Best fri­ends

Was uns Freund­schaft be­deu­tet

Meins - - Inhalt - VON CHRIS­TI­NA WÜ­SE­KE

Män­ner re­den über Er­fol­ge, Frau­en über ih­re Schwä­chen

Sie ist im­mer für uns da. Sie ver­steht auch un­se­re Halb­sät­ze. Sie kennt un­se­re Ge­schich­te, weiß, dass uns Hän­dels „Hal­le­lu­ja“zu Trä­nen rührt. Wie es un­se­ren El­tern geht. Und wo­vor wir uns fürch­ten. Kurz­um, sie weiß al­les: un­se­re bes­te Freun­din. Wir müs­sen ihr nichts er­klä­ren. Sie fragt nach den rich­ti­gen Din­gen. Und bringt uns im­mer, im­mer wie­der zum La­chen. Ein Te­le­fon­ge­spräch mit ihr ist bes­ser als je­de Pil­le.

Ob man da­von ei­ne ein­zi­ge hat oder meh­re­re, ist völ­lig egal. Ei­ni­ge ha­ben auch Freun­din­nen für je­de Si­tua­ti­on und Ge­müts­la­ge. Ei­ne, mit der sie im­mer aus­ge­hen. Ei­ne, die im­mer trös­tet. Ei­ne, mit der sie ,in Kul­tur‘ ma­chen. Das ist nicht ent­schei­dend. Ent­schei­dend ist die In­ten­si­tät.

Denn Frau­en­freund­schaf­ten sind wich­ti­ge Pfei­ler un­se­res Le­bens. An­ders als bei Män­ner­freund­schaf­ten – wo sich die Ge­sprä­che gern um Er­fol­ge, Sport und Po­li­tik dre­hen – geht es bei uns um uns. Wir ken­nen den an­de­ren Men­schen und schät­zen ihn. Wit­zi­ger­wei­se ver­su­chen wir noch nicht ein­mal, ihn zu ver­än­dern. Wäh­rend wir am Gat­ten nie­mals auf­hö­ren, ihn mit „Ver­bes­se­rungs­vor­schlä­gen“zu tor­pe­die­ren (er wird es „nör­geln“nen­nen), lie­ben wir un­se­re Freun­din ge­nau so, wie sie ist. Gera­de da­für, dass sie even­tu­ell an­ders ist.

Bes­te Freun­din­nen brau­chen wir wie die Luft zum At­men. Weil wir zwei Grund­pro­ble­me im Le­ben ha­ben: Ein­sam­keit und Un­si­cher­heit. „Des­halb sind wir auf in­ten­si­ve Freund­schaf­ten an­ge­wie­sen, um uns si­cher und auf­ge­ho­ben zu füh­len.“Laut Dr. Wolf­gang Krü­ger, Psy­cho­the­ra­peut und Au­tor von „Freund­schaft: be­gin­nen, ver­bes­sern, ge­stal­ten“brau­chen wir da­zu im Durch­schnitt drei Her­zens­freun­de und ei­nen Freun­des­kreis. „Das er­gibt das so­zia­le Dorf, das uns Sta­bi­li­tät ver­mit­telt. Oh­ne wür­den wir ver­mehrt un­ter Angst­zu­stän­den und De­pres­sio­nen lei­den.“

Tat­säch­lich ver­län­gern Freun­de un­ser Le­ben.

For­scher ver­mu­ten, dass sie ei­ne Art Puf­fer sind, der die Wir­kung von Stress dämpft. Wer kei­ne gu­te Freun­din hat, dem scha­det das ge­sund­heit­lich min­des­tens ge­nau­so wie star­kes Rau­chen oder Über­ge­wicht, er­gab ei­ne Har­vard-Stu­die. Und nicht zu­letzt ma­chen uns Freun­din­nen stark: In ih­rer Ge­gen­wart er­schei­nen Pro­ble­me klei­ner. Bri­ti­sche Psy­cho­lo­gen be­wie­sen, dass Ber­ge fla­cher wir­ken, so­bald wir ei­nen Freund da­bei ha­ben. Und dass Schmer­zen als we­ni­ger in­ten­siv emp­fun­den wer­den.

Und gera­de mit zu­neh­men­dem Al­ter wer­den Freund­schaf­ten wie­der wich­ti­ger. Wäh­rend wir in den mitt­le­ren Le­bens­jah­ren ex­trem viel mit Mann, Kind, even­tu­ell noch mit Be­ruf und Kar­rie­re zu tun hat­ten, sich al­les dar­um dreh­te, „das Rad am Lau­fen zu hal­ten“– sind wir mit 50+ dort an­ge­kom­men, wo wir uns auf uns be­sin­nen. Die Kin­der sind aus dem Haus. Der Mann hat dann doch an­de­re In­ter­es­sen als wir. Will nicht rei­sen oder zu viel. In­ter­es­siert sich für Sport, aber nur, wenn er ihn vom So­fa aus se­hen kann. Was al­so tun? Ganz ge­nau, sich wie­der auf die be­sin­nen, die wir uns aus­ge­sucht ha­ben, weil sie ähn­lich ti­cken wie wir. Oder so an­ders sind, dass sie un­ser Le­ben ex­trem be­rei­chern.

ham­bur­gEr dEErNs Hel­ga, 87, Thea, 87, Ur­sel, 87, und Ka­rin, 86, lie­ben ihr Ham­burg und die Als­ter

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