Seit 82 Jah­Ren ein Klee­blatt

Meins - - Mein Leben -

Al­le paar Mo­na­te tref­fen sich Hel­ga d’Har­gues, Thea Nup­nau, Ur­sel Bur­nitz und Ka­rin Jan­beck zum Mit­tag­es­sen. Die vier ken­nen sich von Kin­des­bei­nen an und tei­len Er­in­ne­run­gen ei­nes gan­zen Le­bens. Das letz­te Mal wa­ren wir da­bei. „Die Gol­den Girls von der Als­ter“nen­nen sich die vier. Sie ge­hen zu­sam­men zur Volks­schu­le, spä­ter aufs Gym­na­si­um. Im Krieg wer­den sie zeit­gleich aus­ge­bombt und kom­men mit ih­ren Fa­mi­li­en al­le wo­an­ders un­ter. „Da ha­ben wir uns aus den Au­gen ver­lo­ren“, er­in­nert sich Thea – und hält ei­nen Mo­ment in­ne. Aber al­le keh­ren in ih­re Hei­mat­stadt zu­rück und tref­fen sich durch Zu­fall wie­der, mal auf der Stra­ße, mal in der hö­he­ren Han­dels­schu­le. Die Ham­bur­ger Deerns ge­hen in den Be­ruf, hei­ra­ten, be­kom­men Kin­der. „Für die da­ma­li­ge Zeit ha­ben wir spät ge­hei­ra­tet. Wir wa­ren ja schon En­de 20“, be­merkt Ur­sel. „Man muss­te ja auch erst mal den Rich­ti­gen fin­den“, sagt Thea. Ur­sel und Ka­rin er­war­ten im sel­ben Jahr ihr ers­tes Kind, im Jahr 1960. Mit der Fa­mi­li­en­grün­dung lässt der Kon­takt nach. „Wenn wir uns brauch­ten, wa­ren wir für­ein­an­der da, ha­ben aber nicht ge­klam­mert. Wir sind halt kei­ne Pöt­te­kie­ker“, sagt Ka­rin. Ge­nau dar­in liegt wohl das Ge­heim­nis ih­rer Freund­schaft. Pöt­te­kie­ker ist platt­deutsch und be­zeich­net Men­schen, die gern in die Koch­töp­fe an­de­rer Leu­te gu­cken und sich um de­ren An­ge­le­gen­hei­ten küm­mern. „Wir ha­ben nie ge­fragt: ‚Wie viel Geld hast du?‘ oder ‚Wie läuft es denn im Bett?‘. Wir sind ein­fach kei­ne Frau­en, die bis ins kleins­te De­tail nach­ha­ken“, er­klärt Hel­ga. „Heu­te hal­ten das vie­le Frau­en an­ders. Und so ver­rückt es auch klingt: Streit gibt es bei uns nicht.“– „Von Zan­ke­rei­en, als wir jung wa­ren, mal ab­ge­se­hen“, wirft Thea ein. Die Freun­din­nen la­chen. Ih­re Freund­schaft hat auch ih­re Män­ner über­lebt. In­zwi­schen sind die Ham­bur­ge­rin­nen Wit­wen. Um­so mehr wis­sen sie auch wie­der ih­re Freund­schaft zu schät­zen.

freund­schaft ver­än­dert sich mit den jah­ren.

So ha­ben wir im Al­ter oft mehr Tief­gang und ei­nen aus­ge­präg­ten Hu­mor, Kon­kur­renz­den­ken ist kein The­ma mehr. Wir den­ken nicht: „Mist, die kriegt die schi­cke­ren Jungs!“oder „Die hat den bes­se­ren Job, kommt schnel­ler wei­ter.“Wir sind jetzt bei uns an­ge­kom­men, müs­sen nicht mehr per­ma­nent ver­glei­chen.

Und wir sind auch an­ders als die Ge­ne­ra­tio­nen 50+ zu­vor. Wir sind fit­ter, ak­ti­ver, un­ter­neh­mungs­lus­ti­ger. Wir wol­len nicht dar­auf war­ten, die En­kel zu be­tü­tern, und uns aufs Al­ten­teil zu­rück­zie­hen. Wir wol­len die Zeit nach dem Fa­mi­li­en- und Be­rufs­stress ge­nie­ßen. Vi­el­leicht noch ein­mal neu durch­star­ten. Arm in Arm mit un­se­ren bes­ten Freun­din­nen, die uns er­mu­ti­gen und brem­sen, un­ter­stüt­zen und trös­ten, kurz: im­mer wis­sen, wo wir gera­de ste­hen. Denn dar­in sind wir Frau­en ein­fach ganz schön gut! Wir sind An­ker­platz und Weg­wei­ser zu­gleich. Für die Frau­en, die uns am Her­zen lie­gen. Sei­en es zwölf wie bei Bri­git­te, 53. Oder ei­ne Her­zens­freun­din wie bei Ute, 66. •

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