Iris Ber­ben:

„Mein Be­au­ty-Ge­heim­nis? Das Jetzt zu fei­ern!“

Meins - - Inhalt - VON KATH­RIN BEHR

Punkt zehn Uhr er­scheint sie zum In­ter­view und Fo­to­shoo­ting – su­per­pünkt­lich! Ein Voll­pro­fi eben. Iris Ber­ben, 66, kommt auf mich zu, drückt mir fest die Hand, strahlt mich aus ih­ren war­men brau­nen Au­gen an. Sehr zier­lich ist sie, da­bei eben­so lus­tig, selbst­iro­nisch, tem­pe­ra­ment­voll. Mensch, die hat Esprit, den­ke ich. Und wäh­rend sie ih­ren frisch auf­ge­brüh­ten Ing­wer­tee trinkt, plau­dern wir über se­xy Frau­en 50 plus, Äl­ter­wer­den und das Le­ben.

mEinS: Herz­li­chen Glück­wunsch, lie­be iris Ber­ben. Sie ha­ben in un­se­rer um­fra­ge „Frau­en 50 plus mit dem größ­ten Sex-Ap­peal“ge­won­nen. Was ist das Ge­heim­nis ih­rer Aus­strah­lung, ih­res Sex-Ap­peals?

iris Ber­ben: Oh, da müss­te man erst ein­mal an­fan­gen mit der De­fi­ni­ti­on von Sex-Ap­peal … mEinS: Was wä­re ih­re De­fi­ni­ti­on, hat es mit Ero­tik zu tun?

iris Ber­ben: Nicht un­be­dingt mit Ero­tik, aber auf je­den Fall mit Sinn­lich­keit. Na­tür­lich­keit ist auch ei­ne ero­ti­sche Aus­strah­lung, ei­ne schö­ne Aus­strah­lung. Aber ich für mich wür­de sa­gen, dass sinn­lich der viel pas­sen­de­re Aus­druck ist, erst recht für mein Al­ter.

Hal­tung und Sinn­lich­keit sind Merk­ma­le ei­nes ge­leb­ten Le­bens

Ge­las­sen­heit im Al­teR? Da auf R waR te ich noch!

MEINS: Was ist Sinn­lich­keit für Sie?

Iris Ber­ben: Sinn­lich­keit heißt doch, man ist fä­hig, mit al­len Sin­nen zu spü­ren, al­les um sich her­um wahr­zu­neh­men. In den schö­nen Mo­men­ten zu füh­len, zu se­hen, zu rie­chen, zu schme­cken, zu ge­nie­ßen, die­sen wun­der­ba­ren Mo­ment in mich auf­neh­men. Aber Sinn­lich­keit spü­ren zu kön­nen heißt auch, dass wir ei­ne Hal­tung zu ge­wis­sen Din­gen ha­ben soll­ten. Und Hal­tung und Sinn­lich­keit sind doch tol­le Merk­ma­le ei­nes ge­leb­ten Le­bens. Wenn man mir die­se At­tri­bu­te zu­schreibt, freue ich mich sehr über die­se Wahl (lacht). MEINS: Wie vie­le Hei­rats­an­trä­ge ha­ben Sie be­kom­men? Iris Ber­ben: (Formt Dau­men und Zei­ge­fin­ger zu ei­ner 0.) Na­da, null. MEINS: das kann ich nicht glau­ben. Iris Ber­ben: (Sie zuckt ver­schmitzt mit den Schul­tern.) Dann nicht (lacht). MEINS: Sie ha­ben vor Jah­ren das Buch „äl­ter wer­de ich spä­ter“ge­schrie­ben. Wann ist die­ses „Spä­ter“? Iris Ber­ben: Ja, es ist im­mer noch nicht da (lacht). Die­ser Buch­ti­tel ist na­tür­lich ei­ne Me­ta­pher ge­we­sen, denn es soll­te be­deu­ten, dass man das Le­ben in je­dem Al­ter mit al­len Mög­lich­kei­ten, die ei­nem zur Ver­fü­gung ste­hen, auch wahr­nimmt.

MEINS: Was mei­nen Sie da­mit? Iris Ber­ben: Ich weiß, dass ich ein pri­vi­le­gier­ter Mensch bin. Ich ha­be ei­nen Be­ruf, den ich sehr schät­ze und für den ich ge­liebt, aber auch kri­ti­siert wer­de. Ich darf frei ent­schei­den, wie mein Le­ben aus­se­hen soll, und ich ver­su­che, je­den Mo­ment, den ich le­be, ganz be­wusst zu le­ben. MEINS: Was ist Ih­re In­ter­pre­ta­ti­on von äl­ter­wer­den ?

Iris Ber­ben: Es ist ein Pro­zess, aber kei­ner, bei dem man ir­gend­wann an­ge­kom­men ist und sagt: Ach, jetzt ist es so weit, jetzt bin ich alt. Es ist kein Zu­stand, den man er­rei­chen kann, son­dern ein Fluss, das gan­ze Le­ben ist ein Fluss. Und ich hof­fe, es fließt noch lan­ge. Na­tür­lich ist für al­les die Vor­aus­set­zung, ge­sund zu sein. Man kann über al­les sehr klug re­den, wenn man ge­sund ist. In dem Mo­ment, wo man krank ist, ver­schiebt sich al­les. MEINS: Mei­nen Sie, äl­ter­wer­den ist auch ei­ne Kopf­sa­che? Iris Ber­ben: Auf je­den Fall! Ich ken­ne 25-Jäh­ri­ge, die sind so alt im Den­ken, so alt kann ich gar nicht wer­den (lacht). Die Welt ver­än­dert sich,

wir müs­sen uns mit­ver­än­dern. Das hält jung. All die­se Her­aus­for­de­run­gen ber­gen auch ganz gro­ße Qua­li­tä­ten in sich, man muss sich neu for­mie­ren, neue Weg su­chen, auf­re­gen­de We­ge, die das Le­ben be­rei­chern, man muss nur of­fen für al­les sein. MEINS: Was ist Ihr in­ne­res Al­ter? Iris Ber­ben: 18 (lacht)! Mein Ge­fühl von da­mals: „Im­mer mit dem Kopf durch die Wand, mein Le­ben ge­hört mir.“Das ha­be ich ma­ni­fes­tiert in mir. MEINS: den­ken Sie oft an die­se Zeit?

Iris Ber­ben: Ei­gent­lich nicht, aber ich bin das Er­geb­nis die­ser Zeit. Die 60er wa­ren wich­ti­ge Jah­re für mich. Wir muss­ten ei­ne ver­krus­te­te Denk­wei­se auf­bre­chen, das war Flo­wer­Po­wer und sich frei ma­chen und selbst­be­wusst wer­den, an­ecken. All das hat mich nach­hal­tig ge­prägt und ist Teil mei­nes Le­bens. MEINS: Frü­her hat­te man ein merk­wür­di­ges Bild von Frau­en über 50 im Kopf ge­habt, die nur Bei­ge tra­gen und sich un­sicht­bar ma­chen. das ist heu­te an­ders – auch dank Ih­nen! Iris Ber­ben: Heu­te ha­ben wir doch auch so kraft­vol­le Frau­en in der Ge­ne­ra­ti­on, die sich ein­mi­schen, mit­ten in der Ge­sell­schaft ste­hen, fit sind und toll aus­se­hen.

Frau­en sind doch viel selbst­be­wuss­ter ge­wor­den, und die­ses Frau­en­bild muss man im­mer wie­der zei­gen. Und wir Frau­en ha­ben na­tür­lich auch viel bes­se­re Mög­lich­kei­ten als frü­her, wir le­ben län­ger, sind ge­sün­der und bes­ser aus­ge­bil­det. Und die Män­ner, die ich ken­ne, wol­len ei­ne klu­ge Frau, mit der sie dis­ku­tie­ren kön­nen, ei­ne Frau auf Au­gen­hö­he.

MEINS: Was sind die Vor­tei­le des Äl­ter­wer­dens? Iris Ber­ben: Je­des Al­ter hat was Be­son­de­res. Wenn du jung bist, hast du ei­ne un­ge­brems­te Kraft, je­der jun­ge Mensch darf die Welt auf den Kopf stel­len. Wenn man dann in ei­nem ge­wis­sen Al­ter ist, hat man schon was ge­lie­fert, ich bin nicht mehr auf der Su­che, ich ge­he mit dem Ma­te­ri­al um, was da ist. Ich ha­be mich an mich ge­wöhnt. MEINS: Sind Sie heu­te ge­las­se­ner?

Iris Ber­ben: Dar­auf war­te ich noch! Ich fra­ge mich im­mer, wo bleibt mei­ne Ge­las­sen­heit (lacht)? Aber na­tür­lich ist man ge­las­se­ner, weil man sich kennt, man hat viel mehr Selbst­ver­trau­en. Je äl­ter man wird, des­to bes­ser kann man de­fi­nie­ren, was man will und was man eben nicht mehr will. Und man hat auch den Mut, das zu sa­gen. Man kann die Re­geln bre­chen, und es nimmt ei­nem kei­ner mehr übel. MEINS: Be­reu­en Sie et­was im Le­ben? Iris Ber­ben: (So­fort:) Nee! Nichts, was ich ge­tan ha­be. Eher, was ich nicht

ge­tan ha­be. Ich hät­te gern mehr Spra­chen ge­lernt und nicht mit dem Kla­vier­spie­len auf­hö­ren sol­len. Aber das sind Lu­xus­pro­ble­me. So wie mein Le­ben ge­lau­fen ist, so war es gut.

MEINS: Was ist Ihr Ding: Cha­os oder Ord­nung?

Iris Ber­ben: Ord­nung, auf je­den Fall. Sie müss­ten mal mei­nen Schrank se­hen, da sieht es aus wie bei der Bun­des­wehr. Ich bin ein Ord­nungs­freak, vi­el­leicht, weil mein Le­ben so wild und bunt ist. Des­we­gen brau­che ich Ord­nung in mei­nem Um­feld. Ich wa­sche nachts auch noch ab, wenn die Gäs­te weg sind.

MEINS: Gibt es Din­ge, an de­nen Sie hän­gen?

Iris Ber­ben: Ich hän­ge an mei­nen Bü­chern, an Schmuck­stü­cken, die ei­ne Ge­schich­te er­zäh­len, an mei­nen Bil­dern und an mei­nen Brat­pfan­nen. Ich ko­che wahn­sin­nig gern, und mei­ne Pfan­nen sind mit mir alt ge­wor­den. Ich weiß ge­nau, wie sie re­agie­ren, mei­ne sü­ßen, klei­nen Pfan­nen.

MEINS: Sind Sie ro­man­tisch oder nüch­tern? Iris Ber­ben: Ich bin ei­ne nüch­ter­ne Ro­man­ti­ke­rin. Ich lie­be Wi­der­sprü­che, man ist die Sum­me von ganz vie­len Wi­der­sprü­chen, das gan­ze Le­ben ist wi­der­sprüch­lich. Und das ist auch gut so.

MEINS: Wie kön­nen wir uns ein frei­es Wo­che­n­en­de bei Ih­nen vor­stel­len? Iris Ber­ben: Ich wür­de gern lan­ge schla­fen, aber das geht nicht we­gen

Paul Ber­ben, mei­nem Hund. Er ist jetzt 16, taub und blind. Ich bin sei­ne Au­gen und sei­ne Oh­ren. Dann lie­be ich es, lan­ge zu früh­stü­cken und aus­gie­big Zei­tung zu le­sen, sich auch ge­gen­sei­tig was vor­zu­le­sen. Den Tag un­an­ge­strengt lau­fen las­sen mag ich sehr. Ich ge­he gern nach­mit­tags ins Ki­no, dann ist es nicht so voll. Abends was Tol­les ko­chen oder es­sen ge­hen, das ist herr­lich.

MEINS: Sie sind ein Ge­nuss­mensch. heu­te geht es aber bei vie­len Leu­ten nur noch um Be­schrän­kun­gen, vor al­lem beim Es­sen. Wie se­hen Sie das?

Iris Ber­ben: Ich den­ke, wir soll­ten uns schon be­wusst ma­chen: Wo­her kommt mein Fleisch auf dem Tel­ler? Oder brau­che ich wirk­lich je­den Tag Fleisch? Aber ich bin kei­ne Dog­ma­ti­ke­rin. Ich wür­de mir auch bei an­de­ren et­was mehr Ge­las­sen­heit wün­schen. Ich las­se je­den so, wie er ist, und mich soll man bit­te auch so las­sen. Ich la­de halt kei­ne Ve­ga­ner ein, sonst muss ich ja sie­ben Gän­ge Sa­lat ma­chen (lacht).

MEINS: Wie wür­den Sie Ih­ren Le­bens­stil be­schrei­ben? Iris Ber­ben: Ich bin ein Frei­geist, in je­der Hin­sicht. MEINS: Sind Sie ein Bauch- oder kopf­mensch?

Iris Ber­ben: Bei­des. Man kann es nicht tren­nen. Al­les zu sei­ner Zeit. Aber mein Bauch­ge­fühl wird im Al­ter im­mer bes­ser. MEINS: Was ist Ihr Le­bens­mot­to? Iris Ber­ben: Aus­hal­ten, durch­hal­ten. MEINS: Wie stel­len Sie sich die Zu­kunft vor? Iris Ber­ben: So­lan­ge es geht, wer­de ich das Le­ben fei­ern! •

In­neR lich bin ich im­meR noch 18!

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