isabella ros­sel­li­ni

Auf ih­rem Bio-Hof fühlt sie sich pu­del­wohl

Meins - - Inhalt - VON AN­KE GAP­PEL

Ein biss­chen auf­ge­regt bin ich schon, als ich zum In­ter­view­Ter­min flie­ge. Im­mer­hin tref­fe ich Isabella Ros­sel­li­ni, Schau­spie­le­rin, Mo­del-Iko­ne und be­rühm­te Toch­ter von Schau­spielLe­gen­de In­grid Berg­man. Sie ist nach Deutsch­land ge­kom­men, um ihr neu­es Buch vor­zu­stel­len. Und dann ste­he ich ihr ge­gen­über: ei­ner Frau von 64 Jah­ren – mit wei­ßer Blu­se un­term schwar­zen Trä­ger­rock, die Haa­re zum Pa­gen­kopf ge­schnit­ten, de­zent ge­schminkt. Ei­ne ganz nor­ma­le Frau. „Hi, ich bin Isabella“, sagt sie zur Be­grü­ßung. „Ich freue mich, Sie ken­nen­zu­ler­nen.“Ihr Eng­lisch klingt me­lo­disch, mit rei­zen­dem ita­lie­ni­schem Ak­zent, ihr Lä­cheln ist weich, die Au­gen blit­zen. Wow, welch ei­ne Aus­strah­lung, den­ke ich. Und mit die­ser tol­len Frau, Mar­ken-Bot­schaf­te­rin von Lan­côme, soll ich über Hüh­ner re­den? Na dann: Let’s go!

MEINS: Isabella, wir wol­len über Ihr neu­es Buch spre­chen. Über Hüh­ner. War­um aus­ge­rech­net Hüh­ner?

Isabella Ros­sel­li­ni: Ich ha­be auf mei­ner Farm auf Long Is­land vie­le Tie­re und lie­be sie sehr. Na ja, und plötz­lich hat­ten al­le Nach­barn Hüh­ner – ein rich­ti­ger Trend (lacht). Ich ha­be vor Jah­ren mei­nen Uni-Ab­schluss in Ver­hal­tens­the­ra­pie ge­macht, wuss­te, wie Hun­de und Scha­fe ti­cken. Aber

Hüh­ner? Kei­ne Ah­nung! Dar­über woll­te ich mehr wis­sen. MEINS: Was mö­gen Sie an Hüh­nern?

Isabella Ros­sel­li­ni: Erst ein­mal möch­te ich be­to­nen, dass ich ab­so­lut ge­gen Mas­sen­tier­hal­tung bin. Das ist ei­ne ech­te Saue­rei! Aber Hüh­ner sind ja vie­len Men­schen egal. Da­bei ist Ar­ten­viel­falt so wich­tig. Dar­um züch­te ich al­te Ras­sen, so­ge­nann­te He­ri­ta­ge Chi­cken Breeds, die ha­ben noch ge­sun­de Ge­ne, die sie an ih­re Kü­ken wei­ter­ge­ben. Was ich noch an Hüh­nern mag? Sie sind viel bes­ser als ihr Ruf. In­tel­li­gen­ter, klü­ger. Wuss­ten Sie, dass sie zum Bei­spiel mehr Far­ben se­hen als wir Men­schen? Wir ha­ben nur drei Farb­re­zep­to­ren, sie vier! Und

zäh­len kön­nen sie auch. Hüh­ner er­ken­nen bis zu 100 Art­ge­nos­sen in ih­rem Stall, so­gar ein­zel­ne Men­schen.

MEINS: das klingt ja, als wä­ren Sie rich­tig stolz auf Ih­re Hen­nen …

Isabella Ros­sel­li­ni: Ja, das bin ich. Sie sind so selbst­be­wusst. Ha­ben ei­nen tol­len Cha­rak­ter. Neh­men wir mal Ame­lia Ear­hart – ich ha­be sie nach der be­rühm­ten ame­ri­ka­ni­schen Flug­pio­nie­rin be­nannt. Sie weiß ge­nau, dass sie nicht in mein Wohn­zim­mer darf. Sie wis­sen schon, we­gen der Hüh­ner­ka … Aber sie liebt nun mal mein wei­ßes So­fa, da thront sie wie ei­ne Kö­ni­gin, und ihr ro­ter Kamm sieht aus wie ei­ne Kro­ne. Ich kann ihr ein­fach nicht bö­se sein! MEINS: Was ist noch „chi­cken­li­ke“? Isabella Ros­sel­li­ni: Ich fin­de, man­che von ih­nen se­hen aus wie ech­te Mo­dels. Nicht wie die­se jun­gen, fast ma­ger­süch­tig wir­ken­den, be­dau­erns­wer­ten Mäd­chen auf den Lauf­ste­gen heu­te, son­dern wie rich­ti­ge La­dys. MEINS: Wie sieht denn für Sie ei­ne rich­ti­ge Hüh­ner-la­dy aus? Isabella Ros­sel­li­ni: Gu­cken Sie mal (Isabella blät­tert in ih­rem Buch), die­se Hen­ne der Ras­se Cochin hat ein tol­les blau-sil­ber­nes Fe­der­kleid. Es er­in­nert

an den New Look der 50er von Chris­ti­an Di­or: en­ge Tail­le, schma­le Schul­tern, be­ton­te Brüs­te. Schön, oder? MEINS: apro­pos schön – seit Kur­zem sind Sie Mo­de-Bot­schaf­te­rin der Kos­me­tik-Mar­ke lan­côme. Sind Sie stolz, wie­der in der Bran­che zu sein? Isabella Ros­sel­li­ni: Klar bin ich glück­lich, nach 22 Jah­ren wie­der für Lan­côme vor der Ka­me­ra zu ste­hen.

MEINS: Sie wa­ren in den 80ern und 90ern das Ge­sicht von lan­côme. Was hat sich zu da­mals ver­än­dert?

Isabella Ros­sel­li­ni: Da­mals hat man mir zum Ab­schied ge­sagt, dass ich mit 40 zu alt sei, um Frau­en zu re­prä­sen­tie­ren. Heu­te, mit 64, scheint das an­ders zu sein. Und war­um? Heu­te setzt man auf die mo­der­ne Frau. Und das be­deu­tet nicht nur Ver­füh­rung und Sex-Ap­peal – wir mo­der­nen rei­fen Frau­en wer­fen an­de­res in die Waag­scha­le: Stär­ke, Zuf­rie­den­heit, Glück. MEINS: Was be­deu­tet für Sie Glück? Isabella Ros­sel­li­ni: Frei­heit, Selbst­be­stim­mung. Ich kann ein­fach ich sein. Aber: Wich­tig ist vor al­lem, ge­sund zu blei­ben. MEINS: und was tun Sie da­für? Isabella Ros­sel­li­ni:

Ich tref­fe mich mit mei­nen Freun­din­nen zum Schwim­men, ein-, zwei­mal die Wo­che. Und ich es­se Bio-Ge­mü­se, das ich selbst an­baue. MEINS: und was ist mit Fleisch? Isabella Ros­sel­li­ni: Sie wol­len wis­sen, ob ich ge­bra­te­ne Hühn­chen es­se? (Lacht.) Ja, gern so­gar. Nur nicht mei­ne ei­ge­nen. Aber sie le­gen so wun­der­ba­re Eier. Ich fin­de, ein Ei zum Früh­stück ist der bes­te Start in den Tag. •

Heu­te setzt man mehr auf die mo­der­ne, rei­fe Frau

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