­try in Ham­burg

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