Neu­an­fang

Hel­ga, 65, hat sich ei­nen lang ge­heg­ten Traum er­füllt

Meins - - Inhalt - VON CHRIS­TI­NA WÜ­SE­KE

Schnup­pern Sie doch mal“, sagt Hel­ga und öff­net die Do­se. Der In­halt riecht frisch, nach Fleisch, Ge­mü­se, Obst und Kräu­tern. Für Hun­de­fut­ter gar nicht schlecht … Hel­ga lacht. „Al­le Zu­ta­ten stam­men aus dem Le­bens­mit­tel­be­reich, schme­cken wür­de uns das Fut­ter aber nicht – es sind we­der Ge­wür­ze noch Zu­cker ent­hal­ten.“

Ge­sun­de Er­näh­rung lag der So­lin­ge­rin seit je­her am Her­zen. Auch wenn es um den Fa­mi­li­en­hund ging. Für ihn zu ko­chen war für sie selbst­ver­ständ­lich. „Al­ler­dings war da auch im­mer der Wunsch, mich ir­gend­wann für ge­sun­de Hun­de­er­näh­rung ein­zu­set­zen, mein ei­ge­nes Pro­dukt her­aus­zu­brin­gen.“Ih­re Au­gen leuch­ten: Sie hat es ge­schafft! Das Pre­mi­um-Fut­ter, das sie in den Hän­den hält, stammt aus ih­rer ei­ge­nen Her­stel­lung.

Als die Kin­der aus dem Haus sind, packt Hel­ga ih­ren Traum an: Um auf dem ak­tu­el­len Wis­sens­stand zu sein, lässt sie sich von 2010 bis 2012 zur Er­näh­rungs­be­ra­te­rin Fach­rich­tung Hund aus­bil­den und grün­det noch im glei­chen Jahr die Fir­ma Har­dys Ma­nu­fak­tur. Har­dy, so hieß der letz­te Hund der Fa­mi­lie. „Er war wirk­lich et­was ganz Be­son­de­res – mein Un­ter­neh­men ist auch ein An­denken an ihn.“

Von Haus aus ist Hel­ga Kauf­frau, sie hat in Kon­zer­nen, mit­tel­stän­di­schen Un­ter­neh­men und zum Schluss in der Wer­be­agen­tur ih­res Man­nes ge­ar­bei­tet. Die Agen­tur ist auch Un­ter­neh­mens­sitz von Har­dys Ma­nu­fak­tur. „Mein kauf­män­ni­sches Know-how hat mir na­tür­lich ge­hol­fen, den­noch muss­te ich viel da­zu­ler­nen.“

Ur­sprüng­lich woll­te sie mit ei­nem Metz­ger­be­trieb aus dem Ort zu­sam­men­ar­bei­ten, schei­ter­te aber letzt­lich an den Be­hör­den. Der Metz­ger durf­te kein Hun­de­fut­ter pro­du­zie­ren. „Das war ein her­ber Rück­schlag. Mein Mann Hans Gerd und un­se­re bei­den Kin­der wa­ren da­mals ein gro­ßer Rück­halt für mich.“Wo ein Wil­le ist, ist auch ein Weg: Ge­mein­sam über­le­gen sie, wie sie das Fut­ter auf den Markt be­kom­men. „Ei­ne ei­ge­ne Pro­duk­ti­ons­stät­te hät­ten wir fi­nan­zi­ell nicht stem­men kön­nen. Nach lan­ger Re­cher­che stie­ßen wir auf ei­nen Ab­füll­be­trieb in Nord­deutsch­land, der auf Pre­mi­um­Hun­de­nah­rung spe­zia­li­siert ist.“

26 000 Do­sen sind ab­ge­füllt, aber kein Ab­neh­mer in Sicht

2013 geht das Fut­ter in Pro­duk­ti­on. Hel­ga reicht ih­re Re­zep­te ein. Um das

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De­sign von Kon­ser­ven, Eti­ket­ten, um die Wer­bung ge­ne­rell, küm­mern sich ihr Mann und ihr Sohn – sie sind ja vom Fach. 26 000 Do­sen wer­den ab­ge­füllt. „Zu sa­gen, da las­te­te kein Druck auf mir, wä­re ge­lo­gen“, gibt Hel­ga zu.

Sie zieht los, be­treibt Ak­qui­se und muss fest­stel­len: Sie ist nicht die Ein­zi­ge, die mit ge­sun­der Hun­de­na­tur­kost un­ter­wegs ist. Erst sind es nur klei­ne Fach­ge­schäf­te, die „Har­dys Traum“in ih­ren Re­ga­len plat­zie­ren, dann folgt der Groß­han­del So­lin­gen und schließ­lich die größ­te Fach­han­dels­ket­te für Ti­er­nah­rung. Und Hel­ga hat noch ei­ne Idee: In Zu­sam­men­ar­beit mit der Ham­bur­ger Star­kö­chin Cor­ne­lia Po­let­to bringt sie 2015 ei­ne ex­klu­si­ve Hun­de­fut­ter-Li­nie her­aus. „Dass wir sie ge­win­nen konn­ten, hat mich wahn­sin­nig ge­freut. Das hat un­se­re Be­kannt­heit noch mal er­höht.“Sie lä­chelt. Das Be­son­de­re an den Pro­duk­ten von Har­dys Ma­nu­fak­tur ist, dass kon­se­quent auf Kon­ser­vie­rungs­stof­fe, Ge­schmacks­ver­stär­ker und Aro­men ver­zich­tet wird – und al­le In­halts­stof­fe sind de­kla­riert.

Es macht so viel Spaß, dass Ru­he­stand kein The­ma ist

Auch Be­loh­nungs­kek­se und Kräu­ter gibt es mitt­ler­wei­le im Sor­ti­ment. „Es wird“, sagt Hel­ga. Bis­lang er­zielt ihr Un­ter­neh­men noch kei­nen Ge­winn, al­le Ein­nah­men hat sie di­rekt wie­der in­ves­tiert. „Die Agen­tur hält uns am Le­ben. Aber En­de die­ses Jah­res dürf­te ein hel­ler Strei­fen am Ho­ri­zont zu se­hen sein.“Schon jetzt ar­bei­ten Sohn Jan und Toch­ter Ma­rei­ke in der Fir­ma mit. „Mein Wunsch ist es, den bei­den ein ge­sun­des Un­ter­neh­men über­ge­ben zu kön­nen.“Wann das ist, steht in den Ster­nen. „Die Ar­beit macht mir viel zu viel Spaß, als dass ich übers Auf­hö­ren nach­den­ken wür­de.“•

Ein StAr­kES tEAm Hel­ga mit ih­rem Sohn Jan – er küm­mert sich um das mar­ke­ting

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