An­ja Schü­te:

Sie ist ein ge­frag­ter Se­ri­en­star – bis die Rol­len­an­ge­bo­te aus­blei­ben. Das stürzt An­ja Schü­te, 52, in ei­ne tie­fe Kri­se. Aber sie star­tet durch und baut sich ei­ne neue Exis­tenz auf

Meins - - Inhalt - VON KATH­RIN BEHR

„Die Kri­se hat mich stark ge­macht“

Für un­ser In­ter­view hat An­ja Schü­te, 52, das no­b­le „Ho­tel Stadt Ham­burg“in Wes­ter­land auf Sylt aus­ge­sucht. Die Ein­rich­tung ist ge­die­gen, ku­sche­lig, edel. An­ja Schü­te kommt mit schnel­len Schrit­ten an den Tisch, sie trägt ihr blon­des Haar of­fen, ei­nen wei­chen Kasch­mir­schal lo­cker um den Hals ge­schlun­gen, ihr Hän­de­druck ist fest, ih­re blau­en Au­gen strah­len mich an. „Was für ei­ne sym­pa­thi­sche Frau“, den­ke ich. „Schön, dass es mit uns bei­den klappt“, sagt sie und be­stellt für uns Was­ser, Weiß­wein­schor­le und Rei­be­ku­chen mit Lachs. Nach dem ers­ten Schluck er­zählt An­ja Schü­te of­fen und sehr ehr­lich über ihr Le­ben auf der In­sel Sylt, ih­ren Le­bens­part­ner Jörg Brunk­horst, ih­re Job-Kri­se, als plötz­lich mit über 40 kei­ne Rol­len­an­ge­bo­te mehr ka­men, wie sie es ge­schafft hat, sich wie­der ei­ne neue Exis­tenz auf­zu­bau­en, und wie sie „ih­re Bröt­chen ver­dient“, wie sie selbst sagt.

MEINS: Ist das schön hier, Sie le­ben hier ja im pa­ra­dies …

An­ja Schü­te: Ja, ich ge­nie­ße mein Le­ben hier sehr, an der See, mit­ten in der Na­tur. Wir ha­ben hier nicht die

MEINS: Wie ha­ben Sie den neu­en Job ge­fun­den? An­ja Schü­te: Ich bin ein­fach auf Hek­tik und Pro­ble­me wie in den Groß­städ­ten. Es ist schon wie in ei­ner an­de­ren Welt, ein klei­nes Pa­ra­dies. Wir sa­gen hier im­mer, Sylt ist nicht Deutsch­land (lacht).

MEINS: Aber Sie woh­nen doch auf dem Fest­land …

An­ja Schü­te: Ich bin ta­ge­wei­se auf Sylt und job­be hier. Dann ge­nie­ße ich aber auch das Land­le­ben in un­se­rem Reet­dach­haus in Nord­fries­land.

MEINS: Ha­ben Sie sich Ihr Le­ben ei­gent­lich so vor­ge­stellt?

An­ja Schü­te: Tat­säch­lich ha­be ich mir ganz viel vor­ge­stellt, was dann auch so ein­ge­trof­fen ist. Mir wur­de er­zählt, als Kind ha­be ich da­von ge­träumt, über ei­nen ro­ten Tep­pich zu lau­fen und Au­to­gram­me zu ge­ben. Vie­le Vi­sio­nen, die ich in mei­nem Kopf hat­te, sind dann auch so ein­ge­trof­fen. Ob es mein Sohn war, den ich mir bild­lich vor­ge­stellt hat­te und mit dem ich am Was­ser le­ben woll­te, oder mein Tref­fen mit mei­nem ers­ten Mann (Ro­land Kai­ser, Anm.

der Red.). Ich glau­be ein­fach an das Ge­setz des Uni­ver­sums.

MEINS: Wir ha­ben Sie lan­ge nicht im Fern­se­hen ge­se­hen, kön­nen Sie sich das er­klä­ren?

An­ja Schü­te: Mit den Rol­len­an­ge­bo­ten wird es im­mer schwie­ri­ger. Das ging bei mir so mit über 40 los. Vor ei­ni­gen Jah­ren ha­be ich noch mal bei al­len Cas­ting-Agen­tu­ren Deutsch­lands an­ge­klopft, um mich wie­der ins Ge­spräch für Rol­len zu brin­gen, aber es hat nicht ge­fruch­tet. Ich ha­be ei­ne tie­fe Pha­se der Trau­rig­keit hin­ter mir, wo ich ver­ste­hen und ak­zep­tie­ren ler­nen muss­te, dass ich mich um­ori­en­tie­ren muss. Wenn man sei­nen Be­ruf nicht mehr aus­üben darf, ent­steht ei­ne gro­ße Lee­re im In­ne­ren. Man ist ver­zwei­felt und wü­tend, weil man es nicht än­dern kann. Die gan­ze Fern­seh­land­schaft hat sich so ver­än­dert, es wur­de ja auch lan­ge Zeit viel we­ni­ger pro­du­ziert. Und es gibt so vie­le Kol­le­gen, die auch über zu we­nig An­fra­gen und An­ge­bo­te kla­gen, da fra­ge ich mich, wo­mit die ih­re Bröt­chen ver­die­nen.

MEINS: Vor der be­ruf­li­chen Kri­se zer­brach auch Ih­re Ehe mit Ro­land Kai­ser. Wie ha­ben Sie das er­lebt?

An­ja Schü­te: Ja, das wa­ren schlim­me Zei­ten für mich. Ich kom­me aus ei­ner hei­len Fa­mi­lie, da ist es be­son­ders schlimm, wenn die ei­ge­ne zer­bricht. Und es ist schwer, sich ein­zu­ge­ste­hen, dass man es nicht ge­schafft hat, die Ehe auf­recht­zu­er­hal­ten, und mit ei­nem Kind al­lein bleibt.

MEINS: Wie ist denn das Ver­hält­nis heu­te zu Ih­rem Ex-Mann?

An­ja Schü­te: Wir ver­ste­hen uns gut und zie­hen an ei­nem Strang. Wir ha­ben ein The­ma, das ist un­ser Sohn. Es gab schlech­te Zei­ten, und jetzt ha­ben wir gu­te Zei­ten.

MEINS: Sie ha­ben sich ein zwei­tes Stand­bein auf­ge­baut und ar­bei­ten in ei­nem Mo­de-ge­schäft …

An­ja Schü­te: Ja, und ich weiß gar nicht, was dar­an so ver­werf­lich sein soll, in ei­nem Ge­schäft zu ar­bei­ten. Das, was ich tue, macht mir schließ­lich auch viel Spaß. Ich ha­be viel mit Men­schen zu tun und sit­ze nicht zu Hau­se und war­te, dass das Te­le­fon klin­gelt. Ich neh­me am Le­ben wei­ter teil.

MEINS: dann ha­ben Sie ja ei­nen kom­plet­ten Neu­an­fang hin­ge­legt …

An­ja Schü­te: Ich muss­te mich neu plat­zie­ren im Le­ben, mein al­tes Le­ben ad ac­ta le­gen und mich neu fin­den in der Ge­sell­schaft, mich neu ori­en­tie­ren. Ich bin heu­te froh, dass ich die­se Er­fah­rung ge­macht ha­be. Na­tür­lich freue ich mich über gu­te Rol­len­an­ge­bo­te. Aber ich war­te eben nicht mehr dar­auf.

Sylt in ein Ge­schäft rein­ge­gan­gen – man kennt sich hier – und ha­be di­rekt ge­fragt, ob ich dort ar­bei­ten kann. Das hat ge­klappt. Heu­te ar­bei­te ich für ein Lu­xus­la­bel. Und ich weiß heu­te, dass ich gern Ve­rän­de­rung ha­be. Still­stand ist für mich Hor­ror.

MEINS: Wer­den Sie von den Kun­den im Ge­schäft er­kannt?

an­ja Schü­te: Sehr oft, die Kun­den fra­gen mich auch im­mer: „Wann se­hen wir Sie denn wie­der im Fern­se­hen, Frau Schü­te?“Das fin­de ich ganz rüh­rend. Mein Le­ben in dem Ge­schäft ist ein Teil mei­nes Le­bens ge­wor­den. Ich ha­be mit mei­ner neu­en Auf­ga­be Freund­schaft ge­schlos­sen.

MEINS: ha­ben Sie ein Re­zept, wie man Kri­sen be­wäl­ti­gen kann?

an­ja Schü­te: Was mir viel Kraft ge­ge­ben hat, war mei­ne Hün­din, die erst kürz­lich ge­stor­ben ist. Ich bin froh, dass der Hund in schwe­ren Zei­ten an mei­ner Sei­te war. Dann kann man sich bei dem Tier auch mal aus­wei­nen. Und was im­mer ab­lenkt, ist Ar­beit. Und wenn man nichts zu tun hat, dann ist das na­tür­lich schwe­rer. Aber letzt­end­lich ist es dann doch der Part­ner, der ei­nen durch schwe­re Zei­ten trägt.

MEINS: aber heu­te geht es Ih­nen wie­der gut …

an­ja Schü­te: (Lacht.) Ja, ich bin wie­der an Deck, bin ei­ne rei­ne Op­ti­mis­tin. Na­tür­lich bin ich nicht ganz frei von Ängs­ten, vor al­lem was den Ver­lust von ge­lieb­ten Men­schen an­geht.

MEINS: Wie wür­den Sie Ihr Le­bens­ge­fühl be­schrei­ben? an­ja Schü­te: Vol­ler Ener­gie und ganz bei mir.

MEINS: Was ist heu­te bes­ser als frü­her?

an­ja Schü­te: Ich bin heu­te ei­ne viel bes­se­re Part­ne­rin in ei­ner Be­zie­hung als mit Mit­te 20. Rück­bli­ckend sieht man, wel­che Feh­ler man ge­macht hat. Und ich weiß heu­te, was ich nicht mehr möch­te. Ich scheue Kon­flik­te nicht mehr, frü­her bin ich ab­ge­hau­en, wenn es eng wur­de. Heu­te blei­be ich und tra­ge den Kon­flikt aus. All das gibt ei­nem Selbst­ver­trau­en.

MEINS: Gibt’s noch mehr, das sich mit dem Äl­ter­wer­den ge­än­dert hat?

an­ja Schü­te: Ich stel­le im­mer mehr fest, dass ich nicht mehr ein sol­cher Kon­su­ment bin wie frü­her, ich kau­fe viel we­ni­ger. Es ist mir nicht mehr so wich­tig. Es passt auch nicht mehr in die Zeit, wir ha­ben doch al­les im Schrank. Wir le­ben in ei­ner Zeit, wo we­ni­ger mehr ist. Wir müs­sen uns klar­ma­chen, was uns wirk­lich glück­lich macht.

MEINS: Was ha­ben Sie vom Le­ben ge­lernt?

an­ja Schü­te: Ich weiß heu­te, dass man im Le­ben vie­le Prü­fun­gen zu be­ste­hen hat, das gan­ze Le­ben ist ei­ne stän­di­ge Prü­fung, fin­de ich. Man wird im­mer wie­der ge­for­dert, im­mer wie­der müs­sen wir über uns hin­aus­wach­sen. Aber das be­rei­chert dich auch spä­ter und macht dich stark. Es lässt ei­nen zu ei­nem er­wach­se­nen Men­schen rei­fen.

MEINS: Was wür­den Sie jun­gen Frau­en heu­te ra­ten?

an­ja Schü­te: Un­ab­hän­gig­keit ist das Wich­tigs­te. Ich las­se mir nicht gern sa­gen, was ich zu tun und zu las­sen ha­be. Ich ste­he gern auf ei­ge­nen Bei­nen, ich bin ein frei­es, al­tes Mäd­chen (lacht).

MEINS: Was ha­ben Sie denn für ei­nen Wunsch für die Zu­kunft?

an­ja Schü­te: Ich wür­de in Zu­kunft gern mehr in der Son­ne sein, Mallor­ca wä­re mein Traum.

MEINS: Wür­den Sie noch mal hei­ra­ten? an­ja Schü­te: (Lacht.) Ja, na klar! MEINS: ha­ben Sie ein Le­bens­mot­to? an­ja Schü­te: Im­mer lo­cker blei­ben. Ge­nie­ßen kön­nen. Das le­be ich. •

Heu­te neh­me ich wie­deR am Le­ben teil StRANd­SpA­zIER­gANg An­ja Schü­te liebt es, sich am Strand den Wind und die sal­zi­ge Luft um die Na­se we­hen zu las­sen

Ich bin ei­ne ei­ne R Op­ti­mis­tin

AN­gE­KOM­MEN Heu­te weiß An­ja Schü­te, was für sie gut ist, und fühlt sich, wie sie selbst sagt, „vol­ler Ener­gie“

Still­stand? Das ist nichts fü mich

Mein Le­bens­mot­to? Im­me lo­ckeR blei­ben und ge­nie­ßen

LE­bENS

MENSch Seit sechs Jah­ren ge­hört ihr Herz dem Syl­ter Ho­te­lier Jörg Brunk­horst, 54. Hoch­zeit nicht aus­ge­schlos­sen

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.