Kolumne

Re­pa­ra­tur? Lei­der nicht mög­lich

Meins - - Inhalt -

Als ir­gend­wann in den 60er-Jah­ren mein ge­lieb­ter Plat­ten­spie­ler ka­putt­ging, tat mein Va­ter Fol­gen­des: Er stell­te das Ge­rät auf den Ess­tisch, öff­ne­te das Ge­häu­se und be­gab sich auf Feh­ler­su­che. Nach ein paar Mi­nu­ten mur­mel­te er: „Ah, da ha­ben wir’s ja“, und be­fes­tig­te das lo­cke­re Ka­bel mit dem Löt­kol­ben. Der Plat­ten­spie­ler be­glei­te­te mich da­nach vie­le wei­te­re Jah­re – von der Old-Shat­ter­hand-Dau­er­schlei­fe bis zur Mike-Old­field-Pha­se.

Das war da­mals nichts Un­ge­wöhn­li­ches. Wenn un­se­re Wasch­ma­schi­ne oder der To­as­ter ka­putt­gin­gen, wur­den sie eben­falls re­pa­riert. Was mein Va­ter nicht hin­krieg­te, er­le­dig­te je­mand aus dem Freun­des­kreis, und zur Not kam ein Mon­teur ins Haus. Fer­tig.

Als ich vor ein paar Wo­chen

beim Kun­den­dienst un­se­res Ge­schirr­spü­ler­her­stel­lers an­rief, weil der Spü­ler das Hei­zen ein­ge­stellt hat­te, ver­häng­te man schon am Te­le­fon das To­des­ur­teil über das Ge­rät. Si­cher, man kön­ne je­man­den schi­cken, hieß es. Aber die Re­pa­ra­tur wä­re teu­rer als ein Neu­kauf, weil die meis­ten Tei­le nicht aus­tausch­bar wä­ren. Ver­mut­lich dau­ert es nicht mehr lan­ge, und man wird ge­zwun­gen, sich ein neu­es Au­to zu kau­fen, weil beim al­ten der Blin­ker ka­putt ist. Oder, wie neu­lich bei mei­nem Com­pu­ter, der Buch­sta­be M. Ein zie_­lich wich­ti­ger Buch­sta­be, wie ich bei_ Schrei­ben _erk­te. Wie­der ein­mal rief ich den Kun­den­dienst an, der in der Com­pu­ter­bran­che ganz mo­dern „Sup­port“heißt. Ich wur­de mit ei­nem net­ten In­der ver­bun­den, der ir­gend­wo in Ir­land in ei­nem Call­cen­ter sitzt und mir auf fast ak­zent­frei­em Deutsch sag­te, dass der M-Aus­set­zer wahr­schein­lich ein ernst­haf­ter Hard­ware­feh­ler sei, was die höf­li­che Um­schrei­bung für „Kann man nix mehr ma­chen“ist. Er riet zum Neu­kauf, weil der Rech­ner schließ­lich schon fünf Jah­re (!) alt sei, al­so qua­si ein Me­thu­sa­lem un­ter den Elek­tro­ge­rä­ten.

schlap­pe 2000 eu­ro spä­ter steht jetzt mein neu­es Ar­beits­ge­rät vor mir und tut im Grun­de das Glei­che, was mein al­ter Com­pu­ter eben­falls tat, nur mit M. Ges­tern woll­te ich ei­ne CD ein­le­gen, um ne­ben­her ein biss­chen Mu­sik zu hö­ren, ging aber nicht, weil das Teil gar kein CD-Lauf­werk mehr hat. CDs wä­ren to­tal old school, er­fuhr ich auf Nach­fra­ge. Die wür­de dem­nächst so­wie­so kein Mensch mehr be­nut­zen. Was da­ge­gen wie­der im Kom­men sei, wä­ren Schall­plat­ten. Mor­gen ge­he ich auf den Dach­bo­den und su­che mei­nen al­ten Plat­ten­spie­ler. Ich bin mir si­cher, der funk­tio­niert noch ­ein­wand­frei.­•

Un­se­re Ko­lUm­nis­tin

Car­la Be­cker, 55, liebt schnel­le Au­tos, Kat­zen und ih­ren Mann. Und fühlt sich kei­nen Tag äl­ter als 39

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