was uns be­wegt

Hei­de­lin­de Weis hat den Krebs be­siegt

Meins - - Inhalt - VON KATH­RIN BEHR

Wo­vor ha­ben wir Men­schen am meis­ten Angst? An ers­ter Stel­le ste­hen bei die­ser Fra­ge fast im­mer die­se Ant­wor­ten: „Der Ver­lust ei­nes ge­lieb­ten Men­schen“und „Ei­ne schwe­re Krank­heit“. Wir le­ben mit die­ser Angst, aber ver­drän­gen sie doch meist recht er­folg­reich im All­tag. Und das ist gut und ge­sund. Aber wenn die Dia­gno­se Krebs dann tat­säch­lich kommt, er­schüt­tert sie uns, wie kaum ei­ne an­de­re Nach­richt.

Denn sie ist ein An­griff auf

un­ser Le­ben. So wie wir es bis jetzt ge­lebt ha­ben. Und kon­fron­tiert uns plötz­lich mit dem Ge­dan­ken an den Tod. Und ob­wohl wir wis­sen, dass es je­den tref­fen kann, sind wir fas­sungs­los: „War­um gera­de ich?“, fra­gen sich vie­le. Soll­ten wir uns nicht fra­gen: „War­um nicht auch ich?“

Je­mand, der ge­nau weiß, wie man sich fühlt mit die­ser ein­schnei­den­den Dia­gno­se, ist Hei­de­lin­de Weis, 76. Die sym­pa­thi­sche Schau­spie­le­rin kämpft be­reits zum drit­ten Mal ge­gen den Teu­fel Krebs. Nach­dem bei ihr im Früh­jahr 2016 ein Tu­mor an der Bla­se ent­deckt wird, zieht sie sich zu­rück, kämpft im Stil­len ge­gen die Krank­heit. Doch jetzt, fast ein Jahr da­nach, ist sie wie­der da und hat ih­ren ers­ten gro­ßen Auf­tritt in der Öf­fent­lich­keit bei ei­ner Preis­ver­lei­hung am Wör­t­her­see.

Ih­re ehe­mals präch­ti­gen brau­nen Haa­re sind nun kurz und grau. Aber das be­rühm­te Strah­len in ih­ren dun­keln Au­gen ist im­mer noch das glei­che. „Ich bin im Mo­ment voll­kom­men ge­sund und füh­le mich fan­tas­tisch“, sagt sie. Schmal ist sie ge­wor­den, aber man sieht ihr an, dass die Lust auf Le­ben in ihr

brennt. Mit dem Schick­sal ha­dern? Nein, das ist nicht ih­re Sa­che. „Ich hat­te und ha­be al­les, was man sich nur wün­schen kann. Al­so wird auch die­ser Krebs be­wäl­tigt, und ich wer­de ihn be­zwin­gen.“

Was für ei­ne tol­le Le­bens­ein­stel­lung! Da­bei hat Hei­de­lin­de Weis ei­ni­ge Schick­sals­schlä­ge aus­hal­ten müs­sen. Im Jahr 1997 er­krank­te sie an ei­nem Anal­k­ar­zi­nom, 2001 dann an Brust­krebs. Nun, 15 Jah­re spä­ter, wie­der ein Tu­mor. Ih­ren Mann Hell­muth Du­na († 78) pfleg­te sie nach ei­ner Ge­hirn­blu­tung zehn Jah­re lang auf­op­fernd – bis zu sei­nem Tod 1998. Er war ih­re gro­ße Lie­be – und ist es bis heu­te.

Was wir an Hei­de­lin­de Weis be­wun­dern, ist ih­re un­glaub­lich po­si­ti­ve Ein­stel­lung. „Ich muss­te ler­nen, Din­ge an­zu­neh­men, oh­ne zu ver­zwei­feln. Das ließ mich wach­sen. Ich bin of­fe­ner ge­wor­den, ge­las­se­ner, groß­zü­gi­ger.“

Sie ist kei­ne, die sich un­ter­krie­gen lässt, die den Mut ver­liert oder in Selbst­mit­leid

zer­flie­ßen könn­te. Im Ge­gen­teil! Sie nimmt je­den neu­en Schick­sals­schlag als Her­aus­for­de­rung an, er wird Teil ih­res Le­bens, und sie kämpft. Ist die­se po­si­ti­ve Le­bens­ein­stel­lung vi­el­leicht so­gar ihr per­sön­li­cher Schlüs­sel zur Hei­lung, zum Über­le­ben? Ist das der Grund, dass sie den Krebs im­mer wie­der be­siegt hat? Wis­sen­schaft­ler se­hen durch­aus ei­nen Zu­sam­men­hang zwi­schen po­si­ti­vem Den­ken und Hei­lungs­chan­cen. Ih­rer Mei­nung nach ist die See­le in der La­ge, so­gar Krank­hei­ten wie Krebs zu be­kämp­fen. Der Psy­cho­the­ra­peuth Dr. Rolf Merk­le meint, dass sich po­si­ti­ves Den­ken auf al­le Be­rei­che des Le­bens aus­wirkt, aber vor al­lem auf die Gesundheit: „Ein po­si­ti­ves Le­bens­ge­fühl wirkt auf un­se­re in­ne­ren Or­ga­ne wie ein Le­bens­eli­xier. Op­ti­mis­ten blei­ben län­ger jung und ge­sund. Zahl­rei­che Stu­di­en be­le­gen, dass un­se­re Ab­wehr­kräf­te durch ei­ne hoff­nungs­vol­le op­ti­mis­ti­sche Ein­stel­lung ge­stärkt wer­den.“

Die Psy­choon­ko­lo­gin Dr. Mo­ni­ka Kel­ler von der Uni­k­li­nik Heidelberg geht noch wei­ter: „Die Be­deu­tung der Psy­che wird bei ei­ner Krebs­er­kran­kung noch im­mer un­ter­schätzt. Krebs bringt ne­ben den me­di­zi­ni­schen Pro­ble­men un­ver­meid­lich auch Un­ge­wiss­heit, Ängs­te und tie­fe Ve­r­un­si­che­rung mit sich. Aber man kann et­was da­ge­gen ma­chen. Psy­choon­ko­lo­gie un­ter­stützt Men­schen in ei­ner Le­bens­kri­se.“Wer sei­ne Krank­heit an­nimmt und Mut schöpft, ver­trägt auch Che­mo­the­ra­pi­en viel bes­ser, sagt Dr. Kel­ler. Hei­de­lin­de Weis ist für die­se The­se das bes­te Bei­spiel: Sie nimmt die be­las­ten­den Fol­gen der Che­mo wie den Ver­lust der Haa­re lo­cker: „Es ist na­tür­lich nie schön, sei­ne Haa­re zu ver­lie­ren. Ich zweif­le noch, ob mir die kur­zen Haa­re ste­hen. Aber es gibt ja Schlim­me­res.“Sie sei ei­ne „Ste­hauf­da­me“, hat sie mal ge­sagt. „Auf­ge­ben gilt nicht.“Was für ei­ne mu­ti­ge Frau. •

Ich muss­te ler­nen, Din­ge an­zu­neh­men, oh­ne zu ver­zwei­feln

AUF DAS LE­BEN ! Hei­de­lin­de Weis’ ers­ter Gro­ßEr Auf­trItt nACH DEm KrEBs! SIE stößt An AuF DIE GEsunDHEIt

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